Rheinpfalz
Waldfischbach: „Harley-Rocker“ kapituliert vor Prinzessin
„Mir honn ne“, rief Herbert Sutter, Präsident des Karnevalvereins Waldfischbach, am Sonntag, nachdem er gemeinsam mit 90 Narren das Rathaus in Waldfischbach-Burgalben gestürmt hatte. Er meinte damit den Schlüssel für das Rathaus. Das Ziel der Narren zu Jahresbeginn: die politisch Verantwortlichen ablösen und Prinzessin Laura I. für die laufende Fasnachtskampagne auf den Stuhl der Macht bringen.
Mit lautem Geböller verliehen die Narren ihrer Forderung nach einem närrischen Machtwechsel Nachdruck. Schließlich kapitulierten Bürgermeister Michael Oestreicher und Co., Prinzessin Laura I. hat das Sagen im Ort. Mit Blick in die schwach gefüllte Gemeindekasse stellte die Prinzessin fest: „Leider gab es nicht viel zu hole, wenn in Waldfischbach-Burgalben was fehlt, dann is es die Kohle“.
Ihre Antrittsrede als Regentin verband sie mit einem Appell an ihre Untertanen. Die sollten viel mehr schätzen, was es im Ort alles gibt. Handwerk, Gewerbe, ärztliche Versorgung, Kultur. Keiner müsse fort, um Dinge zu erledigen oder zu feiern. Das helfe Sprit und Fahrtkosten sparen. Kaufe man nur auswärts oder im Internet, dürfe sich keiner beschweren, wenn er irgendwann vor verschlossenen Türen stehe.
Die Kerwe wieder beleben
Sie warb dafür, dass sich die Menschen beim Karnevalverein oder in anderen Vereinen einbringen. Vereine seien das Rückgrat vieler Veranstaltungen. Gebe es die Vereine nicht mehr, dürfe niemand klagen, dass es keine Veranstaltungen mehr gebe. Die Kerwe habe das Schicksal bekanntlich bereits ereilt. Sie fiel aus. Anderen Veranstaltungen droht ein ähnliches Schicksal. Die Kerwe wieder beleben, wäre ein Wunsch der Prinzessin.
Laura I. erinnerte an Oestreichers Machtübernahme, die per Wahl zustande gekommen war. „Für manche Bürger war das Ergebnis ein richtiger Schocker, denn unser Neier is e Harley-Rocker“. Auch der Rocker, der der Prinzessin anlässlich des Machtwechsels ein Armbändchen mit dem Schriftzug „Laura I.“ überreichte, musste vor der närrischen Übermacht kapitulieren. „Ihr kommt hier nicht rein“, hatte Oestreicher gegen 13 Uhr die Tür noch verschlossen gehalten. Präsident Sutter drohte mit alter List: Aushungern im Zweifelsfall. So weit musste es nicht kommen. Oestreicher gab auf: „Statt jetzt einen unnützen Kampf zu absolvieren, möcht’ ich euch lieber meine Mitarbeit offerieren. Nehmt den Schlüssel, kommt herein, die Gemeindekasse soll die eure sein“. Mit diesen Worten überließ Oestreicher Prinzessin Laura I. das Rathaus.