Rheinpfalz
Waldfischbach-Burgalben: Gertrud und Heinz Brämer sind seit 70 Jahren verheiratet
„Wissen Sie, wie man das schreibt?“, fragt Gertrud Brämer schmunzelnd. Es geht um die pfälzische „Mischdkaut“. Eine solche spielte in ihrem Leben und im Leben ihres Mannes Heinz eine entscheidende Rolle. „An der Mistkaut haben wir uns zum ersten Mal gesehen.“ Eine Begegnung mit Folgen. An diesem Mittwoch feiern sie in Waldfischbach-Burgalben ihren 70. Hochzeitstag – Platin- oder Gnadenhochzeit genannt.
Dass sie dieses Ereignis mit ihrer Familie feiern können – zwei Töchter, Schwiegersöhne und vier Enkel –, freut die Brämers. Großes Brimborium? „Das gibt es bei uns nicht“, sagt Gertrud Brämer. Schon die Hochzeit vor 70 Jahren im westfälischen Warburg war eine schlichte Angelegenheit.
Das Ehepaar besitzt ein Foto von einem Gemälde, auf dem die Mistkaut zu sehen ist, an der alles begann. Die stand in Schopp, Heinz Brämers Geburtsort. Ein Maler hat den Abschnitt der Schopper Hauptstraße, inklusive Mistkaut festgehalten.
„Sie hat mir gleich gut gefallen“
In Schopp verbrachte die heute 90-Jährige Zeit bei ihrem Großvater. Sie wuchs in Waldfischbach-Burgalben als Gertrud Höbel auf. Nach der Schule sei ein sogenanntes Pflichtjahr zu absolvieren gewesen. Da ihr Großvater alleine eine Landwirtschaft betrieb, „wurde mir ausnahmsweise gestattet, mein Pflichtjahr bei ihm zu absolvieren“, erinnert sie sich. Die Mistkaut gehörte zum Hof. Dort traf sie eines Tages einen Bekannten, der einen jungen Mann dabei hatte: Heinz Brämer. „Wir haben uns unterhalten“, erinnern sie sich an die erste Begegnung. „Sie hat mir gleich gut gefallen“, verrät der 94-Jährige. Also blieb er hartnäckig. „Als ich eines Abends aus dem Küchenfenster schaute, stand er da, und dann bin ich ihn nicht mehr los geworden“, sagt Gertrud Brämer lachend.
Heinz Brämer war kurz zuvor aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und half seiner Cousine, die einen Sandsteinbruch betrieb. Als die Ingenieurschule in Kaiserslautern, an der er zuvor drei Semester absolviert hatte, nach dem Krieg wieder öffnete, beendete Brämer sein Studium als Bauingenieur. Mangels Arbeit in der Region ging er nach Westfalen, wo ihm sein Schwager, der beim Wasserwirtschaftsamt arbeitet, eine Stelle besorgte.
Ein Paar ohne Trauschein
Seine heutige Frau besuchte ihn dort, „und damals waren die Zeiten eben anders“, sagen die beiden mit Blick auf die 40er Jahre. Ein Paar ohne Trauschein. Das gehörte sich nicht. So schlug er vor: „Lass uns heiraten.“ Gesagt, getan. Standesamtlich wurde der Bund fürs Leben geschlossen. Zwei Tage Hochzeitsreise zur Wilhelmshöhe bei Kassel, die im Gegensatz zur Stadt den Krieg heil überstanden hatte. An das Hochzeitessen kann sich Gertrud Brämer gut erinnern: „Rindsrouladen mit Bohnengemüse.“
An Heiligabend wurde die Brämers in Schmalenberg kirchlich getraut. Die Familie war dabei, „aber es war keine große Sache“. Heinz Brämer wollte nicht mehr nach Westfalen, wollte in der Heimat bei seiner Frau bleiben – auch ohne Arbeitsstelle. Die fand er aber sechs Wochen später. Als Bauingenieur bei Theisinger und Probst. „Dort habe ich 38 Jahre gearbeitet. Wir haben Pirmasens aufgebaut“, erzählt er. Der Fehrbacher Wasserturm, Schlosstreppe, Krankenhaus, Husterhöhe, Messe, Kreisverwaltung waren seine Projekte.
Er das Gemüse, sie die Blumen
Sein Chef wollte, dass Brämer sich in Lemberg niederlässt. „Aber ich wollte in Waldfischbach-Burgalben bleiben“, sagt seine Frau. Es sei schwierig gewesen, einen Bauplatz zu finden. Die Kappesdelle, wo sie ihr Haus errichteten, war damals noch ein Waldgebiet. Erst 15 Jahre nach ihrem Einzug wurde die Straße gebaut, erinnert sich Heinz Brämer. Das Ehepaar geht gemeinsam einkaufen, kümmert sich um den Garten. „Er um das Gemüse, ich mich um die Blumen“, sagt Gertrud Brämer. Sie sitzen gerne im Garten, genießen den Blick über das Dorf Richtung Sickingerhöhe, und DIE RHEINPFALZ zu lesen, steht bei Heinz Brämer jeden Tag auf der Agenda.