Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Waldfischbach: Ärzte schlagen wegen Schutzkleidungsmangel Alarm

Wolfgang Leidecker, hier bei der Präsentation eines Sensors zur Glukosemessung, beklagt, dass Ärzte derzeit nur schwer an Schutz
Wolfgang Leidecker, hier bei der Präsentation eines Sensors zur Glukosemessung, beklagt, dass Ärzte derzeit nur schwer an Schutzkleidung kommen. Foto: Andrea Daum

Auf einen gravierenden Missstand, der im schlimmsten Fall noch in dieser Woche dazu führen kann, dass die Praxis geschlossen werden muss, weist die Hausärztliche Berufsausübungsgemeinschaft Waldfischbach/Hermersberg (BAG) hin: Es fehlt an medizinischer Schutzkleidung.

Mit ihrem medizinischen Hilferuf hat sie sich auch an die Kreisverwaltung Südwestpfalz gewandt. „Trotz der Zusicherung durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz sowie durch unsere eigenen Bemühungen ist es nicht gelungen, Schutzkleidung auch nur in geringer Zahl geliefert zu bekommen“, teilt die BAG mit. Sowohl Masken, als auch Schutzkittel und Visiere sind nicht zu bekommen.

„Wir haben absolut nichts bekommen“, verdeutlicht Wolfgang Leidecker, einer der Ärzte, das akute Problem. Und das kann, wenn sich nichts ändert , dramatische Folgen haben, so die BAG: „Aus Gründen der Fürsorge gegenüber unseren Patienten, Arbeitnehmern und nicht zuletzt uns selbst, sehen wir uns daher nicht mehr in der Lage, unsere Praxis der Allgemeinmedizin und Diabetologie unter diesen hygienischen Bedingungen aufrechtzuerhalten“. Für die BAG ist klar, dass die Praxis ab Donnerstag geschlossen bleiben muss, wenn es nicht binnen der kommenden zwei Tage gelingt, Schutzmaterialien aufzutreiben.

Alle Versuche bislang gescheitert

Man versuche wirklich alles, sagt Leidecker. Die Praxis hatte, wie berichtet, schon die Ausstellung und das Abholen von Rezepten unter neuen hygienischen Gesichtspunkten in Zusammenarbeit mit den Apotheken organisiert. „Die meisten Patienten verstehen das, verhalten sich so diszipliniert, wie es notwendig ist“, lobt Leidecker. Die Praxis selbst trifft gerade Hygiene-Vorbereitungen, wenn beim bevorstehenden Quartalswechsel wieder alle Patienten ihre Versichertenkarte abgeben müssen. Durch kleinere Umbau- und Umorganisationsmaßnahmen soll die Sicherheit für Mitarbeiter und Patienten so hoch wie möglich sein. „Wir bemühen uns, alles zu tun“, sagt Leidecker. Aber ohne Schutzkleidung liefen alle Bemühungen erst einmal ins Leere, als letzte Möglichkeit bliebe die Praxisschließung.

Landrätin Susanne Ganster kennt den Brief, den Leidecker geschrieben hat. Und sie kennt die Probleme, die es beim Nachschub von Schutzkleidung gibt. „Wir haben über die verschiedensten Kanäle Masken und Kittel bestellt, alle können nicht sagen, ob und bis wann sie geliefert werden“, sagte sie. Für die Ausstattung der niedergelassenen Ärzte seien die Kassenärztliche Vereinigung und das Land zuständig. Die Kreisverwaltung selbst verfüge über einen überschaubaren Bestand, der derzeit ausreiche, um die Amtsärzte und das Corona-Testzentrum in Höhfröschen auszustatten.

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