Rheinpfalz Vor den Nazis aus der Heimat geflohen

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Auf den Spuren der Vorfahren: Im jüdischen Museum in Steinbach konnte der erste Vorsitzende des Heimatvereins Steinbach, Josef Wintringer, Ronald und Carol Roos aus den USA begrüßen.

Die Gäste wohnen bei Chicago im Bundesstaat Illinois, wo Ronalds Roos’ Vater Albert bis zu seinem Tod lebte. Dieser war 1936 mit seinen Brüdern Walter Friedel und Erich wie viele andere Juden emigriert, um der Nazi-Verfolgung zu entgehen. Josef Wintringer erzählte der RHEINPFALZ, dass er seit etwa 30 Jahren mit Walter und Erich befreundet war. Beim Kirschenpflücken habe sich ein Gespräch ergeben, es folgte die Einladung zu Wintringers nach Hause. Dort überraschten Josef und Hedwig Wintringer die Besucher mit Kirsch-Waffeln. Daraus entstand eine Freundschaft, die bis zum Tode von Erich vor acht und Walter vor zwei Jahren anhielt und jetzt die Basis für den Besuch aus der USA war. Wintringer ist immer noch ständig im Kontakt mit der Ehefrau von Erich, Ruth Roos, die ebenfalls in Chicago wohnt. Ronald und Carl Roos sind mehrere Tage in Deutschland unterwegs, unternehmen auch eine Schifffahrt von Amsterdam bis Basel. Jetzt wurde die Gelegenheit genutzt, um mit einem Taxi von Mannheim nach Steinbach zu fahren, um sich über die Geschichte der Familien und der Juden in der Region näher zu informieren. Josef Wintringer führte die Gäste durch das Museum, in dem viele Bilder, Hinweise und Exponate der jüdischen Familie Roos aufbewahrt sind. Besonders beeindruckte die Gäste beispielsweise, dass die Großmutter Rosa Roos das Ehrenkreuz für Eltern 1935 im Namen des Reichsführers und Reichskanzlers verliehen bekam. Sohn Erich empfand dies als Ironie und Hohn, da Juden schon längst überwacht, bespitzelt und verfolgt wurden. Rosa Roos lebte noch zwei Jahre in Brücken und wanderte 1937 nach Chicago aus. Nach einer Kaffeerunde, für die Elke Kurz, Beisitzerin im Heimatverein mit Ehemann und Kassenwart Axel Kurz sorgte, führte Wintringer Ronald und Carol Roos zusammen mit Verbandsbürgermeister Klaus Schillo, Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein und der Übersetzerin Janine Kurz durch den Ort zum jüdischen Friedhof, wo die Gräber von Großvater Bernhard Roos, Urgroßvater Leopold Roos und Onkel Leo Roos sind, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Von ihm gibt es noch ein Kriegstagebuch. Nach einer Fahrt nach Brücken sah das amerikanische Ehepaar noch das ehemalige Kaufhaus von Bernhard Roos, das heute die Poststelle ist. Hiervon existiert noch ein Bild aus dem Jahr 1925 und in einer Vitrine im Museum das Ladenschild: „Bernhard Roos, Viehhandlung“. Wie die Gäste aus Amerika der RHEINPFALZ erzählten, sei der Besuch in der Pfalz ein besonderes Erlebnis gewesen, von dem sie ihren Kindern Jeffrey und Andrea erzählen werden – vielleicht kommen sie ja auch einmal. |ddl

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