Rheinpfalz Von der Kanzel ins Beet

Wird am kommenden Sonntag vom Amt des Superintendenten entpflichtet: Gerhard Koepke.
Wird am kommenden Sonntag vom Amt des Superintendenten entpflichtet: Gerhard Koepke.

Die Auflösung des ehemaligen Kirchenkreises St. Wendel im Jahr 2010 war für ihn eines der einschneidendsten Erlebnisse als Superintendent. Mit Kirchenstrukturen oder Verwaltungskram muss sich Gerhard Koepke jetzt aber nicht mehr herumschlagen. Am Sonntag, 25. März, wird der 65-Jährige in einem Gottesdienst in St. Wendel in den Ruhestand verabschiedet.

„Es war anstrengend, es hat aber auch viel Spaß gemacht“, zieht der Superintendent des Kirchenkreises Saar-Ost Bilanz. Ob Pfarrer sein Traumjob war? „Es gibt keinen schöneren Beruf“, sagt er. Von der Wiege bis zur Bahre habe man mit Menschen zu tun. Auch wenn er nun in den Ruhestand tritt, Koepke wird weiter Pfarrer sein. Er übernehme Gottesdienstvertretungen und sei auch schon für Trauungen „gebucht“, berichtet er. Koepke stammt aus Saarbrücken. Das Theologiestudium führte ihn nach Mainz, 1982 kam er ins Saarland zurück, nach St. Wendel. Dort wohnt der verheiratete Vater von drei Söhnen weiterhin. Und dort warte jetzt allerhand Arbeit auf ihn: „Der Garten schreit“, gibt der scheidende Superintendent eine Idee, wo er künftig anzutreffen ist. Auch am Haus sei immer etwas zu tun. Apropos Haushalt: Der Theologe freut sich aufs Kochen, und er hat zukünftig mehr Zeit fürs Lesen und seine Fotosammlung. „Es wird mir bestimmt nicht langweilig“, meint Koepke. Seinen Terminkalender wird er wohl nicht vermissen. Seit 1984 war Gerhard Koepke Gemeindepfarrer in St. Wendel, 1989 wurde er erstmals zum Superintendenten gewählt – damals noch im Kirchenkreis St. Wendel. „Wir waren lange Zeit der kleinste Kirchenkreis in der rheinischen Kirche“, berichtet er. Rund 32.000 Evangelische zählte damals der Kirchenkreis, zu dem auch die Gemeinden Burg Lichtenberg, Herren-Sulzbach und Grumbach, Medard und Niederalben, Niedereisenbach, Offenbach, Wiesweiler sowie Pfeffelbach im Landkreis Kusel gehörten. Aufgrund der demografischen Entwicklung wurden es immer weniger – zuletzt rund 25.000. „Wir haben damals gekämpft, um als Kleinste bestehen zu können“, schildert Koepke. Immerhin habe man dem 1835 gegründeten Kirchenkreis auch gute Arbeit attestiert. Allerdings habe sich dann doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass es so nicht weitergeht. Mit der Auflösung des Kirchenkreises, der in einem Trauergottesdienst in der Offenbacher Abteikirche begonnen wurde, wurden die Weichen auf Null gestellt. Der Neuzuschnitt betraf auch die Kirchenkreise Birkenfeld und Ottweiler. Aus drei Einheiten gingen die Kirchenkreise Saar-Ost sowie Obere Nahe hervor. In letzterem gingen die erwähnten Gemeinden des Landkreises Kusel auf. Die Kirchengemeinden gehörten somit fortan einem rheinland-pfälzischen oder einem saarländischen Kirchenkreis an. Komplikationen, etwa durch unterschiedliche Ferienregelungen, waren seither Geschichte. In der Kirche werden neue Zusammenschlüsse oder Fusionen vielfach auch von Kritik begleitet, wie jüngste Beispiele etwa im Bistum Trier zeigen. „Bei uns ging das relativ geräuschlos“, blickt Koepke zurück. Nach der Auflösung des Kirchenkreises St. Wendel wurde er 2010 zum Superintendent des neuen Kirchenkreises Saar-Ost gewählt. Dieser erstreckt sich von St. Wendel über Ottweiler und Neunkirchen bis nach Dudweiler in die Landeshauptstadt Saarbrücken hinein. Im Kirchenkreis leben 52.550 Gemeindeglieder in 15 Kirchengemeinden. Die Verwaltung hat ihren Sitz in Neunkirchen. Nachfolger von Koepke in der Superintendentur wird der St. Wendeler Pfarrer Markus Karsch. Der 49-Jährige war auf der Synode im vergangenen November gewählt worden. Karsch soll am Sonntag, 8. April, in sein neues Amt eingeführt werden. Info Der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag um 14 Uhr in der Stadtkirche St. Wendel statt. Die Entpflichtung übernimmt der rheinische Präses Manfred Rekowski. Es singt die Kantorei Obere Nahe unter Leitung von Roland Lißmann.

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