Kultur Südpfalz Vier Hände für ein Piano

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Der Wettergott meinte es gut mit dem Pianistenehepaar Herbert Schuch und Gülru Ensari: Trotz empfindlicher Kühle nach der Pause spielten sie ihr im Germersheimer Kulturzentrum „Hufeisen“ mit Werken von Brahms bis Hindemith angesetztes Freiluft-Konzert.

Herbert Schuch ist bislang nicht nur zweimal mit dem „Echo“ ausgezeichnet worden, der international renommierte Pianist hatte zuletzt die Ehre, bei den Schwetzinger Festspielen für die erkrankte Maria Joao Pires, die große alte Dame des Klavierspiels, einspringen zu dürfen. Beim Germersheimer Kultursommer im Kulturzentrum „Hufeisen“ musizierte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Gülru Ensari, die sich bislang als Kammermusikerin einen Namen gemacht hat. Obwohl beide erst seit Ende der Saison 20114/2015 öffentlich gemeinsam auftreten, war ihr vierhändiges Spiel beim Open-Air-Konzert nicht nur von einem hohen Maß an manueller Übereinstimmung getragen. Das Musiker-Ehepaar verfolgt eine sehr genau abgestimmte Interpretationsästhetik, die auf nuancierter Klangfarbendramaturgie und großer Freiheit in Fragen von Tempi und rhythmischen Veränderungen basiert. Herbert Schuch ist zudem nicht nur als ein sehr sensibler, den Instrumentalklang in all seine Facetten auslotender Interpret bekannt geworden, seine Programmzusammenstellungen sind immer wieder für Überraschungen gut, lassen neue Blickwinkel auf scheinbar Bekanntes zu. Beim Kultursommer lenkte das Duo Schuch und Ensari das Interesse auf die Walzer op. 6 von Paul Hindemith. Es sind nahezu unbekannte und für den als „Bürgerschreck“ bekannt gewordenen Hindemith eher untypische Werke, die noch an die Traditionen des 19. Jahrhunderts anknüpfen. Mit der Ausnahme von Opus 8 wurden zu Lebzeiten von Hindemith seine Werke bis einschließlich opus 10 nicht veröffentlicht, darunter befinden sich neben den vierhändigen Walzern auch Orchesterwerke oder spätromantisch geprägte Orchesterlieder. In Germersheim erklangen die teilweise etwas spröden, klanglich gehärteten Walzer im Wechsel mit einer Auswahl der populären Walzer von Johannes Brahms op. 39, ohne dass dem Publikum per Programm mitgeteilt wurde, ob nun gerade Brahms oder Hindemith erklingt. Ein interessantes Experiment, bot das Pianistenehepaar doch dank seiner äußerst subtilen, auf tänzerischen Impetus fast zu sehr verzichtenden Herangehensweise eine auch dank vieler breit ausgespielter Rubati und nuanciertem Dynamik ungewohnte Sichtweise auch auf Brahms. Dass dies dem Publikum unter den Umständen eines Open-Air-Konzerts vermittelt werden konnte, lag nicht nur an dem hochkarätigen Spiel, sondern auch am Einsatz des Klavierstimmers, der vor und in der Pause des Konzerts sich intensiv um die Präparation des Flügels kümmerte, aber auch an der diskreten elektronischen Verstärkung, die die Anschlagkünste der Interpreten ins beste Licht rückte. Bei Mozarts Sonate F-Dur KV 497 waren hingehen die musikalisch weniger überzeugenden Momente des Spiels von Schuch und Ensari zu erleben, die während des Abends sich bei Primo und Secondo-Part immer wieder abwechselten. Denn die häufigen Tempoveränderungen bei Mozart, das samtpfötige Spiel wirkte häufig arg manieriert, „schöne Momente“ wurden so recht beziehungslos aneinandergereiht, die Komposition drohte in Einzelteile auseinanderzubrechen, bis im Finale dann ein auch rhythmisch überzeugender Zugriff auf die Sonate sich Bahn brach. Franz Schuberts f-Moll-Fantasie und das a-Moll Allegro „Lebenstürme“ hingen präsentierte das Duo in Bestform. Dank der Anschlags- und Phrasierungskünste beider Pianisten wurden die Ebenen der Musik, der melodische Einfallsreichtum ebenso wie die vielschichtige Harmonik ausgelotet, blieb trotz rhythmischer Freiheit das Ganze stets im Blick. Schubert-Spiel von schier unirdischer Schönheit, zugleich aber einer Ausdruckstiefe, die selten zu erleben ist. Für den anhaltenden Beifall des wohl wegen der unsicheren Wetterlage nicht in besonders großer Zahl erschienen Publikums spielten Schuch und Ensari als Zugabe einen für sie komponierten Tanz des türkischen Komponisten Özkan Manav. |gt

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