Rheinpfalz Tierheim-Vertrag steht auf der Kippe

Beim gemeinsamen Tierheim-Projekt der drei Landkreise Saarpfalz, Neunkirchen und St. Wendel ist Sand ins Getriebe gekommen. Ein Gespräch in dieser Woche im Saarbrücker Umweltministerium soll Bewegung in die stockenden Verhandlungen zwischen Kommunen und Tierheim-Betreibern bringen.
„So weit waren wir noch nie gekommen“, sagt Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo, dass er mit seinen Kollegen aus den beiden Nachbar-Landkreisen sowie den Stadt- und Gemeindeverwaltungen in allen drei Kreisen einen unterschriftsreifen Vertrag ausgearbeitet habe. Dieser sieht die finanzielle Beteiligung der Kreise und deren Kommunen an den Betriebskosten der Tierheime in Homburg-Erbach und St. Wendel-Niederlinxweiler vor. „Vorige Woche wollten wir Tierschutz-Vertretern vom Land und den beiden Tierheim-Betreibervereinen den Vertragsentwurf vorstellen“, erläutert Gallo: „Dieses Gespräch ist leider geplatzt.“ Wie mehrfach berichtet, ist das Homburger Tierheim 2016 nur haarscharf, dank öffentlicher Zuschüsse von Stadt und Kreis, an der Insolvenz vorbeigeschrammt. „In monatelangen Verhandlungen mit den Nachbarkreisen und 22 Kommunen haben wir eine Vereinbarung gefunden, um für die Zukunft eine Insolvenz der beiden Tierheime zu verhindern“, klagte der Landrat, dass er jetzt „frustriert“ sei: „Wir haben Arbeitszeit ohne Ende investiert. Wir drei Landräte verstehen die Haltung der Tierheim-Betreiber nicht. Die haben ihr Veto eingelegt.“ In dieser Woche soll bei einem Gespräch im Saarbrücker Umweltministerium ausgelotet werden, welchen Beitrag die Kommunen leisten können, um den Bestand der beiden Tierheime zu sichern. Uneinig, so Gallo, sei man sich über die Höhe des finanziellen Anteils der beteiligten Städte und Gemeinden an den Betriebskosten. „Die kommunale Seite bietet 30 Cent pro Einwohner und Jahr“, spricht Gallo von einem „Konzept, das beide Tierheime absichern kann“. Doch deren Trägervereine wollten den Kommunen 90 Cent pro Einwohner berechnen. „Das ist für unsere Gemeinden nicht leistbar“, sagt der Landrat. „Mit einem kommunalen Beitrag von 30 Cent kommen wir nie im Leben hin“, kontert Marion Schinkmann-Heppekausen, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, der das Ria-Nickel-Tierheim in Homburg-Erbach betreibt. Selbst mit dem Dreifachen des Betrages könne man die Betriebskosten nicht decken: „Würden uns die Städte und Gemeinden 90 Cent je Einwohner bezahlen, wären 60 Prozent unserer Kosten abgedeckt.“ Der Tierschutzverein habe zugesagt, er werde die fehlenden 40 Prozent selbst aufbringen – aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Auf Anfrage machte Schinkmann-Heppekausen einen Ergänzungsvorschlag für den Vertrag mit den 22 Kommunen: „Wir könnten vereinbaren, dass wir tatsächlich mit 30 Cent anfangen. Ich kann ja verstehen, dass die Gemeinden im Moment nicht mehr bezahlen können.“ Die Vorsitzende regt an, das Scherflein der Kommunen in den nächsten fünf Jahren schrittweise zu erhöhen, bis man nach Ablauf dieser Frist bei den geforderten 90 Cent angelangt sei. „Alternativ können aber auch die Landkreise in den nächsten fünf Jahren ihre Zuschüsse entsprechend steigern, sodass die Gemeinden bei ihrem Anteil von 30 Cent bleiben können.“ Einigkeit besteht darin, dass die beiden Tierheime eine wichtige Aufgabe für die Allgemeinheit erfüllen und ihre Liquidität gesichert werden muss. „Wir waren 2016 insolvenzgefährdet, weil wir irgendwann nicht mehr wussten, wie wir eine Deckungslücke von 42.000 Euro ausgleichen sollten“, sagt Schinkmann-Heppekausen: „Wir können nicht jedes Jahr derartig in Vorlage treten.“ Vorvergangene Woche förderte die Saar-Regierung das Homburger Tierheim mit 200.000 Euro: Wie berichtet, soll dieses Geld in den Neubau einer Quarantänestation für Hunde und Katzen sowie eine Katzen-Krankenstation investiert werden. |ghm