Eisenberg „Teilzeitarbeit ist eine Frauendomäne“

KAISERSLAUTERN. Mädchen werden Verkäuferin, Jungen entscheiden sich eher für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker: Was ein Klischee zu sein scheint, ist auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor Realität. Das zeigt die Auswertung „Frauen und Männer am Arbeits- und Ausbildungsmarkt“, die die Arbeitsagentur jährlich aktualisiert und veröffentlicht. Sabrina Zeiter sprach darüber mit Nadja Schäfer, der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens.
Junge Männer ziehen zwar für sich ein geringfügig größeres Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten in Betracht. Das ist aber nicht der Knackpunkt. Sowohl die Mädchen als auch die Jungen sollten bei der Berufswahl ja ihre Fähigkeiten, Interessen und Stärken im Blick haben. Was sich dann aber wie ein roter Faden durch das Arbeitsleben zieht: Frauen suchen sich die Berufe mit schlechteren Verdienstmöglichkeiten aus. Während zum Beispiel bei einem Industriemechaniker die monatliche Bruttovergütung bei rund 3000 Euro liegen kann, sind es bei einer medizinischen Fachangestellten etwa 1000 Euro weniger. Mit der Wahl der Ausbildung fängt es also an, wie groß sind die Unterschiede dort konkret? Generell konzentrieren sich die Jugendlichen im Schnitt auf nur wenige bekannte Tätigkeiten, obwohl es in Deutschland etwa 330 Ausbildungsberufe gibt. Bei den Mädchen ist das aber noch auffälliger: Fast die Hälfte hat nur sechs Berufe im Visier, darunter den als Verkäuferin, medizinische Fachangestellte und Bürokauffrau. Rund ein Drittel der Jungen konzentriert sich demgegenüber auf acht Berufe: Kfz-Mechatroniker oder Industriemechaniker zum Beispiel. Wenn sich dann aber viele auf nur wenige Berufe konzentrieren, ist die Konkurrenz natürlich viel größer. Dabei haben die Mädchen oft bessere Voraussetzungen für die Berufswahl: Sie haben im Schnitt bessere und höhere Schulabschlüsse. Von den 4088 Jugendlichen, die im vergangenen Jahr eine Ausbildung über die Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens suchten, hatten zum Beispiel 31 Prozent der Mädchen die Hochschulreife, aber nur 25 Prozent der jungen Männer. All das spiegelt sich dann im späteren Berufsleben wider. Ja, es gibt nach wie vor geschlechtstypische Schwerpunkte. 43 Prozent der Frauen sind im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Handel beschäftigt – in Berufen, die oft weniger gut entlohnt werden. Das spielt dann wiederum eine Rolle, wenn ein Paar ein Kind bekommt. Zwar steht heute oftmals die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei jungen Menschen stärker im Vordergrund als der Karrieregedanke. Viele wollen sich daher eigentlich gerne die Familienarbeit teilen. Doch kommen dann die finanziellen Möglichkeiten ins Spiel: Derjenige, der weniger verdient, kümmert sich um die Kinder – zumeist die Frauen. Und nach der Familienphase steigen sie oft in Teilzeit wieder in den Beruf ein oder nur in einem Minijob. Die geringfügige Beschäftigung ist also nach wie vor weiblich? Sie bleibt eine Frauendomäne. So ist zwar die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk, der Westpfalz, in den vergangenen fünf Jahren um 7246 auf 158.592 Personen gestiegen. Von diesem Zuwachs profitierten vor allem Frauen. Mehr Jobs gab es insbesondere in den eher frauendominierten Branchen Handel und Gesundheitswesen. Da machte sich zum Beispiel die Eröffnung von „K in Lautern“ bemerkbar. Doch waren es oftmals Teilzeitjobs. Etwa die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in der Westpfalz hat eine Teilzeitstelle, aber nur neun Prozent der Männer. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus, was sollten Frauen tun? Schon bei der Berufswahl sollten sie sich gut informieren und auch die Verdienstmöglichkeiten im Blick haben. Beim Wiedereinstieg nach der Familienphase ist es oft zu kurz gedacht, einen 450-Euro-Job anzunehmen, um die Haushaltskasse aufzubessern. Beim heutigen Renten- und Scheidungsrecht kann man damit in eine Falle tappen. Zwar werden bei diesen Minijobs mittlerweile automatisch Rentenbeiträge abgezogen, sofern der Arbeitnehmer nicht widerspricht. Doch tun das Frauen oft, weil sie denken, dass sich das sowieso so gut wie gar nicht auf die Rente auswirkt. Das stimmt zwar. Aber man erwirbt damit unter anderem Rentenanrechnungszeiten, was sich etwa darin niederschlägt, ab welchem Alter man mit dem Arbeiten aufhören kann. Info Unter www.berufenet.arbeitsagentur.de kann man sich im Internet über Ausbildung und Tätigkeit in einem Beruf informieren. Das Faltblatt mit der Auswertung kann unter Telefon 0631/3641-526, 06331/147-254 oder per Mail an Kaiserslautern-Pirmasens.BCA@arbeitsagentur.de angefordert werden.