Rheinpfalz „Steiniger Weg“ für Ökolandbau
Mit einem zweitägigen Programm hat der Biohof am Weiher in Albessen am Wochenende seinen 30. Geburtstag gefeiert. Verkehrsmäßig wurde es zuweilen ziemlich eng in dem kleinen Dorf. Umweltministerin Ulrike Höfken nahm das Jubiläum zum Anlass, dort die rheinland-pfälzischen Öko-Tage zu eröffnen.
Mit einem Mix aus Unterhaltung, Betriebsführungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kulinarischem, aber auch „geistiger“ Kost zu den Themen Bio-Anbau und Vermarktung hatten die Veranstalter ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) eröffnete am Samstagmittag auf dem Bioland-Hof die Öko-Tage Rheinland-Pfalz: Unter dem Motto „So viel Bio steckt in Rheinland-Pfalz“ beteiligen sich daran bis zum 24. September rund 20 Betriebe im Land. Die Öko-Tage werden vom Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau und der Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz/Saarland ausgetragen. Sabine Berger, Geschäftsführerin des Dachverbands der in Rheinland-Pfalz und dem Saarland tätigen ökologischen Anbauverbände, moderierte eine Podiumsdiskussion zur Vermarktung regionaler Bioprodukte. Neben der Ministerin, die in der Direktvermarktung eine wichtige Säule der Bio-Bauern sieht, und Kornelius Burgdörfer-Bensel vom Hof am Weiher standen Ulrike Laux vom Studierendenwerk Darmstadt und Theresia Sanktjohanser von einer Biofleischerei aus Kenn auf dem Podium. Es sei schwierig, Verbraucher vom höheren Preis für bessere Qualität zu überzeugen, berichtete Sanktjohanser. Zudem sei der Biohandel logistisch nicht auf Fleisch eingestellt. Nach ihrer Auffassung gehört stets „das ganze Tier auf den Tisch“ – nicht nur dessen gängige Edelstücke. Laux berichtete von Problemen, den Anteil der Biokost in Uni-Mensen zu erhöhen. „Natürlich würden wir auch das Studierendenwerk gerne beliefern“, sagte Burgdörfer-Bensel. Dies sei auch möglich, aber leider bislang nur theoretisch. Auch Biolandwirtin Sonja Doll aus Dennweiler-Frohnbach war eingeladen. Sie beklagte die zunehmende Bürokratie für Landwirte. Bauern müssten immer mehr auch im außerlandwirtschaftlichen Bereich leisten, berichtete Doll und fügte hinzu: „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht, mehr kann man uns nicht mehr zumuten.“ Auch sei der Erzeugerpreis nicht ausreichend, „um es anderen schmackhaft zu machen“. In Zeiten, in denen die Industrie für billiges Essen und große Autos werbe, kämpften Landwirte bei minus 20 und plus 40 Grad in Tag-und-Nacht-Bereitschaft, illustrierte Doll. „Da kann man nicht noch ein großes Marketing aufbauen.“ Ein Teil ihrer Rinder wird über die Marke „Ökoweiderind“ vom Hof am Weiher vermarktet. „Das läuft, aber es dürfte noch viel, viel, viel mehr sein“, bilanzierte Kornelius Burgdörfer-Bensel. Rinderhaltung sei im Ökolandbau ein ganz zentrales Thema, zeigte sich der Landwirt überzeugt. Auf einem kleinen Bauernmarkt konnten Besucher Kräuter, Pflanzen, Gemüse, Wein und Wurst kaufen. Fleißig in die Pedale traten Kinder, um eine Getreidemühle in Gang zu bringen. Petra Donie aus Herchweiler präsentierte kunstvoll gefilzte Kleidungsstücke aus der Wolle der eigenen Wensleydale-Schafe. Ortsbürgermeisterin Traute Bortscher war am Grillstand eingesetzt, wenige Meter weiter duftete es verführerisch nach selbstgebackener Pizza. Bereits am Freitagabend waren rund 100 überwiegend junge Besucher zur Live-Musik auf den Hof gekommen; am Samstag tummelten sich rund 300 Leute auf dem Hofgelände und um den Weiher. Am Samstagabend stand der Auftritt der Irish-Folk-Gruppe „Waiting for Frank“ auf dem Programm. Am Festwochenende waren alle 30 Mitarbeiter des Bioland-Hofs sowie weitere Helfer aus dem Dorf im Einsatz. „Ohne sie hätten wir das gar nicht stemmen können“, sagte Burgdörfer-Bensel. Obwohl in Feierlaune, erinnerte der Landwirt auch an vergangene, schwierige Zeiten im Ökolandbau: „Es war ein steiniger Weg.“