Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Steinalben/Schmalenberg/Geiselberg: Forst rechnet weiter mit dem Borkenkäfer

Auf kleinen Flächen, auf denen vom Borkenkäfer befallene Fichten standen werden bei der Aufforstung durch Plastikröhren vor Verb
Auf kleinen Flächen, auf denen vom Borkenkäfer befallene Fichten standen werden bei der Aufforstung durch Plastikröhren vor Verbiss geschützt, wie hier in Höhe des Golfclubs Pfälzerwald. Foto: Andrea Daum

Der Borkenkäfer dürfte auch im neuen Jahr die Arbeit der Förster prägen. Planungen im Forstrevier bleiben daher schwierig, vor allem mit Blick auf die Einschlagmenge. Klar ist aber, dass die Wertvernichtung im Wald enorm ist.

Wenn Christoph Wagner, seit 2009 Revierleiter im Forstrevier Holzland, sein Wirkungsgebiet betrachtet, das die Reviere Schmalenberg, Geiselberg, Steinalben, Waldfischbach-Burgalben und den Wald der Hembach-Genossenschaft umfasst, geht es ihm wie seinen Kollegen: Der Borkenkäfer bestimmt derzeit maßgeblich die Arbeit. Die finanziellen Auswirkungen kann Wagner noch viel besser beurteilen als mancher Kollege. Seit dem vergangenen Jahr wird das Holz aus dem Forstrevier in Eigenregie über den neu gegründeten Holzzweckverband selbst vermarktet.

Gewachsene Kundenbeziehungen von Vorteil

Dass die Gründung eines eigenen Holzzweckverbandes – über diesen wird auch das Holz aus den Gemeindewäldern der Nachbarkommunen Heltersberg und Schopp vermarktet – die richtige Entscheidung war, zeige sich in den aktuell schwierigen Zeiten, steht für Wagner fest. Man kenne die Kunden, die Kunden kennen das Revier. Da gebe es ein gutes und faires Miteinander, unterstrich Wagner jüngst in der Ratssitzung in Steinalben, als er das abgelaufene Forstwirtschaftsjahr bilanzierte und den Forstwirtschaftsplan 2020 vorstellte. Zuvor hatte er das bereits in den waldreichen Gemeinden Schmalenberg und Geiselberg getan. Im Februar steht noch Waldfischbach-Burgalben an. Diese gewachsenen Geschäftsbeziehungen „helfen uns zum Beispiel, dass wir unser gesamtes Käferholz noch im Markt unterbringen“, nannte Wagner einen Vorteil. Ein großer Kunde ist beispielsweise die Firma Rettenmeier in Ramstein-Miesenbach. Kurze Wege garantiert. „Wir können noch unser gesamtes Sortiment vermarkten“, sagte Wagner. Mit Blick auf sein Revier kann er vermelden: Alles, was bis jetzt an Holzeinschlägen geplant ist, „ist bereits verkauft“. Der Holzzweckverband biete den Vorteil, „dass wir auf das, was im Wald passiert, ganz schnell auch am Markt regieren können“.

Wieder ein Sommer für den Borkenkäfer

Es geht ins dritte Borkenkäferjahr in Folge. Alle rechnen mit einem Sommer nach Borkenkäfergeschmack. Deshalb lässt Wagner überall Spielraum beim Einschlag, „damit wir bei Bedarf nachsteuern können“.

In allen Revierteilen musste deutlich mehr Holz eingeschlagen werden als geplant. Das bescherte den Gemeinden ein Plus. Trotz gesunkener Preise. 2019 bringt der Forst 33.000 Euro in die Geiselberger Gemeindekasse, in Schmalenberg 25.600 Euro und in Steinalben 20.500 Euro. „Ein warmer Regen für unseren Gemeindehaushalt. Das hilft“, sagte beispielsweise Steinalbens Ortsbürgermeister Klaus Reischmann.

Unterm Strich bleibe aber eine enorme Wertvernichtung durch den Käfer, bilanzierte Wagner im RHEINPFALZ-Gespräch. Schaue er sich die gesamte betroffene Fläche im gesamten Forstrevier an, nehme die Preise, die sich halbiert haben, „dann reden wir über einen Wertverlust im Millionenbereich“, überschlug Wagner.

Dellen im Forsthaushalt werden sich neuen Jahr deutlich bemerkbar machen. In Schmalenberg rechnet Wagner mit einem Minus von 24.000 Euro. In Geiselberg mit einem Defizit von 10.500 Euro und in Steinalben mit einem Minus von 1800 Euro.

Preis bei Fichte halbiert

Was die Preise anbelangt, hört die Freundschaft auf. Die gibt der Holzmarkt vor. Bei der Fichte hat der Käfer die Preise für den Festmeter von 90 auf 45 Euro sinken lassen. „Die Preise in unserer Region sind noch gut“, unterstrich Wagner. Im Sog der sinkenden Fichtenpreise bewegen sich auch die Kieferpreise, weil billige Fichte interessant wird für die Herstellung von Verpackungsmaterial, für das sonst Kiefer genutzt wird.

„Douglasie und Lärche gehen gut“, freut sich der Revierleiter über Holzarten, die höhere oder hohe Deckungsbeiträge beisteuern. 80 bis 100 Euro pro Festmeter werden hierfür noch bezahlt. Buche ist weitgehend stabil im Preisgefüge. Sehr gute Eiche ist nach wie vor sehr gefragt, bei Eiche mittlerer Qualität geben die Preise leicht nach, und schwache Eiche ist zunehmend als Brennholz gefragt.

Mehr Aufforstung erhöht die Kosten

Stärkere Einschläge fordern Aufforstungsmaßnahmen. Das verschlechtert die finanzielle Bilanz noch mal. Sie sind teuer. Trotz Zuschüssen. Wo größere zusammenhängende Flächen betroffen sind – zum Beispiel in Schmalenberg – wurden jetzt erste Bereiche eingezäunt, um die jungen Bäume vor Wildverbiss zu schützen. Auf kleineren Flächen wie in Steinalben setzt Wagner auf Verbissschutz aus Plastikröhren. Kirsche, Ahorn präferiert der Revierleiter. Eiche auf größeren Flächen, wenn sich der Zaunbau lohnt. Ob das alles die richtigen Entscheidungen sind angesichts des sich ändernden Klimas, ob diese Bäume tatsächlich mit dem Klimawandel besser zurechtkommen, „die Frage können erst die Generationen nach uns beantworten“, sagte Wagner.

Weil alles Schlechte aber auch was Gutes hat, hatte Wagner noch eine gute Nachricht: Der lange bestehende Wunsch nach eigenen Weihnachtsbäumen wird erfüllt. „Wir haben jetzt eine kleine Weihnachtsbaumkultur gepflanzt“, sagte Wagner. 100 Nordmanntannen auf einer vom zuvor vom Borkenkäfer befallenen Fläche bei Schmalenberg. Ein lohnendes Geschäft sei das nicht, unterstrich der Revierleiter. Aber in ein paar Jahren können die örtlichen Weihnachtsbäume vielleicht aus diesem Bestand geholt werden.

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