Rheinpfalz Sorge um die gute Tischdecke
„Warum muss man links, rechts, links schauen, um die Straße zu überqueren?“ Und was passiert, wenn man ohne Helm vom Rad fällt oder das Auto heftig bremst und man nicht angeschnallt ist? All diesen Fragen und noch einigen mehr gingen Verkehrssicherheitsberater Klaus-Jürgen Lerner von der Polizeidienststelle Lauterecken und neun Vorschulkinder der Kindertagesstätte Odenbach auf die Spur. Für die gute Vorbereitung der Kinder auf die Teilnahme am Straßenverkehr und weil sie Warnwesten beim Verlassen der Kita tragen, gab es von der Kreisverkehrswacht ein Laufrad.
Die Verkehrssicherheitsausbildung der Kinder basiert auf zwei Säulen, der Fußgänger- und später der Fahrradausbildung. Wichtig sei die Zusammenarbeit von Kita, Polizei, aber auch den Eltern, erklärt Lerner. Probleme sind schnell ausgemacht. Zum einen sind dies die zahlreichen „Elterntaxis“, also Eltern, die ihre Kinder bis ans Schultor fahren, andererseits tragen Schüler viel zu selten die kostenlosen Warnwesten. Dass Eltern auch nicht immer als gutes Vorbild dienen, zeigte sich, als ein Junge berichtete, sein Vater schnalle sich nie an. Welche fatalen Folgen das oder auch das Fehlen der Sitzerhöhung haben kann, zeigte Lerner mit Kjell, der beim simulierten Unfall von der Bank flog. Den Vorschülern wurden Grundlagen der Verkehrssicherheit spielerisch vermittelt und schnell wurde deutlich, dass die Kinder schon einiges gelernt haben. Beispielsweise können sie recht zuverlässig links und rechts unterscheiden, trotzdem gibt es immer wieder Unklarheiten. Woran erkennt man eigentlich, dass ein Auto wirklich steht? Warum guckt man zweimal nach links, nur einmal nach rechts? Zunächst wurde mittels zweier Zollstöcke eine Straße aufgebaut, die von zwei Autos befahren wurde, während Theresa zeigen sollte, wie sie über die Straße geht. Aufmerksam schaute sie, und nach einem gemurmelten „Links, rechts, links“ konnte es über die Straße gehen. „Warum muss sie zweimal nach links schauen?“ fragte der Polizist und musste nicht lange auf eine Antwort warten. „Weil das Auto größer ist“, waren sich die Kinder sicher, bis Lerner mit Theresa verdeutlichte, dass es nicht daran, sondern an der Nähe zum Auto liegt. Um zu demonstrieren, wie man sicher den Zebrastreifen überquert, kam eine gestreifte Tischdecke zum Einsatz. Wie das Schild für den Zebrastreifen aussieht, wusste Max direkt, und Felix sollte zeigen, wie man diesen richtig überquert. „Hände aus den Taschen“, hieß es da erst einmal, denn im Notfall sollte man sich immer noch abstützen können, außerdem muss ein Arm nach vorne gestreckt werden, um dem Fahrer zu signalisieren, dass man über die Straße möchte. Dass man warten soll, bis das Auto steht, war den meisten klar, aber wann steht ein Auto denn überhaupt? Offenbar gar nicht so leicht zu beantworten, aber Niklas wusste: „Wenn sich die Räder nicht mehr drehen.“ Wie man sicher und leicht über eine Verkehrsinsel auch vielbefahrene Straßen überqueren kann, zeigte Maja. Etwas mulmig war Marie zumute, mit der ein Unfall an der Ampel simuliert wurde, weil der Fahrer lieber aufs Handy als auf die Ampel schaute. Lerners Appell daher: „Erst gehen, wenn die Autos stehen.“ Der Polizist mahnte die Kleinen eindringlich, an der Straße vorsichtig zu sein, immer angeschnallt im Auto zu sitzen und nie ohne Helm Rad zu fahren. Sein Wunsch sei es, alle gesund wieder in der ersten Klasse zu treffen. Felix hat der Besuch des Polizisten sehr gut gefallen, „obwohl ich schon alles von Papa und Mama wusste“. Theresa, die sichtlich Spaß an der Übungsstunde hatte, sorgte sich, dass Lerner vielleicht mit seiner Frau Ärger bekommt, weil er die gute Tischdecke als Zebrastreifen benutzt hat – doch diese Sorge konnte ihr der Beamte schnell nehmen. In dem großen Turnraum habe man optimale Voraussetzungen und manche Kinder seien auch schon richtig fit, befand Lerner. Als Belohnung für vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr – die Kinder tragen bei jedem Gang nach draußen eine gelbe Warnweste, um gut erkannt zu werden und das auch mit gewissem Stolz, wie Leiterin Roswitha Schmidt berichtete – sowie die gute Vorbereitung der Kinder durch die Erzieherinnen gab es ein Laufrad von der Kreisverkehrswacht.