Rheinpfalz Siebenpfeiffer-Preisträger: „Zeitungen ein Wegweiser im Wirrwarr“
„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten“: Die Melodie erfüllt den Raum im Forum Homburg. Es singt ein Chor aus Blieskastel, die Gäste sitzen an festlich gedeckten Tischen: Vertreter von Siebenpfeiffer-Stiftung und Journalistenverbänden, dazu Politiker. Zu ihnen spricht an diesem Sonntag Süddeutsche-Chef Heribert Prantl über die Bedeutung des Journalismus.
In Zeiten, in denen es in ganz Europa Tendenzen gibt, die Pressefreiheit einzuschränken, in denen der mächtigste Mann der Welt sich seine eigenen Fakten schafft, lautet die Botschaft von Heribert Prantl: Qualitätsjournalismus war, ist und wird immer wichtig bleiben. Die Rede des Journalisten, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, beim Festbankett der Siebenpfeiffer-Stiftung am Sonntag in Homburg hat die Zuhörer begeistert. Gekommen waren sie einmal mehr zu Ehren von Philipp Jakob Siebenpfeiffer. Siebenpfeiffer: Jener Mann, der für die Pressefreiheit gekämpft, die Demonstration 1832 am Hambacher Schloss mit organisiert hat. Prantl zitiert ihn: „Das Versiegeln von Druckerpressen ist genauso verfassungswidrig wie das Versiegeln von Backöfen.“ Der Journalist fasst zusammen: „Pressefreiheit ist das tägliche Brot der Demokratie.“ Der Träger des Siebenpfeiffer-Preises von 1999 erzählt: Am Anfang seiner Laufbahn habe er einmal gehört, Journalisten seien wie Schnittlauch, sie schwimmen auf jeder Suppe. Doch die meisten Kollegen, die er erlebt hat, seien gar nicht wie Schnittlauch. Viele, besonders im Lokalen, seien neugierig, wissbegierig und bissig. Was einschränkt, seien der Spardruck vieler Verlage und das Outsourcing journalistischer Arbeit. Guter Journalismus habe eine Aufgabe in der Demokratie, für die Demokratie. Das zeige sich vor allem dann, wenn Journalisten einen Skandal aufdeckten. „Dann ist das eine Sternstunde des Journalismus.“ Die Wahrheit solle ans Licht kommen. „Dafür ist der Journalismus, ist die Pressefreiheit da.“ Prantl nennt Panama-Papers und Paradise-Papers. Daran arbeiteten Journalisten auf der ganzen Welt gemeinsam. Skandale aufzudecken sei aber erst die halbe Arbeit. Aufklärung leisten sei genauso wichtig. Und da übt das Mitglied der Chefredaktion auch Kritik. „Es ist nicht Aufgabe der Medien, einen Rücktritt zu erzwingen“, so Prantl. Ein guter Journalist betreibe Aufklärung nicht zynisch, nicht mit Kälte. Im Fall des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff etwa seien Journalisten, Medien zu weit gegangen. „Der Fall hatte etwas Medienbestialisches. Die Causa Wulff ist ein Lehrstück für Verwirrungen der Pressefreiheit.“ Es dürfe nie das Gefühl der Dosierung verloren gehen, es gelte immer zuerst die Unschuldsvermutung, sprach nicht nur der Journalist Prantl, sondern auch der Jurist. Um der Verantwortung gerecht zu werden, müsse man sich bewusst machen, dass nicht jeder Kleinkram skandalisiert werden dürfe. Gleichzeitig sei die Pressefreiheit aber auch das Grundrecht, auf dessen Basis die Demokratie überhaupt funktioniere. „Medien sind systemrelevant für die Demokratie.“ Der Fall des US-Präsidenten Trump zeige, dass Aufklärung nicht irgendwann vom Himmel gefallen sei und für immer bleibe. Im Gegenteil, sie sei immer wieder notwendig, und dafür bedürfe es des Journalismus. Journalismus sei immer ein freier Beruf gewesen, sagte Prantl mit Blick auf Internet-Blogger. „Kein Schauspieler muss sich vor einer neuen Bühne fürchten“, ging er auf Herausforderungen ein, die „neue“ Medien an Journalisten stellen. Das Internet sei nicht der Tod des Journalismus. Wichtig sei, beides zu bedienen: die digitale und die analoge Schiene. Nur ein Zug, der auf zwei Schienen fahre, habe Halt. Während Journalismus im Internet schnell sei, könne sich die Zeitung auf anderes konzentrieren, ein „Wegweiser im Wirrwarr“ sein. Und so liegt für Prantl die Zukunft des Journalismus im Journalismus. Journalisten seien Demokratiearbeiter. Es gehe darum, dass Deutschland ein aufgeklärtes Land bleibt. „Nationalismus ist ein einziger Fehler“, schloss Prantl seine Rede. Das Festbankett markierte den Start ins Jubiläums-Jahr 200 Jahre Saarpfalz-Kreis.