Rheinpfalz „Schuhpapst“ zu Besuch

Mit 91 Jahren ist er noch längst nicht müde: Sammler Ernst Tillmann besuchte zum zehnjährigen Bestehen seiner Sammlung das Schuhmuseum in Hauenstein. Die „Tillmann-Sammlung“ umfasst mittlerweile über 4000 Schuhe.
Zum zehnjährigen Jubiläum der Ernst-Tillmann-Sammlung im Deutschen Schuhmuseum ließ es sich der 91-jährige agile Sammler nicht nehmen, aus seiner rheinischen Heimat Viersen in die Pfalz zu kommen. Mehrere Jahre war Ernst Tillmann, der als Europas bedeutendster privater Schuhsammler gilt, nicht mehr in Hauenstein gewesen, wo 2004 seine Sammlung mit zuletzt 3888 Paar Schuhen aus allen Zeiten, allen Erdteilen und allen Kulturen eine dauernde museale Heimat gefunden hat. Das noch junge Museum war damals in eine andere Qualitätsstufe aufgestiegen und nicht zuletzt durch die Tillmann-Sammlung zu europaweitem Ansehen gelangt. „Ich komme zum zehnjährigen Museum aber nicht mit leeren Händen“, sagte Tillmann, „in den letzten Jahren gelang es mir, noch weitere 121 teilweise sehr wertvolle Exponate zu sammeln, die ich heute dem Museum übergeben will“. Damit umfasst die Tillmann-Sammlung jetzt 4009 Exponate. Bei insgesamt rund 13.000 Exponaten nimmt so die wertvolle Tillmann-Sammlung im Schuhmuseum einen bedeutenden Anteil ein. Im Jahre 2000 waren die ersten Verhandlungen von der Museumsleitung mit Tillmann aufgenommen worden und führten schon bald dazu, dass die Sammlung nach Hauenstein kam. Ernst Tillmann bei seinem Besuch in Hauenstein: „Ich hätte damals meine Sammlung auch nach Düsseldorf oder Hamburg geben können, wo großes Interesse bestand, aber die seit der Eröffnung des Hauensteiner Museums im Jahre 1996 gewachsenen freundschaftlichen Kontakte zu Hauenstein ließen meine Entscheidung für die Pfalz leicht werden“. Möglich gemacht hatte diese Entscheidung neben anderen Sponsoren auch das gemeinsame Bemühen der Museumsleitung, von Landrat Duppré und der Kulturstiftung der Sparkasse Südwestpfalz. Ernst Tillmann selbst trug einen großen Anteil zur Verwirklichung bei und verzichtete auf eine sehr ansehnliche Summe zugunsten „seines“ Museums, in dem eine der wichtigsten Abteilungen für immer den Namen „Ernst-Tillmann-Sammlung“ tragen wird. Hocherfreut zeigte sich der aus dem ostpreußischen Schippenbeil stammende Tillmann, der jahrzehntelang in Deutschland auch als vereidigter Schuhsachverständiger tätig war, über die neue Inszenierung seiner Sammlung, die das Museum im letzten Jahr vorgenommen hatte. Das überrasche ihn äußerst angenehm, wie sich heute die Sammlung in einer ganz neuen Präsentation in Glas und Licht und faszinierenden Effekten darbiete. Besonders die neue Schatzrotunde (2014), in der Licht und Dunkelheit ein besonderes Ambiente ausstrahlen, fand seine höchste Befriedigung. „Meine ältesten 2000 Jahre alten römischen Sandalen sind in dieser Schatzkammer am besten aufgehoben“, meinte der „Schuhpapst“, der mit Georg Wessels (62) aus Vreden, einem weltweit bekannten Schuhspezialisten, zum kleinen Jubiläum nach Hauenstein gekommen war. Zufällig ergab die Übergabe einer anderen Exponaten-Spende an diesem „kleinen“ Jubiläumstag. Das Museum erhielt aus dem Nachlass eines Familienbesitzes eine außerordentlich wertvolle 150 Jahre alte Schuhputzgarnitur aus Istanbul. Die Stifterin, Edith Atvater aus Knöringen (Südliche Weinstraße), nahm den Besuch von Ernst Tillmann, dessen Lebensleistung sie sehr beeindruckte, zum Anlass, das türkische Geschenk an Ernst Tillmann zu überreichen, der es mit sichtlichem Stolz an das Schuhmuseum weiterleitete. (ys)