Rheinpfalz Schräge Vögel geben sich im verrückten Hotel die Ehre
„Na bravo“, hätte das sehr theateraffine, kritische Wiener Publikum am Samstag nach der Premiere des Theaterstücks „Das verrückte Hotel“ in Geiselberg laut applaudierend gerufen. Der Pfälzer ist bekanntlich zurückhaltender. Keine Bravo-Rufe, aber am Applaus sparte das Premierenpublikum für das Ensemble des Theaters in Geiselberg (TiG) nicht. Das Klatschen wurde nur unterbrochen, um nicht versiegende Lachtränen aus dem Gesicht zu wischen. Das Ensemble hatte sich selbst übertroffen.
„Die Welt ist schräg, und hier war heute die Zentrale“, rückte Ramses der 13. (Thomas Malschofsky) am Ende die abgedrehte Szenerie ins rechte Licht. Stimmt. Zum Glück. Sonst hätten 230 Premierengäste und über 900 Zuschauer bei den folgenden, ausverkauften vier Aufführungen nicht so viel Spaß. Das TiG, seit Jahren eine der ersten Adressen im Kreis, wenn es um gute Unterhaltung auf den Bühnenbrettern geht, hatte etwas riskiert und sich für ein Stück der etwas anderen Art entschieden. Und gewonnen. Zum Beispiel Fans. „Das verrückte Hotel“ von Autor Erich Koch ist kein klassischer ländlicher, humorvoller Schwank, sondern eher eine Aneinanderreihung von unzähligen Slapstick-Einlagen, mit Anleihen aus einem ländlichen Schwank. Wie spiegele ich dem neuen Hoteleigentümer vor, dass ein heruntergewirtschaftetes Hotel in Geiselberg ein ausgebuchter Hot-Spot ist? Er möchte sein neu erworbenes Objekt unter die Lupe nehmen. Inkognito, wie ein anonymer Brief verrät, der im Hotel „Schlummerland“ eintrudelt. Das war der Aufhänger für eine Vielzahl kleiner Sketche, die zusammen ein großes Ganzes ergaben. Hotelmanager Georg (Ralf Weißmann) hat die Lösung: Indem ich jeden schrägen Vogel, der das Hotel betritt, als Gast verpflichte. „Jetzt fehlt mir noch ein einfacher Mensch“, bietet er der „blauen Libelle“, Travestiekünstler Jessica (Thorsten Lehmann), ein Zimmer an. Aber erst, nachdem der Jubel für den ersten Auftritt des Publikumslieblings Lehmann im Libellenkostüm verklungen ist. Dass hinter manch schräger Fassade allerdings ein klares Gehirn tickt, offenbart die „blaue Libelle“ und bringt es auf den Punkt: „Du männschd ä Depp.“ - „Jo“, sagt Georg. Der wundert sich über die Gesichtsfarbe seiner Schönheitstipps umsetzenden Frau Christa (Brigitte Roggenkopf). „Sonderst du grünes Fettgewebe ab?“, fragt er. Eine durchaus berechtigte Frage, hat ihn doch zuvor der einzig echte Hotelgast Klaus (Ulli Stahl), der Aliens jagt, die seine Frau entführt haben, aufgeklärt. Auch über das Wesen der Frau. Die ist ökologisch eigentlich wertlos, weil sie zuviel Sauerstoff verbraucht, da aus ihrem Mund mindestens 30.000 Worte raus müssen. Im Verlauf des Stücks bekommen so manche Geiselberger und Heltersberger Deppen ihr Fett ab. „Puh“, atmen die Schmalenberger im Publikum lachend durch und stellen fest: „Zum Glück ist bei uns nur das Ufo gelandet.“ Dem ist der neue Hoteleigentümer Josef entstiegen, der inkognito als Bettler ohne Zähne, dafür aber mit einem Buckel, der dem Glöckner von Notre Dame alle Ehre gemacht hätte, eingecheckt hat. Glaubt Klaus und geht mit der Dame für gewisse Stunden, Betty (Vera Haas) auf Alienjagd. Mit Lichtschwert und Keule. Noch ist das Sammelsurium an schrägen Vögeln nicht komplett. Rita (Eva Eger), die Frau des Hoteleigentümers, ihr Chauffeur Konrad (Jürgen Hauck), der sich, na klar, als ihr Mann ausgibt, und seine tätowierte Grufti-Tochter Susanne (Karin Pommersberger) checken ein. Letztere sehr zur Freude von Hotelmanager-Sohn Werner (Fabian Stahl), der sofort ein Auge auf die „schwarze Mamba“ Susanne wirft und zu „Mamba-Werner“ wird. Dem Ganzen setzt die türkische Putzfrau Aschiva (Annette Weißmann) – „Aschiva nix wisse, nur putze, frage Chef“ – die Krone auf. Fast. Als wäre das alles nicht schon verwirrend genug, schlüpft jeder Akteur im Lauf des Stücks in unzählige Kostüme – Sonderapplaus für die verantwortliche Tatjana Malschofsky. So treffen sich Scheich und Ufo-Jäger, Männer in Badehosen mit Frauen im Bademantel, Männer in langen oder kurzen Unterhosen, Hexen, Hasen, Kängurus, Füchse … Es wird von der ersten Minute an gelacht. Das Stück verzichtet auf den sonst üblichen Erkläreinstieg im ersten Akt. Von Null auf Hundert auf der Spaß-Skala. Nacherzählen, was im verrückten Hotel passiert – unmöglich. Anschauen, was im verrückten Hotel passiert, wäre zu empfehlen. Wenn nicht schon alle Zimmer belegt wären ...