Rheinpfalz „Schaue kein türkisches Fernsehen mehr“

In Deutschland leben, aber die Türkei im Herzen? Für Inci Uzun sind vor allem die ghetto-artigen Strukturen in vielen Ballungsrä
In Deutschland leben, aber die Türkei im Herzen? Für Inci Uzun sind vor allem die ghetto-artigen Strukturen in vielen Ballungsräumen (im Bild Ludwigshafen) ein Integrationshemmnis.

«Hassloch». Menschen aus der Türkei und ihre Nachkommen leben seit über einem halben Jahrhundert in Deutschland. Was ihre kulturellen Vorzüge sind und inwieweit sie hiesige kulturelle Angebote wahrnehmen, ist noch immer recht unbekannt. Die Haßlocher Integrationsbeauftragte Inci Uzun findet, dass die Teilhabe der Migrantenbevölkerung auf dem Land eher gegeben ist als in der Stadt.

„Ich bin vermutlich stärker mit Haßloch verbunden als viele einheimische Haßlocher“, sagt Inci Uzun, die schon seit 1973 hier lebt und als Lebensmittelpunkt nichts anderes kennt als das Großdorf und die Vorderpfalz. Die in Istanbul geborene Deutschtürkin kam mit acht Jahren nach Deutschland. Sie hat eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und arbeitet seit 26 Jahren in einer Arztpraxis. Nebenbei übt sie das Amt des Integrationsbeauftragen in Haßloch aus. Ihre Klientel sind also die ehemaligen „Gastarbeiter“, aber auch Flüchtlinge. Insgesamt haben 1529 Haßlocher einen ausländischem Pass, darunter sind 177 Türken. Dass sie im Dezember 2014 in dieses Amt gewählt wurde, scheint folgerichtig angesichts ihrer Biografie. „Ich dolmetsche und helfe Menschen, seit ich mich erinnern kann“, sagt die Mutter dreier mittlerweile erwachsener Kinder. In Haßloch trügen besonders die 170 Vereine im Dorf zur Integration bei, wenn auch nicht alle Migranten diese Angebote im gleichen Maße nutzten. Nach ihrer Auffassung ist die erste Generation der ehemaligen Gastarbeiter so gut wie gar nicht präsent bei kulturellen Angeboten. Das gelte aber für alle Migranten, nicht nur die türkischen. Viele von ihnen verstünden die deutsche Sprache auch nach Jahren im Land noch immer nicht so gut. Von der zweiten Generation besuchten etwa 20 bis 30 Prozent kulturelle Veranstaltungen. Bei der dritten Generation dagegen sieht Uzun im Vergleich zu einheimischen deutschen Altersgenossen so gut wie keine Unterschiede mehr. „Sie nehmen genauso an der Kultur teil oder nicht teil wie ihre deutschen Altersgenossen.“ Das gelte aber nur für Haßloch, nicht jedoch für Ballungsgebiete, wo die oft ghetto-artigen Strukturen der Integration nicht eben förderlich seien. Inci Uzun selbst hat zu Hause schon seit Jahren kein türkisches Fernsehen mehr, fährt aber etwa alle zwei Monate nach Mannheim, um sich einen türkischen Kinofilm in Originalsprache anzusehen – so wie es viele ihrer Landsleute tun, was aber nicht heißt, dass nicht auch deutsche Angebote genützt würden. „Für deutschsprachige Filme gehen wir nach Neustadt oder nach Speyer“, sagt sie. Auch die „Festwoche Türkei“ im Ludwigshafener Pfalzbau hat sie gerne besucht und bedauert, dass es sie in dieser Form heute nicht mehr gibt. Und auch die Zahl der Migranten, die die RHEINPFALZ lesen, sei in den letzten Jahren gestiegen, hat Uzun beobachtet. Das führt die Integrationsbeauftragte darauf zurück, dass auch die Migranten sich gern über die Entwicklungen direkt vor ihrer Haustür informieren möchten.

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