Rheinpfalz
Riesenrettich siegt in Thaleischweiler-Fröschen
„Das ist Richard.“ Die Kinder des protestantischen Kindergartens in Thaleischweiler-Fröschen haben den leicht schrumpeligen Rettich mit den langen, grünen Krauthaaren getauft. Erzieherin Katja Rauch hat ihn frisch aus dem Boden gezogen. Rundum ist Rettich Richard mit Erde bedeckt. Mit ihrem Projekt haben die Kinder einen kreisweiten Wettbewerb gewonnen.
Richard ist ein später Ernteerfolg der Kinder, die sich den Sommer über um ihre Rettiche kümmerten. Rosi, sozusagen Richards Schwester, wuchs schneller. Sie war pünktlich erntereif, um am Kreiswettbewerb für Kindergärten teilzunehmen. Die waren aufgefordert, Rettiche zu züchten. Ende Oktober war Wettbewerbsschluss und eine Frage wurde beantwortet: „Wer hat den längsten Rettich?“ Die Kinder aus Thaleischweiler-Fröschen haben gesiegt – stolze 40 Zentimeter maß Rettich Rosi.
Dass Rosi die Nase oder genauer gesagt die Wurzel vorne hatte, ist eigentlich nicht verwunderlich. Sie wuchs im „Garten der Zukunft“, dem realen und zugleich digitalen Gartenprojekt des Obst- und Gartenbauvereins Thaleischweiler-Fröschen. Mit seinem Garten hatte der Verein im vergangenen Jahr bei einem bundesweiten Zukunftswettbewerb von Google 20.000 Euro gewonnen (die RHEINPFALZ berichtete). Rosi reifte im Gewächshaus heran.
Hobbygärtner stehen Kitas zur Seite
„Wir haben ideale Bedingungen“, freute sich Erzieherin Katja Rauch über das Gartenparadies, das der Obst- und Gartenbauverein Thaleischweiler-Fröschen mitten im Ort geschaffen hat. Genau gegenüber dem Kindergarten, der den Pflanzgarten wie geplant rege nutzt. „Unser Ziel ist es, die Kinder an das Pflanzen und den Umgang mit Pflanzen heranzuführen“, sagte Arno Sprau von der Unteren Naturschutzbehörde, die gemeinsam mit dem Kreisverband der Obst- und Gartenbauer den Wettbewerb ausrichtet. Das will auch der Obst- und Gartenbauverein in Thaleischweiler-Fröschen mit seinem Zukunftsgarten.
Und nicht nur der: Weitere Kindergärten berichteten, dass ihnen örtliche Obst- und Gartenbauer mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn mit den Kindern gepflanzt und geerntet wird. Wenn es in den Garten geht, seien die Kinder immer mit viel Spaß dabei, bestätigten die Teilnehmer.
Rettich wächst auch in der Treppenritze
Das ist auch so in Thaleischweiler-Fröschen, wo die Digitalisierung des Gartens in den nächsten Monaten und Jahren verstärkt wird. Den Garten real und digital anschauen, aber auch steuern, ist das Ziel, das mit dem Google-Preisgeld sukzessive umgesetzt wird. „Wir waren aber real im Garten“, erzählte Katja Rauch lachend. Wässern, hegen, pflegen, ernten lauteten die Aufgaben. „Dabei haben wir gelernt, dass der Rettich eigentlich sogar eine recht anspruchslose Pflanze ist“, sagte sie. Bester Beweis: Ein Rettichsamen war an der Treppe zwischen die Ritzen gefallen. Der Rettich wuchs. „Nur rausziehen konnten wir ihn unter der Treppe nicht“, meinte Rauch.
Im Hochbeet, aber auch im Treibhaus brachten die Kinder Rettichsamen aus, die Landkreis und Kreisverband gestiftet hatten. Mit Eifer hätten Marvin, Noah und Co gemeinsam mit Rauch den Garten unsicher gemacht, freute sich Kindergartenleiterin Melanie Chelius. Rauch, von ihren Kolleginnen wegen ihrer Leidenschaft fürs Gärtnern liebevoll „unser Gartenzwerg“ genannt, hat diese Leidenschaft längst an die Kindergartenkinder weitergegeben. „Tomaten, Kartoffeln, verschiedene Kürbisarten“, verriet sie, was in diesem Jahr gepflanzt und geerntet wurde. Und Rettiche. Wie Rosi, die zwischenzeitlich verspeist wurde.
Rosi hat drei Beine
Man sei skeptisch gewesen, ob sich mit Rosi ein Preis gewinnen lasse. „Wir hatten ja auch die langen, immer sehr gleichförmigen Rettiche vor Augen, wie sie in den Supermärkten zu finden sind“, erzählte Rauch. Natur sei aber nicht immer gleichmäßig, sondern lässt – wie bei Rosi – auch mal zu, dass ein Rettich auf drei Beinen, sprich drei Wurzeln, gedeiht. Martin Klausmann vom Obst- und Gartenbauverein, der bei Fragen immer zur Stelle ist und hilft, habe gleich gesagt, dass das kein Problem ist, erinnerte sich Rauch. Also wurde die dicke und lange Rosi gesäubert, vermessen und ins rechte Licht gerückt. Und sie hat gewonnen. „Alle, die mitgemacht haben, sind Gewinner“, unterstrich Arno Sprau, bestätigt von Reiner Knerr und Michael Höh vom Kreisverband der Obst- und Gartenbauer. Sie verteilten Obstbäume und -sträucher sowie Nistkästen als Siegprämien an die Kindergärten. Damit steht ein weiterer Gewinner fest: die Natur.
Die Sieger
1. Kindertagesstätte (Kita) Thaleischweiler-Fröschen (40 Zentimeter), 2. Kita Höheinöd (27), 3. Kita Wiesbach und Kita Eppenbrunn (23), 5. Kita Großbundenbach (22), 6. Kita Contwig (20), 7. Kita Weizenkorn Zweibrücken (16), 8. Kita Münchweiler (13).