Rheinpfalz Raketen für tolle Nummern
Tolle Tänzer und witzige Büttenreden, gut gelaunte Gäste und eine Vielzahl von Eigengewächsen, die schon alleine den Abend hätten füllen können: Im voll besetzten Bürgerhaus feierte der Karnevalsverein Waldfischbach am Samstag seine Prunksitzung. Präsident Albert Zimmermann und Prinzessin Natalie führten souverän durch den rund fünfstündigen Abend und durften, ob des unterhaltsamen Programms, einige Raketen zünden. Eine gab es übrigens für die Prinzessin selbst. Die ließ es sich nicht nehmen, eine Showeinlage zu liefern.
Los ging es aber mit den Jüngsten. Nach Einmarsch und Begrüßung legte die Kindergarde des KWV die Latte hoch. Als Seeräuber sorgten sie mit fetzigen Tänzen für Stimmung und bewiesen, dass es dem Verein um den Nachwuchs nicht bang sein muss. Als Urgestein der Fasnacht trat danach Udo Wagner vom CV Herschberg in die Bütt. Als „deutscher Michel“ hatte er die Aufregerthemen der vergangenen Monate im Gepäck. Ob Bahnstreik, Datenschutz, Flüchtlingskrise und die aktuelle Lage in Köln: Wagner arbeitete das in konsequent humoriger Weise ab. Auch die korruptionsgebeutelten Sportverbände bekamen ihr Fett weg. „De Sport is e guud Geschäft unn dut brumme, die annere quäle sich fer umme“, zog Wagner sein Resümee dann so: „Mir feiern jetzt lieber Fasenacht, wo jeder mit dem annre lacht!“ Wie das richtig geht, zeigte die Juniorengarde des Vereins, die gleich danach beim Gardetanz akrobatisches Geschick und Talent bewies. Genauso wie später, als sich die Jugendeichen und ihre Trainer vom Musical „Mary Poppins“ inspirieren ließen. Einen gefeierten, weil wirklich lustigen Auftritt legten Melanie Becker und Vanessa Marnet als Lehrerin und Schülerin hin. Erstere klärte auf, wie die Jugend heute tickt. In Zeiten, in denen „Assi“ kein Schimpfwort, sondern ein Kompliment als Abkürzung von „Absolut schön, sexy, intelligent“ und frech eher als „verbal überlegen“ gesehen wird, habe sie es als Lehrerin nicht einfach. Schon gar nicht, wenn es Schüler gibt wie die zwar kleine, aber dafür umso pfiffigere Vanessa. Die lieferte auf jede Frage die passende Antwort. Ihr Showtalent bewiesen die zwei dann noch beim gemeinsamen Gesang. „Schön ist es, auf der Welt zu sein...“: Alle Daumen hoch für diesen Auftritt! Mit Carolin Herzinger tanzte sich dann ein weiteres KVW-Kind in die Herzen der Zuschauer. Erst seit einem Jahr aktiv zeigte sie, dass die Bühne ihr Element ist. Ihre Begeisterung zündete! Dagegen muss der Pirmasenser OB Bernhard Matheis an seinen Auftritten in der Bütt noch ein wenig feilen. Aber Hut ab: Nach der Verleihung des Ordens bedankte er sich sogar in Reimform. Das gelang allerdings nicht ganz ohne Hilfe des Publikums, war ihm doch immer die passende Silbe bei den Vorbereitungen abhanden gekommen. Immerhin, er wusste: „Als Pälzer bische erschd zum Mensch geworde, werd dir verlieh e Fasnachtsorde.“ Die „Flotten Muttis“ setzten dann nicht nur Maßstäbe, was die Kostümkreativität angeht, als Ritter verkleidet legten sie zudem einen ordentlichen Tanz aufs Parkett. Die Truppe feiert in diesem Jahr ihr elfjähriges Jubiläum und ließ dazu alle Auftritte noch einmal Revue passieren. Martin Berberich alias „De Maddin“ brachte die Szenen (s)einer Ehe anschaulich auf den Punkt. „Als der Parre was devon erzählt hat, dass zwä Schiffe in den Hafen der Ehe einlaufen – hätt isch geahnt, dass änns devon e Kriegschiff is ...“ Die Funkengarde des Vereins, mit männlicher Unterstützung von Bill Lehmann, ließ dann beim Gardetanz die Beine fliegen, bevor die Walpurga Hexen aus Lampertheim zuerst tanzten und dann in zweifelhaftem Ritual zwei Waldfischbacher Karnevalisten als Geiseln nahmen. Die wurden „gefedert und ertränkt, so dass man sie am Schluss nicht mehr erkennt“. Nutella, Rasierschaum und Federn in Kombination – eine Riesensauerei! Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag: Gute Stimmen sorgten für gute Stimmung. Die „Wackepicker aus Rammelsbach“, eine reine Männergesangstruppe, hatte ein Medley gefühlt aller Party-Hits im Gepäck. Prinzessin Natalie legte gemeinsam mit ihrer Mutter einen heißen Tanz aufs Parkett und KVW-Eigengewächs Vanessa Zimmermann intonierte einen nagelneuen Faschingshit von Oliver Betzer, der das Motto für den restlichen Abend vorgab. „Morgen interessiert uns nicht, feiern, das ist heut’ Pflicht“. Dass Fasching mitunter nicht für jeden ein Spaß ist, brachte die „Fra vom Präsidenten“ aus Altrip zu Gehör. Ihr Dilemma: „Prinzessine küsse, des macht dem Spaß, an Fasching, jo do derf er das.“ Und auch „Conny und Dora“, die „zwä Dummbabbler“, hatten so manches zu jammern. Da fegten doch das KWV-Tanzpaar Bill Lehmann und Denise Brückner gleich viel positiver übers Parkett und begeisterten ihr Publikum genauso wie Patricia Stephan, die den Bauchtanz ungewohnt interpretierte und auf der Bühne tolle Bilder und Figuren bot. Optisch ein Höhepunkt und überwiegend synchron: das Herschberger Männerballett! Einzig die unrasierten Beine führen zum Abzug in der B-Note. Mit den Matrosen der Funkengarde und Liedern der „Wackepicker“ neigte sich zu später Stunde ein gelungener Abend dem Ende zu.