Rheinpfalz Rückkehr zum Rosenberg geplant
«WALDFISCHBACH-BURGALBEN.» Die Caritas hat im Juni informiert, dass ihr Altenzentrum auf Maria Rosenberg ab Ende des ersten Quartals 2020 nicht mehr bewohnt werden kann. Das Haus benötigt umfassende Sanierungs- und Brandschutzarbeiten. Allen Bewohnern und Mitarbeitern wurde das Angebot unterbreitet, ins neue, derzeit noch im Bau befindliche Caritas-Altenzentrum St. Nikolaus in Landstuhl umzuziehen. Vorübergehend. Kursierenden Meinungen, dass die Caritas das Haus auf dem Rosenberg dauerhaft schließt oder einen neuen Standort in der Verbandsgemeinde sucht, tritt Vinzenz du Bellier, Geschäftsführer der Caritas Betriebsgellschaft mbH Speyer, im Gespräch mit der RHEINPFALZ entgegen. „Im Moment mache ich mir Gedanken um diesen Standort und nicht um ungelegte Eier“, verdeutlicht du Bellier, dass die Rückkehr auf den Rosenberg Grundlage für alle Gespräche und Ideen ist, die in den nächsten Monaten zu konkreten Planungen werden sollen. Entscheidend sei die Frage, welchen Bedarf an Betreuungsformen es in der Orts- und Verbandsgemeinde sowie im Landkreis gibt, verdeutlichen du Bellier und Thomas Matz, Einrichtungsleiter des Altenzentrums Maria Rosenberg. Der Standort Vor dem Hintergrund, dass die Caritas stark in die Bausubstanz des Gebäudes eingreifen müsse, stehe voran die Frage, mit welchem Konzept hier zukünftig gearbeitet werden kann. Ganz klar sei, dass das bisherige Modell mit den 77 Plätzen künftig nicht mehr greife. Das hänge zum einen mit der Lage am Berg zusammen, die etwa für Menschen mit Gehhilfe nicht ideal sei. Vor allem aber habe sich der Bedarf geändert, zeigt der Caritasdirektor auf. Politik und Gesellschaft setzten verstärkt auf ambulantere Strukturen, auf Betreuungsangebote in vorgelagerten Wohnsituationen (zum Beispiel betreutes Wohnen) und auf Themen wie Tagesbetreuungsangebote im weitesten Sinn. Aber, „auch wenn wir hier viel machen müssen, die Substanz steht ja. Auf Maria Rosenberg steht ein Wert“, sagt du Bellier. Mit Blick auf das 15-Millionen-Euro-Projekt in Landstuhl ist es für Matz schwer vorstellbar, dass ein Neubau in der Region günstiger würde als die Sanierung. Aktuell wird von Investitionen – baulich und für den Brandschutz – von 7,9 Millionen Euro ausgegangen. Ob es die vollständig braucht, hänge davon ab, was die Bedarfsanalyse an Betreuungsformen ergebe, aus der sich das künftige Angebot ableiten werde. Aber, das habe er von Anfang an deutlich gemacht, sagt du Bellier: „Es muss sich rechnen“. Er sei aber optimistisch, dass man in dem Gebäude etwas hinbekomme, was Sinn und Spaß macht. Der Planungsprozess Im zweiten Halbjahr 2019 möchte du Bellier für die weitere Nutzung und damit für die baulichen Anforderungen einen ersten Entscheidungspunkt finden. Bis Ende des Jahres soll die Richtung, in die es gehe, erkennbar sein. Wenn der Umzug erfolgt, stehe das Haus zunächst leer. „Ein Zustand, der nicht lange anhalten soll. Das Haus muss ja weiter unterhalten werden“, sagt der Caritasdirektor. Heizung, Wasserleitungen spülen, Außenanlage pflegen und vieles mehr sei weiter erforderlich, so Matz. Die Bedarfsanalyse Zunächst müsse analysiert werden, was in der Gemeinde Waldfischbach-Burgalben, der Verbandsgemeinde und im Landkreis bereits angeboten wird. Bei der Bedarfsanalyse hätte die Caritas die Kommune gerne mit im Boot. Denkbar sei zum Beispiel eine verbandsgemeindeweite Umfrage. „Wir sind in ersten Gesprächen mit der kommunalen Seite“, sagt Thomas Matz. Die Sanierungskosten Die Caritas, die das Gebäude 2012 übernommen hat, hat die Baugenehmigung als Grundlage genommen und verglichen, was wie umgesetzt wurde. Dabei wurde festgestellt, dass teils abweichend von der Genehmigung gebaut worden war. Die Kosten, um den genehmigten Zustand herzustellen, wurden ermittelt, plus die Auflagen, die neu dazukommen wie flächendeckende Brandmeldeanlage, Brand- und Rauchschutztüren, Brandwände und vieles mehr. Dazu kommen Investitionen in die Fassade, Boden- und Terrassenbeläge, eine neue Heizung, einen neuen Anschluss für die Wasserversorgung, energetische Fenstersanierung, Aufzug und vieles mehr. Auf dem Plan stehen Investitionen, die einen Weiterbetrieb des Hauses für die nächsten 25 Jahre ermöglichen, unterstreicht du Bellier. Das anzugehen, während das Haus bewohnt sei, sei ein Ding der Unmöglichkeit, steht für Thomas Matz fest. Für Bewohner und Mitarbeiter würde das zwei, drei Jahre ständigen Baulärm und Schmutz bedeuten, dazu Umzüge innerhalb des Hauses, weil teils flurweise gearbeitet werden müsse. Das sei nicht darstellbar. „Niemand will in einer Dauerbaustelle wohnen“, sagt er. Mit der Eröffnung des Hauses in Landstuhl habe sich eine einmalige Gelegenheit ergeben, die man nicht verstreichen lassen dürfe, so Matz. Es sei eine Chance, das Haus auf dem Rosenberg mit entsprechendem Konzept für die kommenden 25 Jahre fit zu machen. Der Investitionskostenzuschuss RHEINPFALZ-Leser hatten kritisiert, dass die Bewohner monatlich einen Investitionskostenanteil bezahlt hätten. Der nun festgestellte Investitionsbedarf wäre nicht in dieser Höhe aufgelaufen, wenn das Geld investiert worden wäre, so der Vorwurf. Die Investitionskosten sind ein Teil der monatlichen Rechnung für jeden Bewohner. Dazu kommen Kosten für die Pflege, die Unterkunft, Verpflegung und weitere Positionen. In die Berechnung der Investitionskosten, die von Einrichtung zu Einrichtung variieren, fließen unter anderem Bau- und/oder Erwerbskosten ein, Abschreibungen, Instandhaltungskosten, Kosten für die Gemeinschaftsräume und vieles mehr. Die Investitionskosten werden nicht willkürlich gewählt, sagt du Bellier. In einem neuen Haus, in dem die Investition abzuschreiben ist, liegen sie zum Beispiel höher als in einem älteren Haus. Die Investitionskosten basieren auf Zahlen, die Wirtschaftsprüfer für die jeweilige Einrichtung ermitteln. Sie werden vom Einrichtungsträger mit dem Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung verhandelt, dort geprüft und vom Landesamt freigegeben. Es sei nicht richtig, dass nichts investiert wurde, sagt Matz. Große Positionen seien zum Beispiel Reparaturen am Aufzug gewesen, die immer wieder vorkamen. Hätte man gewusst, wie viel Geld die Heizungsanlage verschlingt, „hätten wir die vielleicht schon vor Jahren erneuert“, sagt er. Wartungsarbeiten, gesetzliche Anforderungen, die zum Beispiel eine regelmäßige Überprüfung aller elektrischen Geräte vorschreiben, kosten Geld. „Das sieht man vielleicht nicht. So ein Haus zu unterhalten, kostet Geld“, sagt Matz. Zudem seien die Zimmer, wenn es nach einer gewissen Zeit einen Bewohnerwechsel gegeben habe, renoviert worden. Fairerweise müsse man sagen, dass die Einrichtung auf dem Rosenberg bei den Investitionskosten in der Vergangenheit mehr aus dem Gesamtbudget der Caritas für diese Position erhalten als überwiesen habe. Bewohner und die Kosten Allen Bewohnern liegt das Angebot vor, nach Landstuhl umzuziehen. Es sei klar, dass die Bewohner am liebsten gar nicht weg wollten, aber auch in der Gemeinschaft zusammenbleiben möchten. Etliche Bewohner hätten sich bereits gewünscht, bei einem Umzug mit bestimmten Personen in einer Wohngruppe zusammen zu sein, berichten du Bellier und Matz. Den Geist des Rosenbergs, „möchten wir mit nach Landstuhl nehmen“, so Matz. Bis auf eine Bewohnerin, die umgezogen ist, seien alle Bewohner noch da. Das Haus ist voll belegt. Bis Ende des Jahres werde wohl feststehen, wer mit umzieht. Bis dahin wird Bewohnern und Angehörigen mitgeteilt, wie hoch die monatlichen Kosten in Landstuhl sein werden. „Das können wir derzeit noch nicht sagen“, sagt du Bellier. Mehr als ein halbes Jahr vor Fertigstellung des Gebäudes in Landstuhl fehlen noch Zahlen, zum Beispiel bei den Baukosten. Liegen die Zahlen vor, wird mit dem Landesamt darüber gesprochen und die Zahlen werden geprüft. Noch in diesem Jahr wird du Bellier aufzeigen, in welche Richtung sich die Kosten bewegen. „Es steht aber fest, dass es für die Bewohner deutlich teuer wird“, sagt der Caritasdirektor. Auf Maria Rosenberg seien zuletzt Positionen, die den monatlichen Preis bestimmen, nicht mehr weitergegeben worden. Vor dem Hintergrund, dass das Haus saniert und die Bewohner woanders untergebracht werden müssen. So seien zum Beispiel die neuen Pflegeschlüssel, die mehr Personal vorsehen und damit höhere Lohnkosten verursachen, noch nicht umgesetzt. Die Mitarbeiter Allen Mitarbeitern wurde das Angebot unterbreitet, nach Landstuhl zu wechseln. Die dortige Einrichtung öffne mit dem Einzug des ersten Bewohners. Weil die Arbeitsstelle für etliche der 65 Mitarbeiter mit einem höheren Fahraufwand verbunden ist, wurde allen ein erhöhtes Fahrgeld angeboten.