Rheinpfalz Quell des Ärgers entpuppt sich als korrekte Arbeit
„Die Quelle am Jägersborn, ein einst idyllisches Fleckchen am Rand der Gemarkung Geiselberg, das besonders im Hochsommer zum Verweilen auf schattig gelegenen Bänken einlud, ist durch radikalen Holzeinschlag zerstört worden“, ärgert sich Brigitte Crusan aus Geiselberg über einen forstwirtschaftlichen Eingriff. Erschwerend komme hinzu, dass es sich bei der Quelle seit 1982 um ein Naturdenkmal handelt. Deshalb hat sich Wolfgang Sander von der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis die Forstarbeiten in der Nähe der Quelle angeschaut, stellt aber fest: „Alles in Ordnung, die Arbeiten sind korrekt ausgeführt worden.“
Die Quelle ist als Naturdenkmal geschützt. Sie entspringt 20 Meter oberhalb des Weges, der Richtung Steinalben führt, im Felsen, direkt an der Gemarkungsgrenze von Steinalben und Geiselberg. Von der Quelle aus läuft ein Quellbach hinunter ins Tal und quert den breiten Weg über eine Furt. Die Quelle und 30 Meter im Umkreis stünden unter Naturschutz, „und da sind Veränderungen nicht erlaubt“, schreibt Crusan. Die erfolgten Veränderungen seien aber so massiv, dass für das Naturdenkmal jede Hilfe zu spät komme, kritisiert sie. Außerdem gehe Erholungs- und Freizeitwert durch den Einschlag in diesem Bereich verloren. Sander bestätigt, dass es sich bei der Quelle am Jägersborn um ein Naturdenkmal handelt. Das bedeute aber nicht, dass keine forstwirtschaftlichen Arbeiten erlaubt seien. Die müssten so erfolgen, dass keine Schäden entstehen. „Und das ist hier nicht der Fall“, sagt Sander beim Ortstermin mit Revierleiter Christoph Wagner und Bürgermeister Georg Spieß. Der Fachmann für Naturschutz empfiehlt im Gegenteil sogar, rund um die Quelle – dort wurden keine Bäume entfernt – bei weiteren forstlichen Maßnahmen die Nadelbäume zu schlagen. Diese seien nicht typisch für einen Quell- und Quellbachbereich. Die Nadelbäume stehen bereits auf Steinalber Gemarkung. Aus Sicht der Landespflege, verdeutlicht Sander, wäre es eine wünschenswerte Maßnahme, diese gezielt durch Laubbaumarten zu ersetzen. Denn typisch für Quellbachbereiche seien Laubbäume. So wie sich der Quellbach und seine Umgebung unterhalb des breiteren Weges darstellen, „ist es typisch“, zeigt Sander, wie der Bereich von Natur aus aussehen sollte. Gerade, was den Erholungs- und Freizeitwert anbelangt, sei es aus Gründen des Naturschutzes viel problematischer, dass ein schmaler Weg in Serpentinen hoch zur Quelle führt und das ganz nah am Bach entlang, inklusive kleiner Brücke, erklärt Sander. Was für Spaziergänger und Wanderer eine tolle Sache sei, inklusive der Bänke, die in Höhe der eigentlichen Quelle zur Rast einladen, sei „aus Naturschutzgründen kontraproduktiv. Es wäre wünschenswert, wenn der Weg zumindest etwas weiter entfernt vom Bach verläuft“, sagt Sander. Ein Weg bedeute immer eine enorme Verdichtung des Bodens, und die stehe dem ursprünglichen Schutzgedanken bei Naturdenkmälern oder Biotopen entgegen. Die Quelle ist zudem ein Ziel für Geo-Cacher, die mit Hilfe von Daten aus dem Internet und GPS-Sendern auf Schatzsuche gehen und direkt an die geschützte Quelle, den Kernbereich des Naturdenkmals, gelockt werden. „Das widerspricht natürlich absolut dem Naturschutzgedanken, dem Schutz der Quelle“, sagt Sander und entfernt den „Cache“, der in Form einer Plastikdose direkt an der Quelle deponiert ist. Aus naturschutzfachlicher Sicht, lobt Sander, sei es sehr schön, dass im breiten Weg eine Furt angelegt wurde, über die der Bach ins Tal weiterlaufen könne. Eine schlechte Alternative wäre es gewesen, wenn der Bach in einem Rohr unter dem Weg weitergeleitet worden wäre. Was aus naturschutzfachlicher Sicht aber weg sollte, sei das Rohr am Berg, mit dem das Wasser des Bachs gefasst und in die Furt geleitet wird. „Das sollte zurückgebaut werden“, empfiehlt Sander. Die forstlichen Arbeiten sind noch nicht ganz abgeschlossen, sagte Revierleiter Wagner. Was jetzt noch in dem Hang, mit Blick auf die Quelle, an Holz vorhanden sei, werde von Selbstwerbern aufgearbeitet, erklärt er. Im Bereich Jägersborn, wie die gesamte Waldabteilung heißt, seien insgesamt 865 Festmeter Holz eingeschlagen worden. Dass sei notwendig gewesen, um den Wald nachhaltig zu pflegen, denn in diesem Bereich sei einige Jahrzehnte nicht mehr gearbeitet worden. Er räumt ein, dass gerade in einem solchen zuvor unberührten Umfeld der Eindruck entstehen könne, es werde zu viel Holz eingeschlagen; Crusan spricht sogar von „Raubbau“. „Aber dem ist garantiert nicht so“, unterstreicht Wagner. „Wir haben ja selbst ein Interesse daran, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird, dass wir einen schönen Wald haben.“ Dabei spiele der Naturschutz eine wichtige Rolle, sagt er und verweist auf Bäume, die mit einem „V“ gekennzeichnet sind, was darauf hindeutet, dass hier Vögel, zum Beispiel Spechte, nisten. „Wenn wir das wissen oder darauf hingewiesen werden, dann schützen wir diese Bäume gezielt“, versichert er. Wenn es noch Fragen oder Skepsis von Bürgern gebe, sei es kein Problem, bei einem gemeinsamen Termin vor Ort die naturschutzfachlichen Aspekte zu erläutern, sagt Sander. Beim Waldbegang am 6. April können der Bereich besichtigt und die erfolgten Maßnahmen erläutert werden, lautet ein Vorschlag von Spieß und Wagner.