Rheinpfalz Planetensystem gerät aus den Fugen

Seit Mai 2007 ist der Planentenweg ein touristisches Ziel im oberen Wieslautertal. Die maßstabsgerechte Darstellung unseres Planetensystems in offener Landschaft ist einmalig in Europa. In den vergangenen Monaten wurden die Informationstafeln grafisch und inhaltlich neu gestaltet. Aber es gibt auch Probleme: So will die Bahn, dass die Sonne versetzt wird, und der Saturn wurde schon mehrfach gestohlen.
Die Stahlkugel des Saturns ist bei Metalldieben sehr begehrt. Sie wurde bereits dreimal demontiert und gestohlen. In den nächsten Wochen soll eine Neue so befestigt werden, dass sie nicht mehr abgerissen werden kann. „Es existiert wohl ein weiterer Planetenweg in der Schweiz. Seine Umsetzung ist aber nicht maßstabsgerecht“, sagt Hennes Flörchinger. Er ist Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik am Otfried-von-Weißenburg-Gymnasium (OWG) in Dahn und gilt als Vater des Planetenwegs. Vor neun Jahren hatte er die Idee zu diesem Projekt. Er setzte es mit seiner damaligen Physik-Arbeitsgemeinschaft um. Da diese Schüler das OWG schon lange verlassen haben und sich seither keine AG mehr dazu fand, betreuen jetzt die „Pälzer Schdernegugger“ den Planetenweg. Flörchinger ist Vorsitzender des Vereins. Die bisherigen Infotafeln wiesen nach sieben Jahren Beschädigungen auf. Beim Merkur wurde die Tafel vor einem Jahr herausgeschlagen und zerstört, beim Jupiter hat ein Laster die Tafel samt Rahmen „krumm“ gefahren. Auch als Zielscheibe mussten manche Tafeln herhalten. Teile wiesen inhaltliche Fehler auf, die jetzt beseitigt werden sollten. Aber trotz vielen Korrekturlesens hat sich der eine oder andere Fehler doch wieder eingeschlichen. Jetzt stehen wieder alle Tafeln zur Verfügung und informieren Wanderer und Radfahrer in vier Sprachen. Waren die Informationen bisher in Deutsch, Englisch und Französisch, gibt es sie jetzt auch in Italienisch. Insgesamt kosteten die Infotafeln und das Richten der Rahmen 1600 Euro. 800 Euro kamen vom OWG, 200 Euro von der Stadt Dahn. Den Rest trug der Verein der „Pälzer Schdernegugger“. Sorgen bereitet Flörchinger die Forderung der Bahn, die Sonne um 15 Meter von den Eisenbahngleisen wegzusetzen. An dieser Stelle quert der Radweg „Seerosentour“ die Bahnlinie, so dass durch die Sonne die volle Einsicht auf die Bahngleise beziehungsweise für den Lokführer auf die Radwege nicht gegeben sei. „Auf die Idee, beim Übergang einen Verkehrsspiegel anzubringen, kommt die Bahn wohl nicht“, meint Flörchinger. Für das pädagogische Konzept des Planetenwegs sei der augenblickliche Standort der Sonne unverzichtbar. Denn es braucht eine freie gerade Sicht von 400 Metern von der Erde zur Sonne. Steht man vor der Bronzetafel der Erde, schaut den Planetenweg entlang auf die Sonne und hebt den Blick zur echten Sonne am Himmel, so erscheint für den Betrachter die Sonne am Himmel genau so groß wie die Sonne aus Sandstein. Diese Demonstration beweist die maßstabsgenaue Umsetzung des Planetenwegs. Würde die Sonne vom Radweg zur Seite versetzt, wäre dies nicht mehr möglich. Bereits beim Bau des Planetenwegs wollte der damalige Dahner Stadtchef Manfred Schreiner die Sonne beim Neudahner Weiher auf der Gemarkung Dahn haben, denn Dahn hat den Weg seinerzeit mitfinanziert. Doch die für diese Demonstration notwendigen Blickverhältnisse sind dort nicht gegeben. So wurde Hinterweidenthal der Ausgangspunkt für den Planetenweg. „Auch wenn der einzige Beitrag der Hinterweidenthaler Ortsbürgermeisterin Barbara Schenk zum Weg die Bedenken waren, dass Radfahrer die Sandsteinfindlinge übersehen und sich verletzen könnten“, erinnert sich Flörchinger. Deshalb sei der Radweg um die Findlinge mit weißen Markierungen versehen worden. Nach zwölf Kilometern Wegstrecke ist in Bruchweiler-Bärenbach mit Pluto der kleinste und sonnenfernste Planet erreicht, wobei der heute eigentlich nicht mehr als zu unserem Sonnensystem gehörig erachtet wird. Aber es soll doch der Spruch weiter gelten:„ein ater rklärt ir eden onntag nsere eun laneten“; also: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto.