Rheinpfalz Pendeln zwischen Saarpfalz und Burgund

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Zwei spannende Wochen gehen für Gerhard Gries, Chef der gleichnamigen Metzgerei, am Sonntag zu Ende. In dieser Zeit pendelte er auf der 370 Kilometer langen Strecke zwischen Waldmohr und Dijon, wo er bei einer der größten europäischen Gastronomiemessen die rheinland-pfälzische Vertretung belieferte.

Wenn am Sonntag die Gastronomiemesse im französischen Dijon – mit 175.000 erwarteten Besuchern eine der größten in Europa – nach 14 Tagen endet, macht sich Metzgermeister Gerhard Gries zum fünften Mal innerhalb zwei Wochen auf den Weg in den Burgund. Nach Aufbau, Eröffnung und zweimaliger Nachlieferung steht dann für den Waldmohrer der Abbau an. Bei der Messe, die zum 87. Mal stattfindet, ist Rheinland-Pfalz Ehrengast: Seit 60 Jahren ist das Land mit Burgund verbunden, es ist die älteste deutsch-französische interregionale Partnerschaft. Rheinland-Pfalz ist mit mehreren Unternehmen und Künstlern vertreten. Gries beliefert die Küche im Ehrenpavillon, in der das Rhein-Hotel Bacharach Maronen-Saumagen anbietet, und präsentiert seine Waren an einem Gemeinschaftsstand. Diesen betreibt das Haus Rheinland-Pfalz, eine Einrichtung des Landes in Dijon, der Hauptstadt der Region Burgund. Es ist beileibe nicht der erste Ausflug des Waldmohrers nach Dijon. Seit 20 Jahren richtet er dort das Sommerfest der rheinland-pfälzischen Vertretung aus, serviert unter anderem seine Musikantenland-Bratwurst. Da war es nur logisch, dass Till Meyer, der deutsche Honorarkonsul für Burgund, ihn bat, die Küche im Messezelt zu bewirten. Das war nun für Gries mit seinem Sieben-Mitarbeiter-Betrieb nicht zu stemmen – aber mit Ware beliefern? Sehr gerne. „Der Begriff ,Botschafter der Bratwurst’ ist in der Vergangenheit in Dijon ja schon gefallen“, berichtet Gries nicht ohne Stolz. Diese Bezeichnung würde er sich sicherlich auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel gerne gefallen lassen: Seit 2009 zeichnet der Waldmohrer auch bei der dortigen Vertretung des Landes fürs jährliche Sommerfest verantwortlich. Der Renner am Stand der großen Messe in Dijon aber ist eben nicht die Bratwurst aus dem Musikantenland: sondern Gries’ Currywurst im Glas. „Da bin ich doch selbst ein bisschen verwundert“, bekennt der Obermeister der Kuseler Fleischer-Innung, der sich von seinem Auftreten in Dijon vor allem auch „einen nachhaltigen Umsatz-Schub“ für seinen Online-Shop verspricht, mit dem er seit rund drei Jahren europaweit Kunden beliefert. Derzeit seien es etwa 400 Besteller aus der Region, aber auch aus Berlin, Dresden, Leipzig und sogar aus Österreich, dem spanischen Festland und Gran Canaria, berichten Gries und seine Tochter Melanie Temmes, die den Betrieb in absehbarer Zukunft – womöglich schon in gut einem Jahr – von ihrem Vater übernehmen wird. „Da sind dann auch Pakete für mehr als 100 Euro dabei“, schildert Gries. Großbestellungen gebe es vor allem für Pfälzer Abende, und von denen gibt es anscheinend gar nicht so wenige im In- und Ausland. Dennoch sagt der Waldmohrer: „Im Moment ist der Online-Shop so etwas wie unser Hobby, der kleinste Umsatzzweig der Firma.“ Etliche Bestellungen gibt es aber eben auch aus Frankreich, weshalb der Shop neben englischer auch in französischer Sprache zu erreichen ist. Ein solches Angebot sei notwendig, ebenso wie der Party-Service, um den Umsatz zu stabilisieren. Denn in den Ladengeschäften sei dieser allgemein rückläufig. „1993 hatten wir 37 Metzgereien in der Innung“, berichtet Gerhard Gries, „heute sind es nur noch sieben.“ Und der Kreis Kusel sei da kein Sonderfall. Daher sei Vermarktung auch für Metzgereien ein wichtiges Thema. |tmü

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