Rheinpfalz
Niederschlettenbach: Die Wieslauter als Lebensader für Mensch und Tier
Heimatgeschichte: Die Wieslauter näher kennenlernen, das hat sich der Pfälzerwald-Verein Niederschlettenbach für das neue Jahr auf die Fahnen geschrieben. Reichlich Informationen bietet schon einmal das neue Heft des Vereins. Und darin erfährt man, dass die Lauter mit 74 Kilometern Länge der längste Fluss in der Südpfalz ist. Aber die Lauter ist noch viel mehr.
Alleine zehn Gemeinden in der Südwestpfalz durchfließt der Fluss oder streift deren Gemarkung. Was also liegt näher, als sich mit dem Fluss, an dem über 25.000 Menschen beiderseits der Grenze leben, etwas näher zu beschäftigen. Eine erste Besonderheit ist, dass die Lauter am Oberlauf im Pfälzerwald auch Wieslauter genannt wird, zur Unterscheidung der Waldlauter bei Kaiserslautern. Doch bereits unterhalb von Dahn bis zur Mündung spricht man nur von der Lauter. Der linke Nebenfluss des Rheins gehört neben Speyerbach, Queich und Schwarzbach zu den vier großen Flusssystemen des Pfälzerwaldes.
Der Flusslauf
Die Quelle der Lauter liegt mitten im Pfälzerwald, unmittelbar südöstlich der Pfälzischen Hauptwasserscheide unterhalb der Burg Gräfenstein und knapp oberhalb des Wieslauterhofes in 249 Meter Höhe in einem Seitental des Zieglertals auf der Gemarkung Merzalben. Die Stelle ist durch einen Ritterstein des PWV mit der Inschrift „Wieslauter-Ursprung“ markiert. Das Bächlein fließt in den Wartenbach, den längsten Quellzufluss der Lauter. Noch bevor er das Dorf Hinterweidenthal erreicht, nimmt er den Scheidbach, den Lembach und in Höhe des Bahnübergangs den Horbach auf. Aus fast gegenläufiger Talrichtung fließt dort der 16 Kilometer lange Salzbach zu. Nach Hinterweidenthal prägen bizarre Felsformationen und Burgen das Tal, so etwa der Heufelsen, in dessen Höhe von links der Seebach zufließt. Die Lauter durchfließt dann Dahn, Reichenbach, Bruchweiler-Bärenbach, Bundenthal, Niederschlettenbach, Bobenthal und den St. Germanshof. Alleine auf dieser Strecke münden 21 Bäche in die Lauter.
Zwei Abschnitte als Staatsgrenze
Ab der Siebenteilbrücke bildet der Fluss die Staatsgrenze zu Frankreich. Ab dem Germanshof führt er auf französischem Gebiet durch Weiler und Weißenburg. Kurz hinter Altenstadt, dem römischen Concordia, bildet die Lauter am südlichen Rand des Bienwaldes wieder die Staatsgrenze. Sie kommt zur Bienwaldmühle. Weiter östlich verbindet eine Lauterbrücke die beiden Dörfer Scheibenhardt auf pfälzischer und Scheibenhard auf elsässischer Seite, bevor es durch die Grenzstadt Lauterbourg geht. Gleich hinter dem Städtchen zweigt sich der Fluss für die letzten Kilometer in die Alte (südlich) und Neue Lauter (nördlich). Der nördliche Teil befindet sich wieder ganz auf deutschem Gebiet. Nach Berg mündet er in Neuburg schließlich in 105 Meter Höhe in den Rhein. Die Alte Lauter markiert bis zu ihrer eigenen Mündung in den Rhein weiterhin die Staatsgrenze. Rechts dieser Mündung befindet sich der östlichste Punkt Frankreichs, links der südlichste Punkt von Rheinland-Pfalz.
Besiedlung und Mühlen
Das Lautertal hat schon recht früh Menschen zur Besiedlung angezogen, wie einige Funde aus der Jungsteinzeit zeigen. Schon relativ früh hat man die Wasserkraft der Lauter genutzt, um Mühlen zu betreiben. Am Flusslauf gab oder gibt es folgende Mühlen: Äußermühle Dahn, Dorfmühle Dahn, Mühle am Heiligenhäuselbach Bruchweiler, Dorfmühle Bruchweiler, Falkenmühle Bundenthal und Rumbach, Dorfmühle Bobenthal und weitere sieben bis zur Mündung.
Flößerei und Wiesenbewässerung
Noch älter als der Mühlenbetrieb ist die Nutzung des Flusses für die Flößerei. Bereits um 1295 wurde im Pfälzerwald Holz geflößt. Ein Streit zwischen dem Abt von Weißenburg und den Drachenfelsern, welche die Lauter versperrt hatten, ist für das Jahr 1360 belegt. Wie intensiv das Flößen betrieben wurde, dokumentiert ein Protokoll von 1753: Demnach wurden alljährlich alleine aus den bischöflichen Waldungen 700 bis 800 Klafter Buchenholz (etwa 2700 Ster) nach Weißenburg geflößt. In einer Triftordnung waren die erlaubten Flößzeiten festgelegt. Einer Urkunde von 1615 ist zu entnehmen, dass es schon vor dem Dreißigjährigen Krieg im Tal Wiesen gab, die man bewässern konnte. Folglich waren auch die notwendigen Einrichtungen wie Stauwehre und Wässergräben vorhanden. Dadurch ließ sich der Futterertrag in den Talauen steigern.
Fischerei
Die Lauter und ihre Nebenflüsse besitzen ein reiches Fischvorkommen. Das Fischereirecht stand ursprünglich nur dem Grundherrn zu, für den Mundat also dem Weißenburger Abt. Nach der Französischen Revolution wurde dieses Recht verpachtet. In der Lauter und seinen Nebenflüssen ist heute die Bachforelle als Leitfisch anzutreffen, daneben Bachneunauge, Groppe, Bachschmerle, Gründling, Stichling, Döbel, im Einzelfall Aal und Hecht. Zur Wiederbesiedelung des Lachses gibt es seit zwölf Jahren ein erfolgreiches Lachsprogramm, einhergehend mit der Durchgängigmachung des Flusses.
Flora und Fauna
Typisch für das Lautertal sind die offenen Wiesenflächen. Bis in die 1960er Jahre wurden diese privat genutzt, jedoch durch die aufkommende Industriegesellschaft weitestgehend aufgegeben. Die Talauen lagen brach, verbuschten und bewaldeten. Das hatte drastische Folgen für den Arten- und Biotopschutz. Heute wird er aktiv betrieben unter dem Motto „Naturschutz durch Nutzung“. Das Lautertal ist mittlerweile wieder fast durchgängig bewirtschaftet – und weist in Flora und Fauna eine große Artenvielfalt. auf
Im und am Wasser sind Bachflohkrebs, Signalkrebs, Bisamratte, Nutria, Ringelnatter, Gottesanbeterin, Neuntöter, Eintagsfliegenlarve, Köcherfliegenlarve und Steinfliegenlarve anzutreffen. An Libellen die Grüne Keiljungfer, Gemeine Keiljungfer, Gebänderte Prachtlibelle und Blauflügelige Prachtlibelle. Der Biber, früher hier einmal heimisch, steht vor der Pforte. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er aus Frankreich zu uns einwandert.
Vögel im und am Wasser
Wohl fühlen sich an der Lauter heute Eisvogel, Wasseramsel, Graureiher, Silberreiher, Wildente, Schwarzkehlchen und Blässhuhn. Interessante Schmetterlingsarten sind der große Feuerfalter und der dunkelblaue Wiesenknopf-Bläuling. Wasserhahnenfuß, Wasserstern, Kanadische Wasserpest, Schwarzerle, gelbe Sumpfschwertlilie, Schilf, Seggen, Binsen, echte Baldrian, gemeiner Wasserdost, Mädesüß, Rohrkolben, Schilf und Blutweiderich stehen für den Pflanzenreichtum. Einige der genannten Tierarten sind in Deutschland sehr selten, einige stehen als stark gefährdet auf der Roten Liste.
Name
Der Fluss-Name ist vom lateinischen Lutraha – Lauterbach – abgeleitet und bedeutet heller, klarer Bach. Die älteste bekannte urkundliche Erwähnung findet sich in den Weißenburger Urkunden vom Jahre 744 mit „lutra“.
Info
Der Wanderplan 2020 des PWV Niederschlettenbach umfasst 20 Seiten und ist beim Verein, Telefon 06394/5010, erhältlich.