Rheinpfalz Neues Leben in den Ruinen der Burg

Rund 40 Personen aus der Pfalz und darüber hinaus haben am Wochenende auf Burg Lichtenberg die Jahreshauptversammlung der Pfälzisch-Rheinischen Familienforscher besucht. Ein Thema der zweitägigen Veranstaltung war die Geschichte der untergegangenen Burggemeinde.
„Als noch die Nagelschmiede hämmerten“, lautete der Vortrag von Kreisheimatpfleger Dieter Zenglein aus Dittweiler zur Geschichte der ehemaligen Siedlung Burglichtenberg. Zenglein berichtete, er sei mit einem Team dabei, die Standesamtsunterlagen der ehemaligen Burgbewohner im Archiv Baumholder zu sichten. Recherchen im Katasteramt zu den Eigentumsverhältnissen sollen folgen. Als einer der berühmtesten Bewohner der Burggemeinde gilt Christian Forsch (1856 bis 1944). Zenglein sagte, es solle eine Informationstafel über Forsch auf dem Burggelände installiert werden. Dorthin solle auch das Friedhofskreuz seines Grabes kommen, das derzeit im Archiv der Kreisverwaltung lagert. In einem kurzweiligen Vortrag illustrierte Zenglein die Situation der Zivilgemeinde auf der Burg. Nicht fehlen durften dabei die Geschichten vom „Fress-Heinz“, der – offenbar ohne es zu merken – ein Sechspfünder Brot auf seinem Weg verdrückt haben soll, sowie von der kraftstrotzenden Paule Lisbeth, genannt das „Feldgeschrei“, die einen Zentner Kartoffeln von Kusel ohne Pause hinauf auf die Burg geschleppt haben soll. Zenglein zufolge war nach dem Feuer auf der Burg 1799 mit der Gemeinde Burglichtenberg neues Leben aus den Ruinen gewachsen. Der Kreisheimatpfleger führte aus, dass durch Heirat zahlreiche Personen auch von außerhalb auf der Burg siedelten; Bauland war günstig. Vier, fünf Generationen leben dort rund 100 Jahre in primitivsten Verhältnissen. Viele verdienten ihren Lebensunterhalt als Nagel- und Messerschmiede sowie als Tagelöhner. In der ehemaligen Landschreiberei war eine Schule für die Kinder aus Thallichtenberg, Ruthweiler und der Burggemeinde. Die Abwanderung begann etwa Ende des 19. Jahrhunderts. Die ehemaligen Nagelschmiede suchten im Zuge der Industrialisierung Arbeit in den saarländischen Kohlegruben. 1910 wurde die Gemeinde aufgelöst. Ein letzter Rest der ehemaligen Siedlung ist heute das Haus des ehemaligen Burgwarts Werner Schamari vor der Zehntscheune. (suca)