Rheinpfalz
Naturbad: Wasser der Rodalber Biebermühle soll wärmer werden
Eine Lagune für Nichtschwimmer, eine Wellenrutsche und 50 Prozent mehr Besucher im Rodalber Freibad Biebermühle – das stellten Diplomingenieur Peter Peters und Landschaftsarchitekt Werner Schierl dem Verbandsgemeinderat Rodalben am Montag in Aussicht.
Die Planer wollen „eine heilige Kuh“ schlachten, wie es Werner Schierl ausdrückte: Das Sprungbecken soll weg. Es sei marode, entspreche nicht den Vorgaben, und seine Sanierung würden eine Menge Geld kosten. Damit das Bad keine Attraktion verliert, stellt sich Schierl stattdessen eine Breitwellenrutsche vor: aus Edelstahl, 15 Meter lang und drei Meter breit. Denkbar seien auch eine Kletterwand aus Plexiglas, die aus dem Wasser aufragt, oder aufblasbare Eisberge, die am Beckenboden befestigt sind.
Ein Naturbad mit biologischer Wasseraufbereitung soll die Biebermühle nach dem Willen der Planer werden. Schierl und Peters von der Firma Eko-Plant haben eine Machbarkeitsstudie für das Freibad erstellt und präsentierten ihre Ideen für den Umbau in ein Naturbad. Knapp 3,2 Millionen Euro soll das kosten.
Einen maßgeblichen Vorteil nannte Schwierl am Ende der Präsentation: Das Badewasser wird wärmer, sagte er. Vor allem, weil das Becken gut abgedichtet wird. Derzeit verliert das Bad ständig Wasser, jeden Tag muss kaltes Wasser aus dem Tiefbrunnen zugeführt werden. Die große Fläche des Flachwasserbeckens speichere künftig zudem Sonnenwärme. Beheizt werde das Bad auch weiterhin nicht.
Beckenboden mit Sand
Das Bad hat bis heute keinen Kanalanschluss. Das leicht gechlorte Wasser wird in den Bach geleitet, berichtete Verbandsbürgermeister Wolfgang Denzer (SPD) auf Nachfrage. Das entspreche aber nicht mehr heutigen Vorgaben. Selbst wenn die Biebermühle nicht zum Naturbad umgebaut wird: Diese Arbeiten stehen bei einer konventionellen Sanierung an. Dann müssten auch wiederkehrende Beiträge gezahlt werden, sagte Denzer.
Die Wasseraufbereitung ohne Chemie falle bei einem Naturbad günstiger aus, meinte Schwierl. Generell fallen dem Landschaftsarchitekten zufolge die jährlichen Betriebskosten für das Naturbad etwas höher aus als bei einem konventionellen Freibad – Schwierl sprach von 90.000 Euro im Vergleich zu 84.000. Die Technik im Naturbad sei ausgelegt für 800 bis 1500 Besucher pro Tag, sie funktioniere aber auch bei „höherem Nutzungsdruck“.
Kein Strand
Ein Steg trennt im Entwurf das tiefe Becken (bis 1,80 Meter) vom Nichtschwimmerbereich. Zur Abdichtung sollen leichte Kunststoffbahnen verwendet werden. Im Flachwasserbecken werden über der Folie „bei sanftem Einstieg“ etwa zwölf Zentimeter dick Sand aufgeschüttet, der „Lagunengefühle“ vermittele. Für die Reinigung stelle der speziell behandelte Sand kein Problem dar: Er sei schwerer und sinke schneller zu Boden als Schmutz, der dann abgesaugt werden könne.
585 Quadratmeter sind für das Schwimmerbecken mit 33,33-Meter-Bahnen vorgesehen. Die Lagune umfasst 525 Quadratmeter, davor liegt das 60 Quadratmeter große Planschbecken. Seitlich davon bleibt Gelände für einen Spielplatz oder ein Beachvolleyball-Feld. Einen Strand neben dem Becken gibt es nicht: Der müsste in Richtung Wasser ansteigen, was nicht natürlich wirke, sagte Schierl.
Liegewiese „nicht anknabbern“
Die Planer sprachen vom maroden Zustand und hohen Sanierungsbedarf des Bades. Als auffälligstes Beispiel nannte Schierl Turm und Sprungbecken mit „blank liegendem Stahlinnenwerk“. Die Referenten lobten die große Liegewiese mit Bäumen und Bachlauf. Diese Fläche solle „nicht angeknabbert werden“, sagte Schierl.
Das technische Kernstück des Naturbads bildet der Geomatrix-Bodenfilter, der unter Schilf liegt und sich über 485 Quadratmeter erstreckt, untergebracht im östlichen Teil abseits des Badebetriebs. Das Wasser werde einerseits durch Kies- und Sandschichten gereinigt, die als mechanische Filter dienen, sowie über Organismen, die sich in Wasser und Filter entwickelten. Pumpen regeln die Umwälzung des Wassers zwischen Bad und Bodenfilter.
Außen vor ließen die Planer die Neugestaltung des Eingangs, eventuell mit elektronischem Einlass, die Parkplatzsituation und die Gastronomie. Diese Aspekte waren nicht Teil der Studie und sollten „im Dialog entwickelt“ werden.
Konkurrenz zum Clausensee
Viele Ideen stecken in dem Entwurf von Eko-Plant. Aber schon auf Anhieb stellte der Rodalber Verbandsgemeinderat eine Menge Fragen, die zum Fazit führten: „Die Vorgaben sind nicht aus Stein gemeißelt“ (Werner Schierl). Ob denn die „Konkurrenzsituation“ eines Naturbads Biebermühle mit dem Clausensee bedacht worden sei, wollte Peter Pfundstein (FWG) wissen, sei doch der Clausensee „ein echtes, natürliches Badegewässer“. Werner Schierl entgegnete, dass Badegäste (mit Kindern) am Bad unter anderem die Aufsicht zu schätzen wüssten. Auch der Aspekt Gesundheit sei von Bedeutung. Im Naturbad überwache das Gesundheitsamt die Wasserqualität, „es gelten schärfer gesetzte Grenzwerte“.
Für die sportliche Nutzung des Freibads setzte sich Ulrike Kahl-Jordan (SPD) ein, weshalb sie sich für 25-Meter-Bahnen aussprach, die bei Wettbewerben Standard sind. Mit dem Sportbetrieb könnte auch eine höhere Förderung einhergehen, mutmaßte sie.
Mehr Geld, wenn Thaleischweiler mitmacht
Ob sich die VG Thaleischweiler-Wallhalben an dem Bad in irgendeiner Form beteiligt, wollte Ralf Lehmann (Grüne) von Thomas Peifer wissen, dem anwesenden Bürgermeister der Nachbar-VG. Ein interkommunales Projekt bekäme höhere Zuschüsse. Peifer äußerte sich mit aller Vorsicht. Letztlich seien die „Voraussetzungen für Beteiligungsmindestgrößen“ zu prüfen, sagte er.
Er werde jetzt abermals zum Ministerium in Mainz gehen, sagte Verbandsbürgermeister Denzer. Bei einem ersten Gespräch sei es nur um Grundsätzliches gegangen, nun aber sind die Kosten bekannt und man könne konkreter werden. Die Förderung eines interkommunalen Vorhabens vermutete er bei 30 Prozent. Schwierl und Peters hatten von den knapp 3,2 Millionen Euro als Festkosten gesprochen. Anders als bei anderen Bauvorhaben soll es am Ende nicht doch noch teurer werden. Peter Spitzer (SPD) befürwortete beharrlich eine Planung mit Sprungturm, weil ihn Jugendliche gerne nutzten, auch der barrierefreie Zugang zum Schwimmbecken war ihm wichtig.
Millionen investieren neben Müllkippe
Seinen Unmut über das Umfeld des Bades bekundete Michael Köhler (CDU): „Wir investieren Millionen neben einer Müllkippe.“ Thomas Scharwatz (CDU) erkundigte sich nach Bodenproben, weil er vermute, das Umfeld könnte belastet sein. Proben würden genommen, erwiderte Schierl. Wie Denzer verwies Schierl auf die mögliche Neustrukturierung des Gewerbegebietes. Unter dem Dach der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises soll ein interkommunales Gewerbegebiet geschaffen werden.
Eine Detailfrage stellte Georg Schäfer (CDU): Ob ein Hundebadetag möglich sei, wollte er wissen. Sicher, meinte Schwierl. Er empfehle aber, das erst am Ende der Saison zu machen.