Rheinpfalz Mit Schwung und Temperament
Klassik, Filmmusik und Pop – das Bosch-Orchester Homburg ist in vielen musikalischen Welten zu Hause. Das bewiesen die engagierten Musiker aus der saarländischen Nachbarstadt bei ihrem Benefizkonzert unter Leitung von Volker Kaufmann am Samstagabend in der Festhalle Waldmohr.
Zum Auftakt spielten die Gäste aus Homburg mit viel Schwung und Temperament eine Hommage an die Pfalz: Das Stück „Burg Lichtenberg“ komponierte Manfred Schneider sogar im Turmzimmer der mittelalterlichen Burganlage bei Kusel. Die Initiative zur Gründung des Bosch-Orchesters im Jahr 2007 ging auf den damaligen Werksleiter Uwe Gackstatter zurück: „Was die Stuttgarter können, können wir doch auch.“ Dass Musik eine lange Tradition im Bosch-Konzern hat, betonte auch Orchestersprecherin Doris Wiehn. Die Spielfreude der musizierenden Boschler ist ohnehin unüberhörbar: Ungemein lautmalerisch und spannungsreich gestalteten die Musikerinnen und Musiker des Bosch-Konzerns Steven Reinekes „Pilatus Mountain of Dragons“. Im Dräuen der tiefen, dunklen Bläser wurde der dumpfe Schlaf der Drachen hörbar, eine leichte, helle Flötenmelodie bildete dazu einen lebhaften Kontrast. In fesselndem Spiel formte das Orchester die sich zunehmend intensivierende Spannung aus, die Drachen erwachen. Nach einem marschähnlichen, prägnant rhythmisierten Fanfarenmotiv zeichnete sich in den Motiven der Schellen und hohen Bläser das muntere, umtriebige Treiben der herumtollenden jungen Drachen ab. Der plastische, an Filmmusik erinnernde Charakter der Komposition kam auch in dem fulminanten Schluss mit trillernden Klarinetten in einem schneidigen Marsch zum Ausdruck; überhaupt konnte das Bosch-Orchester hier mit einer packenden Darstellung von Spannungsmomenten und dramatischen Entwicklungsprozessen überzeugen. An mittelalterliche Burgen, Schlösser und Ritter ließ auch Carl Wittrocks „Lord Tullamore“ denken. Nach einem festlichen Einzugsmarsch mit Schellenklang gewann das langsame, ruhige Thema zunehmend an Tempo, Kraft und Klangfülle. Fesselnd war auch die Interpretation von Klaus Badelts Filmmusik zu dem Hollywoodhit „Fluch der Karibik“. Lautmalerisch zeichnete das Bosch-Orchester in der Titelmelodie von „Captain Jack Sparrow“ die zwischen Pathos und subtiler Ironie mit einer Prise Komik und Karikatur pendelnden Stimmungsschwankungen nach: sicher im Ausdruck, klar und markant in der Kontur, voller tempo- und kontrastreicher Spannungsmomente. Auch ein Idyll sollte sich als trügerisch erweisen, denn unter der Oberfläche lauerten schon Spannung und Gefahr. Doch die Gäste aus Homburg beherrschten nicht nur den bedrohlichen Piratensound, sondern auch zünftige Marschklänge, wie sie in ihrer Gestaltung des Marsches „Mein Regiment“ von Hermann Ludwig Blankenburg unter Beweis stellten. Aber auch in der Welt des Pop zeigten sich die Homburger stilsicher: Der Beatles-Hit „Yesterday“ mit einem Saxofonsolo von Dirigent Volker Kaufmann entführte viele Zuhörer in ihre Jugendzeit, aber auch die jüngeren Gäste applaudierten der ungemein malerischen und farbigen Interpretation. Steve McMillans „Beyond the sea“ stellte mit seinem Big- Band-Sound einen weiteren Ruhepunkt des Abends dar. Die Gestaltung faszinierte in der weichen, vibrierenden Melodie von Gilbert Bécauds „Et maintenant“ über einem pulsierenden Beat. Das Flair stimmungsvoller Jazz-Bars kam in Glenn Millers „Moonlight Serenade“ mit seinem dezent vibrierenden Swing auf, Antonio Carlos Jobims „The Girl from Ipanema“ bezauberte mit lateinamerikanischer Atmosphäre und der einfühlsamen Interpretation der jungen Sängerin Lisa Görlinger mit ihrer klangvoll aufblühenden Stimme und ihrem mädchenhaften Charme. Sinnlich und warm gestaltete sie Bart Howards „Fly me to the Moon“; mit einer überraschenden Reife des Ausdrucks begeisterte sie in „Gabriella’s Song“ von Lars Erik Gudim. Mit dem Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater und Volker Kaufmanns Eigenkomposition „Mon better Blues“ ließen die Saarländer ihr Konzert ausklingen, dessen Erlös für die Jugendarbeit des Turnvereins Waldmohr bestimmt ist. Und die kann sich auch sehen lassen, wie die acht- bis zehnjährigen Kinder der Tanzsportgruppe unter der Leitung von Tanzsporttrainerin Corinna Bettinger mit temperamentvoller mediterraner Folklore und Rock, vor allem aber mit ganz viel Spaß an der Sache bewiesen.