Rheinpfalz Mit Leichtbau Bruchlandung vermeiden

Der Anbau an den Herschberger Kindergarten bleibt eine unendliche, weiter unvollendete Geschichte. „Eine Punktlandung kriegen wir nicht mehr hin, wir müssen versuchen, eine Bruchlandung zu vermeiden“, fasste Ingenieur Andy Lang-Merz am Dienstag im Herschberger Gemeinderat die aktuelle Situation zusammen. Es muss erneut umgeplant werden. Leichtbau statt Massivbau heißt es nun für den Anbau.
Extrem schlechter Untergrund, der eine sehr komplexe Statik erfordert, sowie die heftigen Preissteigerungen in der Baubranche hatten die Kosten bereits beim ersten ausgeschriebenen Gewerk – Abriss- und Rohbauarbeiten – explodieren lassen. Nur eine Firma hatte ein Angebot abgegeben. Das lag, wie Bürgermeister Manfred Biedinger (CDU) und Lang-Merz erläuterten, fast 100 Prozent über den geschätzten Kosten. Rechne man das hoch, bilanzierte Klaus Bohl (IZH), würde der Kindergartenanbau am Ende um 800.000 Euro kosten. Derzeit ist für den Anbau, der 180 Quadratmeter mehr Raum bringt, ein Kostenrahmen von 480.000 Euro vorgesehen. In diesem Kostenrahmen, sagte Lang-Merz, versuche man zu bleiben. Deshalb wurde die erste Ausschreibung aufgehoben. Wieso diese bei den Kosten so aus dem Ruder gelaufen war, versuchte der Ingenieur zu erläutern. Ein Bodengutachten hatte gezeigt, dass der Untergrund der Fläche, auf der der Anbau stehen wird, extrem schlecht ist. Der Statiker habe immer wieder nachgerechnet, um Standfestigkeit zu erhalten und den geplanten Anschluss an das bestehende Gebäude zu ermöglichen. Die Gründung (Übergang zwischen Bauwerk und Boden) sei extrem kompliziert, erklärte Lang-Merz. Immer wieder habe statisch nachgebessert werden müssen. Es sei ein Fundament errechnet worden mit Auskragungen. Das sei höchst komplex zu bauen. „Salopp formuliert würde ich sagen: knapp unter Panzersperre“, beschrieb Lang-Merz die Dimension, die das errechnete Fundament annahm. Das hänge auch damit zusammen, „dass wir in einer Zeit leben, in der sich jeder absichern muss“, ergänzte Lang-Merz. Passiere etwas, müsse der Nachweis erbracht werden, das alles, was möglich war, auch gemacht wurde. Deshalb werde zu den ohnehin hohen rechtlichen Anforderungen oft noch ein Sicherheitsbeiwert addiert. Fakt sei, waren sich Biedinger und der Rat einig, dass der Kindergartenanbau benötigt wird und der Kostenrahmen nicht nach oben ausgedehnt werden kann. Zwei Möglichkeiten der sogenannten Leichtbauweise gibt es nun, erklärte der Ingenieur: eine Holzkonstruktion mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktion oder, wie in Windsberg, mit Container-Elementen zu arbeiten. An der grundsätzlichen Ansicht des Anbaus – ein barrierefreier Flachbau – werde sich in beiden Fällen nichts ändern. Beide hätten den Vorteil, dass viel in den Unternehmen vorgearbeitet werden kann, es könne also schon über Winter gebaut werden, während bereits die neuen Fundamente hergestellt werden. Diese müssen statisch auf die Leichtbauweise neu berechnet werden. Da sie aber dann deutlich weniger Gewicht zu tragen haben, werde das Fundament deutlich unkomplizierter und damit billiger. Das Dach – überdacht wird auch der vorhandene Flachanbau mit dem Turnraum – könnte mit leichteren, bereits gedämmten Sandwichpaneelen hergestellt werden. Es lasse sich also viel Gewicht und damit Kosten sparen, ist sich der Planer sicher. Zudem gehe durch den Wechsel auf die Leichtbauweise nicht zu viel Zeit verloren. Der Rat beschloss, die Statik neu berechnen zu lassen und das Gebäude in Leichtbauweise zu errichten. In welcher Form, das wird das Ingenieurbüro jetzt parallel berechnen. Lang-Merz sicherte zu, dass „es einen Top-Anbau“ gibt. Dass im Kindergarten Raumbreiten von drei Metern vorgesehen sind, könnte gegen die Containerlösung sprechen, da sich die vorgefertigten Teile nicht bis an den vorgesehenen Standort transportieren lassen. Der Rat ermächtigte zugleich den Bürgermeister und die Beigeordneten, den Auftrag zu vergeben, sobald die Angebote vorliegen, sowie Heizkessel und Umwälzpumpe, die über 30 Jahre alt sind, im Kindergarten zu erneuern. Zudem wird ein neuer Kamin installiert, der für moderne Ölbrennwertkessel zugelassen ist.