Rheinpfalz Mit Handicap über die Hindernisse hinweg

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Jörg Neufeld freut sich darüber, endlich eine längerfristige Anstellung gefunden zu haben. Die Tätigkeit gefällt ihm, mit den Kollegen klappt es gut, und sein Arbeitgeber ist mehr als zufrieden mit ihm. So weit, so gewöhnlich. Und doch ist es eine besondere Geschichte, eine Erfolgsgeschichte, die dahintersteckt: Denn der 44-Jährige ist gehörlos.

Seit 2012 arbeitet der Familienvater bei der Lauterer Firma Schwerdtfeger Sanitätshaus & Orthopädie-Schuhtechnik, jetzt macht er sogar eine Umschulung zum Orthopädieschuhmacher. „Ein toller Fall“ für Arbeitsagentur-Leiter Hans-Joachim Omlor, „ein Leuchtturm“ für Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Wenn wir Hunderte solcher Fälle hätten, wären wir glücklich“, meint Omlor und wünscht sich mehr Arbeitgeber wie Stefan Egelhof, die sich als Chancengeber verstünden. Noch immer ist es für Menschen mit Beeinträchtigung schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Während die Arbeitslosigkeit in der Region schon seit einiger Zeit sinkt, tut sich bei den Menschen mit Handicap nichts. So sind in der Westpfalz rund 1300 Schwerbehinderte auf Arbeitssuche, was laut Arbeitsagentur keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das kann Jörg Neufeld nur bestätigen: Viele seiner gehörlosen Freunde haben Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden. Die Potenziale dieser Beeinträchtigten zu erkennen und auszuschöpfen, werde aber in Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger, so Omlor. Auch mit ein Grund für Firmeninhaber Egelhof, Neufeld einzustellen: „Der Fachkräftemangel besteht bei uns schon seit Jahren.“ Wobei er betont, dass er mit seinem Sanitätshaus keine Scheu vor Menschen mit Handicap habe: „Wir arbeiten ja den ganzen Tag mit ihnen.“ In doppeltem Sinne: Unter 37 Mitarbeitern haben mehrere eine Beeinträchtigung. Viele Arbeitgeber hätten aber Hemmungen, Vorurteile, meint Stefan Egelhof. Die hatte er offenkundig nicht, als sich Neufeld zusammen mit einer Vertreterin des Frankenthaler Fachdienstes für Hörgeschädigte als Dolmetscherin vorstellte. Damals suchte Egelhof einen Produktionshelfer für die Werkstatt. Neufeld war froh über diese Chance, habe er doch seit er 1996 aus Kasachstan nach Deutschland gekommen sei, nirgendwo länger als ein Jahr arbeiten können, schildert seine Frau Bianka. Dennoch hatte Egelhof das Gefühl, dass sich sein neuer Mitarbeiter erst nicht richtig wohlfühlte bei ihm. Gespräche konnten schnell klären: Die Kollegen umsorgten Neufeld fast schon zu sehr, der wollte aber auch einfach mal nur Mittagspause machen können. Die Verständigung klappt trotz Gehörlosigkeit: Der 44-Jährige, der im Donnersbergkreis wohnt, liest von den Lippen ab. „Oder es geht mit Händen und Füßen“, so sein Chef. Für seinen Mitarbeiter erhielt Egelhof zunächst sechs Monate lang einen Eingliederungszuschuss der Arbeitsagentur in Höhe von 50 Prozent des Lohns. Jetzt übernimmt diese die Kosten für die Umschulung und die Hälfte der Lohnkosten. Rund 60.000 Euro investiert die Agentur , schätzt Omlor. Nach 28 Monaten, einer um ein Drittel verkürzten Ausbildungszeit, wird er, sofern alles gut geht, im Februar seinen Abschluss in der Tasche haben. Es sei ein Traum von ihrem Mann gewesen, wie in der früheren Heimat als Schuhmacher tätig zu sein, berichtet Bianka Neufeld. Auch wenn es sich der 44-Jährige erst gar nicht zutraute, die Umschulung zu absolvieren. Längst ist er aber seinem Arbeitgeber dankbar für diese Chance, für die er einiges auf sich nimmt: Die überbetriebliche praktische Ausbildung absolviert er in Stuttgart, die Theorie paukt er wegen seiner Gehörlosigkeit am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg in Essen. (zs)

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