Rheinpfalz Mit den Tricks kommt das Lachen

Publikumsliebling und einer der Preisträger: Tobi van Deisner.
Publikumsliebling und einer der Preisträger: Tobi van Deisner.

Manche setzen vor allem auf erstaunliche Zaubertricks. Andere beweisen komödiantisches Talent. Einige punkten mit poetischem Vortrag und ab und an sind leider auch recht platte Sprüche geboten. Eines aber ist allen 16 Teilnehmern des Wettbewerbs der Straßenzauberer in St. Wendel am Wochenende gemeinsam: Sie gewinnen die Herzen des Publikums.

Dem kleinen Mädchen mit den schwarzen Zöpfen ist das Geschehen ganz offensichtlich nicht geheuer. Tapfer hält sie auf der Bühne neben Kamimaro aus, doch auch noch mitzaubern, nein, das geht nicht. Es sieht so aus, als habe sie vor dem feuerrot gekleideten Magier mit der weißen Gesichtsschminke sogar ein wenig Angst. Müsste sie nicht, denn die Vorführung, die der Japaner in der Balduinstraße in der Fußgängerzone im Schatten der Wendelinusbasilika gibt, ist durch und durch poetisch. Da hüpfen Origamivögelchen wie von Geisterhand gezogen über die Arme des Künstlers, brennendes Papier verwandelt sich in eine Rose und aus einer zerknüllten leeren Coladose ergießt sich auf des Meisters Anweisung plötzlich doch ein Schwall Limonade in ein Glas in Publikumshand. Auf den Cola-Trick hat der 13-jährige Leon hat schon gewartet. Kamimaro gehöre zu seinen Favoriten, sagt er. „Den kenne ich schon vom letzten Jahr.“ Das Publikum steht in Achterreihen in der engen Straße, vorne die Kinder, hinten die Erwachsenen. Leon hat einen Platz auf dem Dach eines kleinen Anbaus der Kirche ergattert. „Toll ist auch der mit den Ballons“, erzählt er. Während der Japaner es aber nicht in die Reihen der Preisträger schafft, hat Letzterer, Tobi van Deisner nämlich, mehr Glück. Er erhält abends bei der großen Open-Air-Gala auf dem Schlossplatz einen der beiden Sonderpreise für Komik. Der Wettbewerb der Straßenzauberer ist der 17. seiner Art in St. Wendel und in der Welt der Straßenzauberer „bestens bekannt“, wie Festivalleiter Georg Lauer erzählt. „Wir sind in Europa die Nummer eins.“ So haben sich wieder über 100 Magier beworben, dieses Mal viele aus Lateinamerika, um mit Fingerfertigkeit, Slapstick und solidem Humor die Herzen des Publikums zu gewinnen. 16 ließ die Jury zu, gesiebt wurde nach Qualität und Abwechslung. Die typischen Tricks der Straßenzauberer ähneln sich, es wird mit Ringen, Bechern, Ballons, Jonglage und Seilen gearbeitet. „Ich achte darauf, dass sich nicht zu viel in den Programmen wiederholt“, erzählt Lauer. Das werde langweilig fürs Publikum. Lauer hält die Stellung in einem Holzhäuschen am Schlossplatz, teilt Programme aus und, ganz wichtig, verwandelt Geldscheine in Münzgeld. Denn jeder der Teilnehmer lässt nach seinem rund 20 Minuten dauernden Auftritt den Hut rumgehen. Das Hutgeld sichert den Freischaffenden nicht nur ihr Auskommen. Wie die Künstler es schaffen, das Publikum zur Spende zu bewegen, fließt in die Bewertung durch die Jury genauso ein wie das handwerkliche Geschick und der Umgang mit den Zuschauern. Während Kamimaro in der Balduinstraße seine leisen, kleinen Märchen erzählt, gibt vorm Hauptportal der Kirche am Fruchtmarkt Nickey Fynn aus den USA sein Bestes. Noch ein Stückchen weiter, auf dem Schlossplatz, hat der Slowene Sam Sebastian seine Bühne abgesteckt – Löffeltricks und Schwertschlucken einmal ganz anders begeistern dort das Publikum. Dazwischen, daneben, dahinter servieren die örtlichen Wirte geschäftstüchtig Produkte wie „die zauberhafteste Pizza weit und breit“. Der Wettbewerb ist am späteren Samstagnachmittag schon gelaufen, die Jury beurteilt die Auftritte am Freitagnachmittag und am Samstagvormittag. Der Sonntag sieht auf noch mehr Plätzen in der Stadt ein Familien-Zauberfest. Zurück zur Balduinstraße. Mit lustigem Hut und strahlendem Lächeln zieht inzwischen Funnykito die Menschen in seinem Bann. Pantomimisch clownesk ist die Nummer des Brasilianers, kaum ein Zuschauer geht vorzeitig weiter, die Kinder lieben ihn, die Großen auch. Als das Ende naht, hält der Magier bebilderte Schilder hoch. International verständlich sagen die, dass ein Getränk mit zwei Euro zu Buche schlägt und eine Hamburgermahlzeit mit fünf. Doch was kostet das Lachen? Auf diesem Schild prangt nur ein dickes Fragezeichen. Die Botschaft hat offenbar gezündet. Funnykito ist der unumstrittene Sieger des Wettbewerbs (Preisgeld 1000 Euro), Platz zwei geht an Flash Gonzales aus Chile, gefolgt von Robert Ganahl aus Österreich. Sonderpreise für Komik erhalten A. Schlickenprobst und Tobi van Deisner, beide aus Deutschland. Der 18. Wettstreit der Straßenzauberer ist auch schon terminiert: Vom 3. bis 5. August 2018 treiben sie wieder ihre magischen Späße in St. Wendel.

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