Rheinpfalz Mit 360-Grad-Blick aufs Meer

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Speyer. Das Klima in der Pfalz ist besser als im hohen Norden. Aber den leckersten Fisch gibt es dort oben bei Johannes Hritz, das große Gefühl der Freiheit inklusive. Gerade volljährig geworden, hat der heute 59-Jährige seine Geburtsstadt Speyer verlassen, um in See zu stechen. Jetzt fährt er als Kapitän auf einem der größten und modernsten Trawler im Nordatlantik.

Aufgewachsen ist „Hans“ Hritz in Hanhofen. Seine Ausbildung machte er in Speyer, bei der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof. Wenn der aufgeschlossene Mann in die Vergangenheit blickt, gerät er ins Schwärmen: „Für mich ist Speyer eine der besten Städte in Deutschland.“ Anfangs habe er sich noch keine Gedanken darüber gemacht, wie der Wechsel von der sonnenverwöhnten Pfalz in den stürmischen Norden sich auswirken wird. „Aber später, als ich hier mit meiner Familie zu Besuch war, merkte ich, wie schön es ist und was ich ausgeschlagen habe“, wirft Hritz ein. Das Feuer für die Schifffahrt und die Fischerei ist bei dem vielgereisten Mann bereits im Alter von zehn Jahren entfacht worden. „Ein Cousin war bei der Marine – das fand ich irgendwie cool“, so Hritz im RHEINPFALZ-Gespräch. Den letzten Anstoß gab der Wegzug seiner Schwestern nach Norwegen. „Da“, denkt der Kapitän zurück, „entwickelte sich ein gewisses Interesse, das Meer zu sehen.“ Mit 18 Jahren begann Hritz eine neue Lehre, die Marine-Grundausbildung auf Borkum, und gehörte danach zwölf Monate zur Besatzung eines U-Boot-Versorgers. Von der Bahnschiene aufs Wasser – er liebe eben die Unabhängigkeit, sagt Hritz. Bestärkt in seiner Entscheidung habe ihn dann ein Fischer in Norwegen. Die nächsten Stationen: Navy, Fischkutter, Seefahrt-Schule in Cuxhaven. Dort legte er das große Kapitäns-Patent ab. Nun sitzt Hritz am Ruder des 90 Meter langen Hochseetrawlers „Mark“. In den zurückliegenden 40 Jahren hat die Leidenschaft für seine Arbeit nicht nachgelassen; obgleich die Bedingungen in der Fischerei nicht leichter geworden seien, wie er sagt. Auf Effektivität kommt es ihm persönlich an; daher isst Hritz nur Fisch, den er selbst gefangen hat. Ansonsten betont er: „Ich liebe meinen Job. Mein Arbeitsplatz ist gerade mal zwei Decks vom Bett entfernt, und ich habe einen 360-Grad-Blick auf das Meer.“ Drei Monate am Stück ist Hritz in der Regel unterwegs, hat eine Zwölf-Stunden-Schicht. „Der Kapitän ist für alles verantwortlich“, so Hritz, in dessen Tätigkeitsfeld neben dem Steuern des Hochseeriesen auch das Ausloten des besten Fangplatzes liegt. Schreibkram bleibt ihm nicht erspart: „Das geht vom elektronischen Logbuch bis zur Kommunikation mit der Reederei.“ Sein Chef an Land wolle stets informiert sein. Hritz besonderer Stolz ist seine Frau. „Sie hat mir eine tolle Familie geschenkt und mich in all den Jahren unterstützt. Ohne sie hätte ich das so nicht hinbekommen“, sagt er dankbar. Sein Ziel daher: „Das Leben mit meiner Frau genießen. Die Zeit, die man auf See ist, lässt sich an Land nämlich nicht mehr nachholen.“ Wie ernst es Hritz damit ist, zeigt seine Reaktion auf die Frage, wann er sein Ruder weitergibt. Er sagt: „Mich werden die nicht von Bord tragen müssen.“ Vielleicht bleibt dann auch Zeit, ein Stück Heimathimmel zu sehen. Und sich der Pfälzer Sprache wieder anzunähern, denn die hat beim Leben im Norden gelitten. „Nach drei, vier Wochen würde es aber bestimmt wieder klappen“, meint Hritz und lacht.

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