Rheinpfalz „Manches geht ,uff Pälzisch’ einfach besser“

GROSSSTEINHAUSEN/BOTTENBACH. „Ins Wasser fallt e Steen“: Das Lied steht so nicht im Gesangbuch, wird aber morgen in Bottenbach (9 Uhr) und Großsteinhausen (10.30 Uhr) bei der „Kerch uff Pälzisch“ erklingen. Pfarrer Friedrich Schmidt-Roscher hält zwei Gottesdienste so, „wie ihm de Schnawwel gewachs is“. Der gebürtige Großsteinhauser, der in Haßloch lebt, freut sich drauf − denn hier verstehen ihn alle, und keiner hält ihn für einen Saarländer. In Haßloch ist das manchmal anders, hat er Steffi Blinn erzählt.
Ich kann schlecht Dialekte imitieren, ich kann kein Haßlocherisch. Ich habe mühsam Hochdeutsch gelernt (). Ich spreche meinen Dialekt, also „so wie mir de Schnawwel gewachs is“. Die Haßlocher verstehen mich schon. Allerdings meinen viele, ich käme aus dem Saarland. Oh ja, das kenne ich ... Es gibt Vorderpfälzer, bei denen hört die Welt bei Bad Dürkheim auf. Dahinter kommt dann nur noch Wald, die stellen sich was weiß ich was vor. Wobei ich dann schon mal gerne von Westpfalz und im Gegenzug von Ostpfalz spreche. Das mögen die aber nicht so gerne. Ich begegne dem Ganzen mit Humor, man macht halt gegenseitig Witze übereinander. Trotz der sprachlichen Unterschiede sind wir ja doch alle Pfälzer mit einer gemeinsamen Identität. Die da vorne tun sich ja besonders schwer mit unserem „Es“, wenn wir zum Beispiel „es Steffi“ sagen. Ja, das ist schon eine kulturelle Eigenart. Woher „es“ kommt, wieso wir das sagen, weiß ich aber nicht. Ich auch nicht. Mir fällt nur auf, dass die Ostpfälzer das „Es“ als Abwertung verstehen − oder es uns gegenüber so verwenden. Ich denke nicht, dass „Es“ abwertend gemeint ist. Für Außenstehende hat es aber wohl was Sächliches. Sie sind in Großsteinhausen aufgewachsen, dann mit 19 zum Studium weggezogen. Sind Sie oft hier? Ja, regelmäßig, und ich komme immer gerne zurück. Ich versuche in der Predigt morgen auch, etwas aufs Dorfgeschehen einzugehen. Für mich ist es was ganz Besonderes, dort „Kerch uff Pälzisch“ zu halten, wo ich herkomme, wo mich die Leute auch verstehen. Was ist Ihr pfälzisches Lieblingswort? „Truuschele“ gefällt mir gut, auch „malaad“. Und ich mag alte Wörter, die zu verschwinden drohen. „Mannsleit“ zum Beispiel. Manchmal baue ich sowas bewusst in meine Predigten ein. Wobei man aufpassen muss, dass das die Leute noch verstehen. „Iwwerzwerch“ finde ich auch gut. So haben Sie ja auch den Predigttext für den morgigen Sonntag überschrieben: „E iwwerzwerchi Fraa“, Matthäus 15, 21-28. Da geht es um eine heidnische Syrerin, die Jesus auf eine andere Spur bringt. Sie beeindruckt durch ihre Schlagfertigkeit. Diese ausländische Frau hat Jesus gezeigt, dass er seine Aufgabe weiter sehen muss. Solche Leute hat er gebraucht. Mit wie vielen Leuten rechnen Sie bei der „Kerch uff Pälzisch“? Keine Ahnung. Ich hoffe, es kommen net nur Steenhauser unn Bottebacher, sondern auch ein paar alte Bekannte, die mich noch von früher kennen. In Haßloch, wo ich zweimal im Jahr „Kerch uff Pälzisch“ anbiete, ist’s immer gut voll. Auch die Gebete und die Lieder werden morgen auf Pfälzisch sein. Wie soll man sich die Lieder vorstellen? Reimen die sich dann überhaupt noch? Also, wir singen nicht „Do werd die Wutz geschlacht“ − wobei das vielleicht auch mal ein gutes Orgelvorspiel wäre (). Es sind bekannte Melodien mit pfälzischen Texten, die dem Original sehr nahe kommen, sich aber nach wie vor reimen. Aus „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ wird „Geh aus, mei Herz, unn frei dich heit“. Die Lieder habe ich nicht selbst übersetzt, aber den Psalm habe ich „vepälzert“. Dabei geht’s nicht um Klamauk − ich will schon, dass die Botschaft rüberkommt. Solche Übersetzungen sind nicht immer leicht. Aber es gibt auch Dinge, die lassen sich „uff Pälzisch“ einfach treffender sagen, oder? Ja, manches geht „uff Pälzisch“ einfach besser. Das merkt man übrigens auch bei der Übersetzung der Bibel. Das Hebräische zum Beispiel ist eine oft sehr konkrete Sprache, auch sehr bildhaft. Der barmherzige Samariter hat „Mitleid“, wörtlich heißt das im Original eher „Es geht ihm an die Eingeweide“. Das Pfälzische ist auch sehr direkt. Man duzt zum Beispiel eher die Leute. Wobei es aber auch eine vornehme, respektvolle Anrede gibt, das Pfälzer „Ihr“, mit dem man ältere Leute anspricht. Das habe ich schon ganz lange nicht mehr gehört ... Ja, das verschwindet langsam. Aber es lässt sich in einer Predigt leider kaum verwenden. (Archivfoto: Girard)