Rheinpfalz „Macht den Laden dicht“

91-72308752.jpg

„Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“ Diese Forderung des früheren Bundeskanzlers und Friedensnobelspreisträgers Willy Brandt wurde am Samstagnachmittag oft zitiert. Das Bündnis „Stopp Ramstein“ hatte zur Demonstration gegen den US-Stützpunkt aufgerufen. Mindestens 900 Menschen kamen. 2016 soll wieder gegen „Angriffskriege made in Ramstein“ marschiert werden.

„Wir reden doch erst jetzt über Krieg, weil die Flüchtlinge da sind.“ „US Soldier go home!“ „Macht den Laden dicht!“ Die Redner und Teilnehmer der „Stopp Ramstein“- Demonstration am Samstag fanden während der drei Kundgebungen entlang der Route vom Elteweg Richtung Airbase und auf den Transparenten klare Worte, um ihr Ziel zu erreichen: Der US-Militär-Stützpunkt Ramstein soll Geschichte werden. Die Schar, die sich kurz nach 12 Uhr zum Auftakt versammelt hat, ist bunt, nicht nur vom Alter her. Twens sind gekommen, auch aus Berlin, München, Österreich, und reden mit Jahrgängen, die schon bei den großen Demonstrationen gegen den Nato-Doppelbeschluss in Bonn auf die Straßen gingen. Auf der Bühne klingt Liedermachermusik von Diether Dehm und Reggae vom Mellow Mark, Kilez Moreccc rappt und Prinz Chaos II zeigt mit Mandoline und spitzer Zunge, wieso er Teil des „Störsender“-Kabaretts von Dieter Hildebrand war. Im der Menge steht „Attac“ steht neben „Pax Christi“, die Partei „Die Linke“ zeigt Flagge, die Regenbogenfahnen der Friedensbewegung wehen. „Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen - doch von deutschem Boden geht Krieg aus“, ruft Alexander Ulrich, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei, als Auftaktredner in die Menge. Das SWR-Fernsehen meldet zu diesem Zeitpunkt, dass nicht einmal 100 dem Aufruf gefolgt seien. Das verstärkt bei vielen das Gefühl, dass die neue Friedensbewegung gezielt verächtlich gemacht werden solle. Tatsächlich sind es nach Angaben von Polizeieinsatzleiter Peter Becker „ziemlich genau 900“. Die Veranstalter schätzen später auf 1500 Teilnehmer. Zu denen, die ihre Transparente individuell gestaltet haben, gehört Patrick aus dem Sauerland. „Finger weg vom Joystick. Drohnenkrieg ist keine Fiktion, sondern Mord ohne Weitblick“, haben er und Freunde auf ihr Plakat geschrieben. Patrick ist Mitte 20. Mitzumachen sei wichtig. „Wir sehen doch, wie viele Leute lieber die Augen verschließen. Und es geht doch um unsere Zukunft. Wir sind die, die in dieser Welt weiterleben müssen.“ Markus Kompa, politisch bei den Piraten verankert, bekennt, dass er als Bub aus der Lauterer Gegend „immer ein schlechtes Gewissen“ gehabt habe, „gegen die Amis“ zu sein. „Sie bringen Geld in die Region. Aber heute weiß ich, dass nicht nur der Anteil der deutschen Zivilbeschäftigten immer weiter abgebaut wird. Wir finanzieren die Base zu einem Großteil über unser Steuergeld. Wir subventionieren Angriffskriege.“ Zwei Themen sind zentral in den Gesprächen und Reden: Das eine ist, dass die für Eurasien von Ramstein aus kommandierte US-Luftwaffe laut Presseberichten 20 neue Atomwaffen auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel im nördlichen Rheinland-Pfalz stationieren will. Das andere, dass die Airbase Sitz der Satelliten-Relais-Station ist, die die US-Drohneneinsätze weltweit möglich macht. Im übervollen Saal der Lauterer Pauluskirche zeigen am Freitagabend Fee Strieffler und Wolfgang Jung, Akteure von „Ramsteiner Appell“ und „Luftpost Kaiserslautern“, die militärische Bedeutung Ramsteins im globalen Einsatzkonzept auf. Auf der Abschlusskundgebung am Samstag sagt Albrecht Müller, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Kanzleramts-Planungschef unter Brandt, dass ein Abzug der US-Truppen aus Ramstein ausschließlich am politischen Willen der Bundesregierung scheitere. „Wir brauchen eine Gegenöffentlichkeit um auf die Politik einzuwirken und dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen.“ Reiner Braun. Mitinitiator der Demo, sieht diese als „hoffnungsfrohes Zeichen“. 2016 solle wieder marschiert werden in Ramstein, mit deutlich mehr Teilnehmern und vielleicht anderer Route. Die auf der Airbase Beschäftigten haben von dem Protestzug vermutlich nicht viel mitbekommen. Der Zug endete am großen Kreisel vor der Base und wurde bis dahin über den Radweg geführt. (kgi)

x