Rheinpfalz Ludwigshafen: Bäcker Theurer in neuen Händen

Viele der Mitarbeiter, die teils schon seit über 20 Jahren im Unternehmen sind, mussten sich erst an „die Neuen“ gewöhnen: Elke
Viele der Mitarbeiter, die teils schon seit über 20 Jahren im Unternehmen sind, mussten sich erst an »die Neuen« gewöhnen: Elke und Markus Sigle. Die Bäckerei Theurer gibt es schon seit den 1950er-Jahren.

Das gelbe Logo mit Brezel und Gesicht ist Geschichte. Auch sonst ändert sich viel bei der Bäckerei Theurer. Markus Sigle hat das Unternehmen zum 1. Februar übernommen. Der 48-jährige Schwabe setzt auf „Erneuerung statt Wachstum“ – und allem voran auf Brot.

„Wenn ich was mache, mache ich’s richtig“, sagt Markus Sigle mit Nachdruck – und gemacht werden soll in den nächsten Monaten einiges. Zum 1. Februar hat er die Ludwigshafener Bäckerei Theurer übernommen, die die Inhaberfamilie altersbedingt abgegeben hat. Er und seine Frau Elke sind bereits seit September vor Ort und haben den Übergang vorbereitet. Ideen, was sich ändern soll, haben sie viele. Die vergangenen sechs bis zehn Jahre habe die Bäckerei im „Dornröschenschlaf“ gelegen, sagt der neue Chef. Daraus soll sie nun erwachen. Was man noch nicht an den Filialen, wohl aber im Hauptsitz in der Saarburger Straße (Oggersheim) sieht: Mit den neuen Inhabern ist ein neues Logo eingezogen: moderne Schrift, blau und weiß, ergänzt durch einen hellen Braunton, eben wie ihr Hauptprodukt. „Wir werden der Brotbäcker“, betont Sigle dann auch gleich mehrmals im Gespräch. Das Brot sei Mittelpunkt des Handwerks, für das er stehe. In einer neuen Rezeptur setze er beispielsweise auf sogenanntes Grundmehl, das besonders viele Nährstoffe und Enzyme enthalte. „Ein gutes Brot macht in der Küche des Kunden eine große Sauerei“, sagt er dann noch lächelnd, nimmt beim Fototermin in der Backstube einen der Laibe in die Hand, drückt ihn und lässt die Kruste dabei leise knacken.

Anonyme Annonce in der Bäckerzeitung

Das Ehepaar Markus und Elke Sigle kommt aus dem Schwäbischen – was nicht zu überhören ist. Der 48-Jährige ist gelernter Bäcker, die 40-Jährige Konditorin. Beide haben in mehreren Bäckereien gearbeitet, zuletzt beim Esslinger Backhaus Zoller, wo Sigle Backstubenleiter war. Wie sie nach Ludwigshafen kommen? Sie haben auf eine anonyme Annonce in der Bäckerzeitung reagiert – und sind bei Theurer gelandet. Genauso wie ihm das Brot am Herzen liegt, achtet Sigle auf das Betriebswirtschaftliche. „Wir arbeiten viel mit Kennzahlen“, sagt er ohne Umschweife. Den Punkt des Umdenkens nicht nur eine Bäckerei zu haben, sondern vor allem ein Unternehmen, hätten andere verpasst. Rund zehn Millionen Euro Umsatz macht Theurer laut den Chefs derzeit. Eine Filial-Expansion plant Sigle eigenen Angaben zufolge nicht. Langfristig gehe er von 17 bis 19 Filialen aus. Aktuell sind es 21: in Ludwigshafen, Mannheim, Frankenthal, Bad Dürkheim, Mutterstadt, Maxdorf und Worms. Dennoch soll es noch in diesem Jahr drei Neueröffnungen geben, zwei in Mannheim (Käfertal und Schwetzingervorstadt), der dritte Standort stehe noch nicht fest. Diese Filialen sollen mit teils mehr als 200 Quadratmeter Fläche doppelt so groß sein wie die bisherigen. Wegen des dadurch steigenden Service-Aufwands könne die Mitarbeiteranzahl von derzeit 250 – etwa zwei Drittel davon im Verkauf – langfristig auf bis zu 350 erhöht werden.

"Krümelecke" für Kinder

„Man muss den Mut haben, etwas zu verändern“, sagen die Sigles, die seit September gemeinsam mit ihren beiden Huskys in Ludwigshafen wohnen. Die neuen Filialen sollen ein schöner Ort zum Aufhalten, Kaffeetrinken und Kuchen essen werden. Elke Sigle freut sich vor allem auf eine „Krümelecke“ für Kinder. Die Konkurrenz nennt Sigle „Mitbewerber“ und wünscht sich Gespräche miteinander. So ließe sich etwa vermeiden, dass in einer Straße gleich vier verschiedene Bäckereien eröffnen – was durchaus vorkomme. Auf einen „Preiskampf“ wolle er sich nicht einlassen. Statt alles anzubieten sagt er: „Wir werden unser Sortiment mehr als halbieren.“ Sich auf weniger Produkte zu beschränken rät er auch kleinen Bäckereien, die sich beklagen, von „den Großen“ kaputt gemacht zu werden. Bislang gebe es in den Theurer-Filialen vor allem noch die bisherigen Produkte. Nach und nach werden die Standorte nicht nur optisch umgestaltet, auch die Produkte wandeln sich. In ein paar Wochen soll es dann neben den schon vorhandenen neuen Berlinern auch das neue Brot geben – laut Sigle begleitet von einer Marketingkampagne. Denn wenn er was macht, dann macht er’s ja richtig.

x