Rheinpfalz Leserbriefe an die Lokalredaktion:

Vor über vier Wochen habe ich zu dem Thema Fusion der Verbandsgemeinden (VG) Hauenstein und Dahn oder Annweiler schon meine Sichtweise beschrieben. Seit jener Zeit ist man anscheinend nur auf der Stelle getreten und keinen Zentimeter vorwärts gekommen. Leider habe ich die Gründungsphase der ersten VG-Generation in Rheinland-Pfalz nur als kleines Kind erlebt und damit gar nicht. Dass bei der Gründung der VG Hauenstein – Anfang der 70er – schon „Unrecht“ begangen wurde, ist mir nicht bekannt. Bezüglich meiner VG Thaleischweiler-Fröschen kann ich mich nicht an solche Termini – auch nicht im Nachhinein – erinnern. Gott sei Dank. Bei uns ging die aktuelle Fusion mit der VG Wallhalben nicht ohne Scharmützel über die Bühne. Aber es gab bei allen privaten Veranstaltungen vor der Gründung der neuen VG in meinem Familienkreis kein einziges Wort über diese Fusion, weil die Menschen hier schon immer nach Zweibrücken und nach Pirmasens gefahren sind und diese Stufe der Gebietskörperschaften niemanden wirklich interessiert hatte und auch jetzt niemanden interessiert. Aber vielleicht liegt dies auch an der Äquidistanz zu beiden Mittelzentren. Dass Verwaltungsangestellte und deren Familienangehörige die Fusion viel leidenschaftlicher betrachtet haben, ist selbstverständlich. Was mich an der ganzen Fusioniererei (Hauenstein, Dahn, Annweiler ...) und ihrer journalistischen Begleitung viel mehr interessiert, sind zwei Punkte. 1. Eigentlich sollte ab 2016 die zweite Stufe der Verwaltungsreform starten, sprich Zusammenlegung der Kreise und Einkreisung der kreisfreien Städte. Wenn aber Hauenstein – aus Sicht der Landesregierung – nicht auch mit Annweiler reden darf, heißt dies dann, dass es keine Fusion von Südwestpfalz und Südlicher Weinstraße geben wird? Frau Ganster soll nächstes Jahr Herrn Duppré als Landrätin folgen, was wird aber aus ihr, wenn der Kreis Südwestpfalz innerhalb der nächsten fünf Jahre verschwindet? Wird sie nicht auf acht Jahre gewählt? Kann man daraus nicht schon ableiten, dass die Kommunal- und Verwaltungsreform für unser Territorium bedeutet, dass höchstens Pirmasens und Zweibrücken eingekreist werden? Das jetzt zusammen mit der VG-Frage innerhalb dieser Legislaturperiode zu klären, erinnert mich an die Frage, was war zuerst: das Ei oder das Huhn. 2. Der Kommentar zu diesem widerlichen politischen Geplänkel wird überschrieben mit: „Leichtes Spiel für Rattenfänger“. Sie schreiben selbst, dass der Eindruck, dass „die da oben“ eh schon alles entschieden haben und die Meinung der Betroffenen nichts zählt und persönliches Engagement nichts brächte, nicht von der Hand zu weisen wäre. Aber warum fordern Sie dennoch eine Bestandsgarantie für dieses System, indem Sie davor warnen, „politischen Rattenfängern“ künftig ein Mandat zu erteilen? Was denn nun? Glauben Sie ernsthaft an eine göttliche Eingebung der Entscheidungsträger, um die momentanen Systemabläufe zu retten? Unterstützen Sie die Durchhalteparole: Wenn das Volk kein Brot hat zum Essen, soll es Kuchen essen? Warum sollten per se neue Parteien und Strömungen als Outlaws angesehen werden? Was soll der Bürger und die Bürgerin denn sonst machen, wenn ihrer Meinung nicht entsprochen wird, als sich Alternativen zu suchen, die sie unterstützen? Zum Schluss noch ein Schmankerl: Unsere neue VG Thaleischweiler-Wallhalben hatte einen Wettbewerb ausgelobt, der als Ziel hatte, einen neuen Namen zu finden. Auch ich und viele Mitbürger aus der VG und von außerhalb haben teilgenommen. Ich schlug den Namen „Schwarzbach- und Wallhalbtal“ vor (erinnert mich charmant an die Département-Namensgebung in Frankreich), es gab auch den Vorschlag „Pfälzer Mühlenland“ oder „Sickinger Höhe“. Aber das war alles viel zu schwammig und nicht regionalkonkret genug, so dass man sich dann aufseiten der Politiker auf Thaleischweiler-Wallhalben festlegte, nicht zuletzt, weil Thaleischweiler ja unverwechselbar mit der Firma Reno verbunden ist. Übrigens hat man aber Verbandsgemeinden mit Namen wie Rhein-Mosel, Loreley, Wonnegau, Schweich an der römischen Weinstraße (kennt man diese außerhalb der Region?) genehmigt ... Leider ist die Neueröffnung der Geschäftsstelle der VR-Bank Südwestpfalz für mich kein Grund zur Freude. Bedeutet das doch, dass ich als Rollstuhlfahrer mal wieder ausgegrenzt werde. Denn: Der Zugang ist nicht behindertengerecht und einen solchen zu schaffen wird wohl nicht zu machen sein wegen der örtlichen Gegebenheiten. Parkplätze sind dort auch Mangelware. Ich denke das kann ich beurteilen, nach fast30 Jahren Erfahrungen als Rollstuhlfahrer. Ganz im Gegensatz zu den bisherigen Räumlichkeiten am Wiesenweg. Ich bin sicher nicht der einzige Einwohner, dem man vor den Kopf gestoßen hat. Es gibt in Thaleischweiler noch mehr Mitbürger, die auf einen Rollstuhl oder einen Rollator angewiesen sind oder die anderweitig gehbehindert sind. Warum musste das sein? Alles wegen dem lieben Geld? Ist denn Geld alles?