Rheinpfalz „Leben ist zu kurz für schlechten Fußball“

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Homburg. „Das Allerwichtigste ist jetzt der Klassenverbleib in der Fußball-Regionalliga“, sagt Herbert Eder, Vorsitzender des FC Homburg. Für den Club geht es nach Absturz in die Abstiegsränge und Trainerwechsel heute Abend um wichtige Punkte im Auswärtsspiel in Worms. In der Zeit nach dem Saisonende am 20. Mai will Eder eine Mitgliederversammlung einberufen. Dort dürfte es unter anderem um den Umgang mit der umstrittenen Ostermann-Klausel gehen, die seit der bislang letzten Versammlung am 2. Februar 2016 eigentlich gar nicht mehr in der Vereinssatzung stehen dürfte.

„Die Generalversammlung machen wir, wenn die Spielrunde rum ist – wir können jetzt nicht alle Baustellen auf einmal aufmachen“, sagt FCH-Boss Herbert Eder zur RHEINPFALZ. Dass ein Abstieg in die Oberliga für den FCH fatal wäre, wird auch von Michael Arndt so gesehen. Der Homburger Arzt und Geschäftsmann will noch immer nicht die Hoffnung aufgeben, dass der Verein, der ihm so sehr am Herzen liegt, eines Tages an alte Bundesligazeiten anknüpfen könnte. „Voraussetzung dafür ist es aber, potente Sponsoren an Land zu ziehen – auch aus dem Ausland.“ Doch wie, so fragt er, sollte man als Oberligist einen internationalen Investor zum Geldausgeben bewegen? Seit Jahrzehnten ist der Fußballfan Michael Arndt aus der Unteren Allee Mitglied des FCH und des FC St. Pauli: Ein Banner mit den Schriftzügen beider Clubs ziert regelmäßig Arndts Stammplatz im Stadion-Block 2 bei den Heimspielen des FCH. Bei der Mitgliederversammlung im Februar 2016 kandierte er vergeblich für einen Platz im Aufsichtsrat des Vereins. Der Mediziner kritisiert, dass der entscheidende Beschluss jener Generalversammlung noch immer nicht umgesetzt worden sei: Damals wurde beschlossen, dass die veraltete Vereinssatzung aus der Jahrtausendwende noch im ersten Halbjahr 2016 durch eine Neufassung zu ersetzen und diese dann einer Sondermitgliederversammlung zur Bestätigung vorzulegen sei. Vor allem aber wurden damals per einstimmigem Votum die weitreichenden Sonderrechte aus den Clubstatuten gestrichen, die der FCH seit 2000 dem Saarbrücker Unternehmer Hartmut Ostermann und dessen Firma Victors Bau & Wert GmbH gewährt hatte. Trotz gegenteiliger Ankündigung war kein Abgesandter dieses Unternehmens bei der Generalversammlung zugegen. Deshalb unterschrieb damals kein Victors-Vertreter die Streichung jenes Vorrechts, das Ostermann-Klausel genannt wird. Daraufhin kündigte der FCH-Aufsichtsratsvorsitzende Dieter Knicker an, Ostermann eine Niederschrift der geänderten Satzung zwecks Gegenzeichnung zu schicken. In der Versammlung 2016 wertete Knicker das Schweigen des einstigen FCH-Sponsors aus Saarbrücken als dessen „stillschweigende Zustimmung“. Noch in der Versammlung schloss der Rechtsanwalt Knicker nicht aus, dass der FCH Ostermanns Zustimmung notfalls vor Gericht einklagen werde, sollte der Saarbrücker Unternehmer auf seinen alten Rechten beharren. Seit dem 4. Februar 2016 sind 14 Monate ins Land gezogen. Noch immer liegt keine Unterschrift von der Victors Bau & Wert GmbH vor, die deren Verzicht auf die Ostermann-Klausel bestätigt. „Ja, das ist so“, erklärt Herbert Eder auf Anfrage: „Wir gehen aber davon aus, dass bei der Firma Victors darauf kein Wert mehr gelegt wird. Dort werden diese Rechte nicht mehr wahrgenommen; wir erledigen die Sache auf dem kleinen Dienstweg.“ Deshalb sei es auch nicht nötig, den von Dieter Knicker seinerzeit in den Raum gestellten Rechtsweg zu beschreiten. „Will der FC Homburg einen starken Investor an Land ziehen, muss er eine hieb- und stichfeste Vereinssatzung ohne Unklarheiten haben – und einen Präsidenten mit klar umrissenen Kompetenzen, der den Verein nach außen repräsentiert und einen professionellen Blick auf PR hat“, betont hingegen der Homburger Edelfan Michael Arndt, der sich seit den 1980er Jahren einen Namen zunächst in der alternativen und linken Szene gemacht hatte: Unter dem Spitznamen „Moses“ engagierte er sich als Autor und Verleger von Punk-Magazinen, trat als Vertreter der antifaschistischen Gegenkultur in TV-Talkshows auf und gründete 1993 in seinem Haus das Tattoo-Studio AK 47. „Moses“ Arndt ist Autor des Punk-Romans „Chaostage“, den Tarek Ehlail verfilmte. Für Ehlails Fußballfilm „Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor“ (2010) verfasste Arndt das Drehbuch. Seit seiner Promotion 2007 beruflich als Doktor der Medizin tätig, engagiert er sich seit Anfang 2017 zudem als Geschäftsführer der Dr. Michael Arndt Consulting GmbH als Unternehmens- und Strategieberater in Bereichen wie Gesundheit, Sport und Kultur. „Mein Herzens-Verein schwebt in Abstiegsgefahr. In dieser misslichen Lage biete ich meine Unterstützung auf Geschäftsebene an“, betont Arndt, dass er dem FCH-Vorstand offeriert habe, kostenlos eine wasserfeste Club-Satzung zu verfassen. „Jetzt ist es wichtig, beim FCH die alten Gräben zwischen Anhängern, Mitgliedern und Vorstand zuzuschütten“, beteuert Michael Arndt, dass es ihm keineswegs darum gehe, „negative Wellen zu machen“ und zu stänkern: „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten.“ Mittelfristiges Ziel müsse es für den FC Homburg sein, „mindestens Zweite Liga zu spielen. Denn nur dort sind die nötigen Einnahmen aus Fernsehgeldern zu erzielen.“ Die Dritte Liga sieht Arndt als „finanzielles Niemandsland“ an, in dem nur zuschauerstarke Clubs wie der VfL Osnabrück oder vielleicht Rot-Weiß Essen eine Überlebenschance hätten. Dabei, sagt Arndt, verfüge der FC Homburg, „obwohl er klein ist, seit jeher über eine vielschichtige, lebendige Fan-Szene. Wir müssen es schaffen, dass der Verein und sein Umfeld wieder eine Einheit werden, damit sich die einzelnen Fraktionen nicht als Gegner betrachten.“ Aber wie steht es nun um die Ostermann-Klausel? Hindert dieser alte Passus in der Satzung den Verein tatsächlich am Aufbau professioneller Strukturen? „Ich kann Ihnen versichern, dass diese Klausel für den FC Homburg weder Bürde noch Last ist“, beteuerte gestern auf Anfrage Peter Müller, Firmensprecher der Saarbrücker Victors-Unternehmensgruppe. Sein Chef Hartmut Ostermann kümmere sich schon seit Langem „überhaupt nicht mehr um diese Angelegenheit“. Im Namen seines Brötchengebers legte Müller Wert auf die Feststellung, dass Ostermann auf den FC Homburg „keinerlei Beeinflussung mehr“ ausübe. „Im Gegenteil: Er steht ihm wohlwollend gegenüber.“ Müller, der von 2010 bis 2012 selbst Präsident des FCH war, sagte gestern gegenüber der RHEINPFALZ zu, mit dem zurzeit abwesenden Victors-Hausjuristen nach dessen Rückkehr über die FCH-Satzungsänderung zu reden. Der Jurist, so sagt Müller, habe am 4. Februar 2016 wegen eines kurzfristigen anderen Termins die FCH-Generalversammlung nicht besuchen können. Dass die Victors Bau & Wert GmbH die Streichung der Ostermann-Klausel seither nicht ratifiziert hat, spiele keine geschäftliche Rolle. „Wie gesagt, mein Chef kümmert sich da überhaupt nicht drum. Als ich selbst noch an der Spitze des Vereins stand, hat mir Hartmut Ostermann nicht reingeredet, und heute macht er das beim FCH erst recht nicht mehr.“ Dass sich der damalige Sponsor seinerzeit derart weitreichende Rechte sicherte, liege daran, dass sich der FCH um das Jahr 1999 „eine Insolvenz-Satzung“ gegeben habe. Peter Müller: „Dieses Dokument war Teil von Hilfskonstruktionen, die dem damals insolventen Verein finanziell wieder auf die Beine geholfen haben.“ Dies ändere aber nichts daran, dass die Klausel aus der Satzung verschwinden müsse, betont Michael Arndt: „Von meinem Fenster in der Unteren Allee aus kann ich die Flutlichtmasten des Waldstadions gut sehen. Solange ich diese Aussicht habe, will ich den FC Homburg unterstützen und den Verantwortlichen, wenn nötig, auf die Füße treten. Das Leben ist zu kurz für schlechten Fußball.“

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