Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Lautertal-Umgehung: Stärkung der Bahnstrecke als Alternative noch kein Thema

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Ortsdurchfahrten sind oft Nadelöhre für den Verkehr, vor allem für Pendler, während Anwohner vom Lärm und Gestank der Fahrzeuge genervt sind. Umgehungsstraßen sorgen oft für Abhilfe – auch um Katzweiler, Hirschhorn und Sulzbachtal soll dies die Lösung sein, sind sich die Gemeinderäte größtenteils einig. Doch ist der Ausbau der Straße angesichts des Klimawandels noch zeitgemäß?

Ende Oktober trafen sich die Gemeinderäte von Katzweiler, Hirschhorn und Sulzbachtal, moderiert von Verbandsbürgermeister Harald Westrich (SPD), um über eine gemeinsame Umgehung zu beraten. Das einhellige Votum – mit einer Ausnahme – lautete: Wir wollen eine Umgehung. Eine Alternative, der Ausbau der Schiene, wurde lediglich von einer Teilnehmerin – von Sulzbachtals Beigeordneter Claudia Niggemann – ins Gespräch gebracht.

Ist dies wirklich so unrealistisch? Westrich sieht zwar auch Nachteile, vor allem für die Natur, doch für ihn überwiegen die Vorteile einer Umgehung. „Als der Landesbetrieb Mobilität vor neun Jahren eine Prognose herausgegeben hat, die besagte, dass der Pkw- und Lkw-Verkehr in zehn Jahren um rund zehn Prozent steigen wird, habe ich das bezweifelt – aber es hat sich bewahrheitet.“ Und laut Gemeinde- und Städtebund werde der Verkehr weiter zunehmen.

Zehn bis 30 Jahre soll es dauern

Im Vergleich zur Vorderpfalz ist laut Westrich die Infrastruktur in der Westpfalz schlechter ausgebaut und deswegen die Region weniger attraktiv. „Pendler haben längere Fahrzeiten, Firmen einen Wettbewerbsnachteil wegen langer Anfahrten zu Autobahnen.“

Die derzeit angedachte Umgehung würde vom IG Nord um den Kühbörncheshof herumführen und dann, nach einem Tunnel, an die B 270 bei Sulzbachtal anschließen. In einem Vorgespräch mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) wurden Westrich „Chancen für eine Umgehung der B 270“ zugesprochen. Damit sei aber erst in zehn bis 30 Jahren zu rechnen.

Ehe man über einen zweiten Schienenstrang der Lautertalbahn nachdenken könne, müsse man erst mal die eingleisige Strecke in Ordnung bringen, meint Westrich. „Die immer noch unbeschrankten Bahnübergänge und Gleisverwerfungen im Sommer machen die Strecke zu langsam.“ Wenn dies erledigt sei, sehe man, ob der Bahnverkehr zunehme, und dann könne man im nächsten Schritt eventuell ans zweite Gleis gehen.

Grünensprecher wundert sich über Zustimmung

Andreas Markus, Sprecher der Grünen in der VG Otterbach-Otterberg, hat sich über die breite Zustimmung zur Umgehung gewundert. Er ist überzeugt, dass sich die Mobilität ändert: Erstens werde der Druck durch den Klimawandel zu groß, zweitens werde es nicht mehr so viel Geld für die Straße geben. „Die Gelder werden umgeschichtet werden: Mittel, die bisher für den Neubau zur Verfügung standen, werden in die Schiene gesteckt.“

Zudem nehme die Belastung in den Orten ab durch vermehrte E-Autos, die geräuscharm und emissionsfrei fahren, argumentiert Markus. „Außerdem muss die Maut auf Bundesstraßen für Schwerlastverkehr erhöht werden, damit jene auf den Autobahnen fahren.“

Gütertransport gilt es zu verändern

Dem hohen Gütertransport müsse man entgegenwirken, indem man einerseits das Bewusstsein für regionale Produkte stärkt und damit die Anzahl an Transporten verringert, andererseits Waren auf die Schiene verlagert.

Dass für den Schienenausbau künftig mehr Mittel bereitstehen werden, sieht Markus angesichts des Klimawandels als unvermeidbar an. „Wirklich zukunftsweisend wären Busverbindungen und sichere Radwege zu den Bahnhöfen im Lautertal.“

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