Rheinpfalz Laufen für den Frieden
«Mannheim.» Mit einem Staffellauf quer durch Deutschland wollen Friedensaktivisten auf Rüstungsexporte aufmerksam machen. Am Donnerstagabend haben die Läufer, Geher und Radfahrer auf dem Weg nach Berlin in Mannheim Zwischenstation gemacht. Gestern ging die Aktion weiter.
„Unser Ziel ist es, Rüstungsexporte zu verbieten“, sagt Otto Reger vom Friedensplenum Mannheim. Er organisiert den Empfang der Teilnehmer auf dem Alten Messplatz, dritter Etappenort des 14-tägigen Marschs nach Berlin. „Es ist eine gemeinsame Kampfansage gegen Rüstungsexporte“, betont er. Unterstützt wird die Aktion von SPD, Grünen und Linken sowie Gewerkschaften und weiteren Organisationen wie dem Bündnis „Mannheim sagt Ja“ oder Amnesty International. Auf dem kleinen Friedensmarktplatz sind deutlich mehr Demonstranten als Sportler auf der Strecke. Für Musik auf einer kleinen Bühne ist ebenfalls gesorgt: „Krieg ist shit – Mach nicht mit!“ ist da zum Beispiel zu hören. Mannheim habe eine traurige Rüstungstradition, sagt Reger. Und das nicht alleine, weil mit den Coleman-Baracks einer der größten Umschlagplätze amerikanischer Kriegsgeräte auf europäischem Boden hier liege. „Daimler hat zwar seine Flugzeugsparte verkauft, produziert aber nach wie vor Militär-Lkw. Außerdem liegt hier ein Ausbildungszentrum der Bundeswehr und im Juli wird der Tag der Bundeswehr hier gefeiert“, zählte der Aktivist weitere gute Gründe auf, warum die Friedensbewegung ihr Augenmerk auf Mannheim richtet. „Diese Region ist ein Mitverursacher von großem Leid“, unterstreicht Mit-Organisator Helmut Lohrer. Allerdings ist „Frieden geht“ – so der offizielle Name der Stafette – kein Lauf für Sportler, obwohl auf den unterschiedlichen Tagesetappen auch Marathon- und Halbmarathon-Strecken im Angebot sind. „Es ist ein Lauf für den Frieden“, sagt Lohrer. Auch deshalb ging die Veranstaltung offensichtlich an den Rennbegeisterten der Region vorbei, quälten sich gerade einmal 22 Teilnehmer von Karlsruhe über Heidelberg nach Mannheim. „Ich bin mit der Bahn nach Ladenburg gefahren und von dort bis Mannheim mitgelaufen“, berichtet Tom Ayess aus Mannheim. Der junge Mann war auch beim Dämmermarathon am Start. „Ich bin an Politik interessiert und habe zufällig von dem Lauf mitbekommen. Deshalb habe ich mich angemeldet.“ Ähnliches gilt für seinen Freund Obada Alsyah, der ursprünglich aus Syrien stammt und mittlerweile in der Region heimisch geworden und bei SAP beschäftigt ist. „Ich war die ganze Strecke von Heidelberg mit dabei.“ Immerhin wollte auch er dabei sein, um Position gegen den Krieg zu beziehen. „Es ist ein Zeichen, dass die Politik sich stärker für den Frieden engagieren muss als bisher“, betont Mannheims Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb (SPD). Das sehen die Teilnehmer aus der gesamten Republik genauso. „Ich bin seit meiner Jugend für den Frieden engagiert und seit 20 Jahren mit auf der Straße“, sagt der 75-jährige Bernd Reißmann aus Dresden. Er will die gesamten 1200 Kilometer auf dem Fahrrad mitfahren, ist in jedem Jahr bei verschiedenen Veranstaltungen mit dabei, „weil es wichtig ist“, wie er herausstellt. Das wusste auch Freundlieb: Gestern Morgen ging es weiter nach Frankfurt. Auch dort werden die Kriegsgegner auf ihr Anliegen aufmerksam machen.