Rheinpfalz Kunden sehen schwarz ...

Statt wie sonst Schmuck und Computerzubehör ist hier nichts zu sehen, außer dem Hinweis, dass regional leben und regional einkau
Statt wie sonst Schmuck und Computerzubehör ist hier nichts zu sehen, außer dem Hinweis, dass regional leben und regional einkaufen wichtig seien, damit auch regional gearbeitet werden könne. Der Wirtschaftsförderkreis mit seiner Vorsitzenden Gepa Lorenz hat die Aktion initiiert.

Vorwiegend schwarz sahen gestern die Kunden, die durch die Haupteinkaufstraßen in Waldfischbach-Burgalben fuhren und liefen. 27 Mitglieder des Wirtschaftsförderkreises der Verbandsgemeinde – 26 in Waldfischbach-Burgalben, einer in Schmalenberg – haben ihre Schaufenster komplett mit schwarzem Vlies verhängt.

„Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, was wäre, wenn es keine Geschäfte mehr im Ort gäbe, wenn man nichts mehr hier einkaufen könnte“, nennt Vorsitzende Gepa Lorenz den Grund für die dreitägige Aktion. Schwarzes Vlies und das Banner des Wirtschaftsförderkreises, auf dem für „regional wohnen, regional arbeiten und regional einkaufen“ geworben wird, sind an den Schaufenstern zu sehen – und nicht wie sonst Schmuck, Computerzubehör, medizinischer Bedarf, Bekleidung, Bücher und Autos hinter den Glasscheiben.

Kunden haben Gesprächsbedarf

„Die ersten Reaktionen der Passanten sind so, wie wir uns das erhofft haben. Die Leute sind erstaunt und wurden oft nachdenklich“, berichtet Lorenz. Das bestätigt Ulrike Everling vom Schreibwarengeschäft/Buchhandlung Karibu. „Die Leute waren teils richtig erschrocken, hatten Angst, dass wir das Geschäft schließen“, berichtet sie. Der Gesprächsbedarf auf Kundenseite zur Aktion sei hoch. Die Reaktion, wenn die Aktion erklärt wird, sei in der Regel positiv. „Es ist wirklich gut, dass es hier noch Handel im Ort gibt“, sagt eine Kundin denn auch. Die Verhüllung der Schaufenster sei keine Aktion, die sich gegen den Einkauf im Internet richte. Den gebe es nun mal und das werde auch akzeptiert. „Aber es geht uns darum, dass die Kunden mal darüber nachdenken, was es bedeuten würde, wenn zum Beispiel nur noch im Internet eingekauft werden könnte“, so Lorenz. Die Entwicklung des Internethandels betreffe jedes der 80 Mitglieder des Wirtschaftsförderkreises. Früher sei vereinzelt mal ein Kunde zum Optiker gekommen und habe verlangt, die Augen zu vermessen, da er eine Brille brauche. Die habe er sich dann mit den Werten des Fachmanns im Internet kaufen wollen. Heute kämen schon zwei, drei Kunden täglich mit so einer absurden Idee zu den Optikern, nennt Lorenz ein Beispiel.

Nur mit Internet geht's nicht

Gäbe es nur noch das Internet, dann richte der Optiker vor Ort eben nicht schnell mal jemandem eine defekte Brille, es gäbe keinen Nachtdienst in der Region, bei dem man Notfall-Medizin abholen könne, es besorge niemand die passende Bluse, repariere eine streikende Heizung oder die tropfende Wasserleitung, es habe niemand das passende Buch sofort parat oder das fehlende Schulheft, es schaue niemand nach einem defekten Auto. Orte, in denen es keine Bäckereien und Metzgereien mehr gebe und auch sonst keine Möglichkeit einzukaufen, „gibt es ja schon zur Genüge“, bedauert Lorenz. Gerade hat, wie berichtet, mit der Bäckerei Mendel auch in Waldfischbach-Burgalben die letzte Bäckerei geschlossen, die noch vor Ort gebacken hat. Mit der Aufgabe jedes Geschäfts gehe ein Stück Lebensqualität verloren, steht für Lorenz fest. Die Menschen sollten sich fragen, ob sie auf Dauer so wohnen wollten, ohne Geschäfte, Restaurants und Handwerksbetriebe.

Fachmann vor Ort

„Wir wollen mit dieser Aktion den Menschen vor Ort zeigen, was sie noch an Vielfalt im Ort haben, dass es hier ein kompetentes Angebot unserer Mitglieder gibt“, sagt Lorenz. Wenn eine Leistung gefordert sei, „dann wollen wir, dass die Leute überlegen, ob sie diese Leistung nicht auch vor Ort kriegen. In ganz vielen Fällen sogar zum gleichen Preis wie im Internet. Und natürlich können sie uns als Händler vor Ort auch gerne herausfordern.“ Gehe es um Fragen, Service und Hilfestellungen, sei der Fachmann vor Ort ein wichtiger Ansprechpartner. „Ganz ehrlich, da geht es doch auch um die soziale Komponente, das Miteinander, das kleine persönliche Gespräch beim Einkauf, das es im Internet nicht gibt“, unterstreicht Lorenz. Weitere wichtige Faktoren seien mit einer funktionierenden Geschäftswelt im Ort verbunden. „Das Internet zahlt hier keine Gewerbesteuer“, so die Vorsitzende. Über 700 Arbeits- und Ausbildungsplätze stellten die Mitgliedsbetriebe im Wirtschaftsförderkreis bereit. „Auch das wäre weg. Es gäbe dann auch keine Praktikumsplätze mehr für Schüler“, erläutert sie. Spenden an Vereine oder Mittel, um das Kulturprogramm oder das Bruchwissefeschd mitzufinanzieren, „kommen vom Wirtschaftsförderkreis, von unseren Mitgliedsfirmen, aber sicher nicht vom Internet“, erklärt Lorenz.

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