Rheinpfalz Klettern bei Frischluft am Kunstfelsen

Mehr als 400 kommerzielle Kletterhallen gibt es in Deutschland, zuletzt kamen jährlich mindestens zehn neue hinzu. Deutschland ist Europas Indoor-Kletterland Nummer 1. Die Konkurrenz tut sich nicht weh, denn die Nachfrage wächst mit der Zahl der Seilkletterer und Boulderer. „Unsere Kasse sagt, wir hatten vergangenes Jahr 35.000 Kunden. Wobei Gruppen nur als ein Kunde registriert wurden. Praktisch hatten wir wahrscheinlich sogar 40.000“, sagt Eckhard Carbon vom Camp 4 am Flughafen. Gerade lässt er anbauen – diesmal draußen.
Gut 100.000 Euro wird die Neuheit, die die kletterbare Nutzfläche des Freizeitcenters um 150 Quadratmeter auf 1400 Quadratmeter vergrößert, kosten. An einer hinteren Außenwand des ehemaligen Kinos der US-Airbase werden in den Tagen an einer Holzkonstruktion von einer Spezialfirma in Frankfurt gefertigte Boulderelemente montiert. Die Außenanlage wird Regen geschützt überdacht, bleibt aber an zwei Seiten offen. „Gerade für den Sommer wird das ein tolles Angebot. Wir denken noch daran, einen Grillplatz einzurichten, die Außenanlage zu begrünen“, sagt Eckhard Carbon. 2003 eröffnet, 2008 gekauft, haben Carbon und seine mittlerweile elf Mitarbeiter – drei in Festanstellung – die Kletterhalle zu einer der größten im Südwesten ausgebaut. 2008 kam zur die Höhe des ehemaligen Vorführraums nutzenden, 800 Quadratmeter großen Seilkletterhalle eine 450 Quadratmeter große Boulderhalle hinzu. Bouldern ist freies Klettern ohne Seil und Gurtsicherung in Griffhöhe. Der Boden ist mit Matten ausgelegt. Unterschiedliche Griffe, Felsvorsprüngen und Spalten nachgebildet, sind an die Wände geschraubt. Größe, Form und Lage der „Boulder“ machen die Schwierigkeit aus. In fünf unterschiedlichen Graden. „Vom Anfänger bis zum Leistungssportler findet sich für jeden etwas“, sagt Mathias Conrad. Der Dritte der letztjährigen deutschen Meisterschaft, Nationalmannschaftsmitglied und selbst rheinland-pfälzischer Landestrainer, ist einer der Festangestellten im Camp 4, Chef-Routenbauer und, wie Eckhard Carbon ihn vorstellt, „unser sportlicher Leiter“. Die neue Außenanlage hat er mitkonzipiert. Dreiviertel der Camp-Kundschaft kommt aus einem Einzugsgebiet von einer Stunde Fahrzeit. Unverändert, obwohl zu den etablierten Hallen in Frankenthal und Saarbrücken neue in Dudweiler, St. Wendel, Kaiserslautern und Landau hinzukamen. Dadurch, sagt Carbon, habe es einen gewissen Austausch im Publikum gegeben. Weil der Markt aber insgesamt wachse, sei genügend Raum für neue Anbieter. Als eine der ältesten Hallen, dürfe man halt nicht stehenbleiben, müsse auch immer mal was Neues anbieten. „Wir haben neben der eigentlichen Boulderhalle einen Bereich für Kinder ausgebaut“. sagt Mathias Conrad. Eine Erwägung sei gewesen, ein Sauna-Angebot zu machen. „Aktuell haben wir uns aber entschieden, uns auf das Kerngeschäft, das Klettern, zu konzentrieren. Wir werden auch kein Fitness-Center werden“, ergänzt Eckhard Carbon. Mit der Außen-Boulderanlage setze man nun einen Akzent. Und auch ein Signal. 2016 will man eine Station des deutschen Jugend-Bouldercups werden, in die nationale Sportszene einsteigen. Die neue Außenanlage schaffe die Voraussetzungen dafür. 2003 hatte Carbon das Camp 4 aufgeschlagen, damals mit einer Ausnahmegenehmigung des Flächennutzungsplans. 2008 erlangte die Freizeiteinrichtung, die viel von Firmen, Schulen und Therapieeinrichtungen genutzt wird, Bestandsschutz. In den jetzt zwölf Jahren habe man sich dynamisch entwickelt. „Meinem ursprünglichen Businessplan lag eine Kalkulation mit 30 bis 40 Kunden am Tag zugrunde“, sagt der Hallenchef. Das wären dann im Ganzjahresbetrieb 14.000 Zahlende gewesen. Mehr als doppelt so viel pressen sich heute an die Wände. Franzosen machen zehn Prozent davon aus. Wenn das Wetter die Montagearbeiten an Camp 4 wie geplant zulässt, soll im März die neue Boulderfläche in Zweibrücken freigegeben werden. (cps/Fotos Steinmetz)