Kultur Südpfalz Keine Nutella aufs Brot
„Gib das Brot des Lebens – bewahre das Versprechen“: Die Herxheimer Laurentius Brotweihe, die sich heuer zum 350. Mal jährt, wurde mit einem Festprogramms gefeiert. Zu der Premiere des Herxheimer Dorftheaters am Samstag war die Festhalle mit mehr als 500 Menschen voll besetzt.
„Wenn Hunger und Pest ein Ende nehmen, wollen wir für jedes Jahr nach der Ernte das Erstlingsbrot weihen lassen (...), zum ,Finsterloch’ fahren und es dort an unsere Wohltäter verteilen!“: Seit 1666 hält sich Herxheim an das Gelübde aus der Pestzeit. Damals hatten die überwiegend evangelischen Nachbardörfer Ottersheim, Bellheim, Knittelsheim und Offenbach die Bevölkerung des katholischen Herxheims während der Pestzeit durch Brotspenden vor dem Hungerstod gerettet. Am Laurentiustag, dem 14. August, halten sich die Herxheimer an dieses Versprechen und bringen Brote an die Gemarkungsgrenze am sogenannten Finsterloch. Diese besondere Tradition wurde am Wochenende mit einem Festakt begangen. Das Publikum wurde anhand von zehn Theater-, Film- und Musiksequenzen in die historische Zeit versetzt. 31 Schauspieler waren mit „Laib und Seele“ dabei und füllten dieses einmalige Ritual mit Leben, die jüngste darunter war ein neunjähriges Mädchen. Viele der Darsteller waren Bühnenneulinge und zeigten richtig großes Theater. Die Zuschauer lernten, dass man die Ehrenschuld persönlich bringen soll, das heißt man muss das Brot selbst auf den Wagen legen. Mit Andacht sein Brot zu essen, bedeutet, auch wenn es schwer fällt, auf Senf, Maggi und Nutella zu verzichten – pur muss es verzehrt werden. Welch ein Stress für die Herxheimer Bäckereien damals wie heute. Urlaub gab und gibt es immer erst danach. Auch werden die Herxheimer gewarnt: Sollten sie die Brotweihe ausfallen lassen, folgt Gottes Strafe auf den Fuß. Diese Erfahrung wurde bereits im Jahr 1792 gemacht. Als das Gelübde gebrochen wurde, vernichtete ein Unwetter zwei Drittel der Ernte. Einer der Höhepunkte des Abends war die Dokumentation „Geteiltes Brot – neue Begegnungen mit einer alten Tradition“ von Filip Felix. Der Kurzfilm sorgte für große Erheiterung und brachte zum Ausdruck, dass gerade in unserer heutigen Zeit diese alte Tradition, das Teilen mit anderen, wichtig ist. Eineinhalb Jahre hatte die Projektgruppe bestehend aus Ben Hergl, Thomas Kölsch, Pete Allmann, Sabine Bullinger, Sabine Kuntz, Christa Müller, Pfarrer Arno Vogt und Wolfgang Pulvermacher nach einem „Anstoß“ von Pfarrer Vogt gebraucht, um das Projekt „Die wundersame Brotvermehrung – 350 Jahre Brotweihe in Herxheim“ auf die Beine zu stellen. Die für diesen Abend extra „zusammengewürfelte“ sechsköpfige junge Musikgruppe um Pete Allmann sorgte mit Kirchenliedern und eigenen Kompositionen für eine ganz besondere Stimmung. Noah Allmann hatte viele Lieder aus Songteilen (so aus Orffs Carmina Burana oder Lloyd Webbers Jesus Christ Superstar) selbst zusammengestellt und alte Kirchenlieder aufgepeppt. Beeindruckend war das eigens für dieses Festprogramm komponierte Lied „Aus alten und neuen Tagen“ mit dem Text von Rosa Tritschler und der Musik von Pete Allmann. Die Kostümgruppe unter der Leitung von Sabine Bullinger hatte die 66 Rollen mit viel Liebe zum Detail kostümiert. Das von allen Beteiligten leidenschaftlich gesungene Abschlusslied „Dona Panis Vitae - Promissum Serva“ riss das Publikum mit. Der nicht enden wollende Applaus zum Abschluss und die große Bürgerbeteiligung verdeutlichte die Wertschätzung der Menschen für diesen ganz besonderen Festakt und zeigte, dass die alte Herxheimer Tradition in den Menschen noch immer gelebt wird. Alles in allem war es eine runde Sache. Zum Abschluss konnten noch ganz frisch gebackene Brote aus dem Backheisel des Kerner-Bäckers erworben werden. |aiß