Kultur Südpfalz
Karlsruhe: Autor Markus Orths über seinen Roman „Picknick im Dunkeln“
Die Geschichte, die sich der Karlsruher Schriftsteller Markus Orths da ausgedacht hat, klingt schon ziemlich schräg. In einer finsteren Röhre, die sich als das Reich zwischen Leben und Tod begreifen lässt, treffen zwei Männer aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Stan Laurel (1890-1965) stolpert über dem massigen Körper von Thomas von Aquin (um 1225-1274).
Zwei Pole: Hier der legendäre Komiker, der die Leute immer zum Lachen bringen wollte, dort der Dominikaner, einer der einflussreichsten Philosophen und der bedeutendste katholische Theologe der Geschichte, der als Fünfjähriger mit dem Eintritt ins Kloster das Lachen an der Pforte abgab. Im Zug der gemeinsamen Seelenwanderung entwickeln sich witzige wie nachdenklich stimmende Dialoge, die dann in das titelgebende „Picknick im Dunkeln“ münden.
Orths sitzt im Café Max im Prinz-Max-Palais und betont, er habe nichts erzählen wollen, „was irgendeiner Wahrheit nahe kommt“, es sei wirklich pure Fantasie. Er habe mal eine vage Idee einer „teuflischen Komödie“ gehabt, die dann aber verworfen. Aber daraus sei die Überlegung mit dem schon immer geschätzten Stan als Führer durch die Dunkelheit geworden. Nur: Wer sollte ihm als Weggenosse beigegeben werden? Die Eingebung für Thomas von Aquin sei so etwas wie ein Geschenk gewesen.
Der Roman sei keinesfalls ein philosophisches Buch. Inhaltlich laufe es auf das Gegensatzpaar Sinn und Unsinn hinaus. „Ich war immer schon der Meinung, dass die Fundamentalisten deshalb so brutal sind, weil ihnen der Humor fehlt.“ Allerdings: Das Buch berührt auch existenzielle Fragen – was geschieht eigentlich nach dem Tod?
Orths, 1969 am Niederrhein geboren und seit 23 Jahren wohnhaft in Karlsruhe, ist in einem religiösen Elternhaus aufgewachsen. Der Vater war Angestellter im Pfarrbüro. Nebenher schrieb er viele Kurzgeschichten, die häufig auch veröffentlicht wurden. Und so kritzelte auch schon der kleine Markus „Abreißzettel voll“, als Jugendlicher orientierte er sich an Karl May. Aber Schriftsteller werden? Das klang doch nach „brotloser Kunst“. Und so wurde er, der dem katholischen Milieu längst „abgeschworen“ hat, zunächst mal Gymnasiallehrer für Englisch und Französisch und kam so nach Baden-Württemberg.
Doch er schrieb auch weiter. Richtig Aufsehen erregte er 2003 mit seinem heftig diskutierten Roman „Lehrerzimmer“, der gewiss etwas von „Abrechnungstherapeutik“ gehabt habe, von manchen Ex-Kollegen aber auch als Trost empfunden worden sei. Da war er indes selbst schon nicht mehr im Schuldienst, sondern ganz und gar Schriftsteller.
Die Schreibarbeit folgt festen Regeln: Morgens spätestens ab 6 Uhr beginnt Orths, in der Regel in der Bibliothek des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) „ohne Ablenkung“. Er schreibt dann fünf bis sechs Stunden „sehr viel und sehr schnell“. Dann kommt unvermeidlich die harte Arbeit des Kürzens.
Der mit einer Lehrerin verheiratete Vater dreier schulpflichtiger Kinder weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, vom Schreiben leben zu können. Er empfinde das durchaus als Geschenk. Er habe sehr viel Glück gehabt, zumal er vom eher kleinen Frankfurter Schöffling-Verlag zu seinem „Traumverlag“ Hanser wechseln konnte. Immerhin: Nach all den Jahren guter Betreuung sei das kein leichter Abschied gewesen.
Orths ist fleißig: Er hat außer Romanen und Erzählungen auch Kinderbücher und Hörspiele verfasst. Er hatte Poetikdozenturen in Paderborn und Bamberg inne und betreut seit Langem deutschlandweit Schreibwerkstätten. Wenn es die Corona-Krise zulässt, will er auf Lesereise gehen mit seinem „Picknick im Dunkeln“. Der „bescheidenste Autor der Welt“ (so einer seiner Buchtitel) liest gerne vor. Schön sei, dass da „Leute kommen, die dafür auch noch bezahlen“.
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