Rheinpfalz
Jahresrückblick: Das ABC des Landkreises
Golden schimmert's hier und da: im Gebiss von Tigerdame Cara, im Sieger-Dorf Rumbach, beim Hotel Felsenland und der Verbandsgemeinde Dahn. Doch nicht überall ist eitel Sonnenschein: Einbrecher treiben ihr Unwesen, ein Rathaus-Neubau steht in der Kritik und ein roter Pumps am falschen Ort. Dunkle Wolken liegen über dem Rodalber Krankenhaus. Es geht um die Gesundheitsversorgung in der Südwestpfalz, aber auch um Arbeitsplätze.
A2 – so heißt eine Ausbauvariante für die B-10-Tunnel bei Annweiler. Der Ausbau der Bundesstraße kommt dem Nadelöhr immer näher. Inzwischen hat der Landesbetrieb Mobilität in Speyer verschiedene Varianten vorgelegt, mit denen er 2020 in die Vorplanung gehen will. A2 sieht eine weitere Tunnelröhre parallel zur bestehenden vor. In der alten Röhre würde der Verkehr Richtung Landau fließen, in der neuen in Richtung Pirmasens. Bis das soweit ist, kann es aber noch lange dauern: 20 bis 30 Jahre stehen im Raum.
Bademäntel im Kreistagssaal – das gab es 2019 wohl zum ersten Mal. Angeführt von Bürgermeister Felix Kupper reisten 35 in Bademäntel gewandete Vinninger mit einem eigens gecharterten Bus zur Kreisausschusssitzung. Mit der Aktion wollten sie die Werbetrommel für ihr Herzensprojekt rühren: Das Vinninger Schulschwimmbad – seit 2007 stillgelegt – soll wieder fit gemacht werden. Ob daraus was wird, ist angesichts horrender Kosten aber fraglich.
Chaotisch geht es 2019 immer wieder mal in Busenberg zu. Der Grund: Die Ortsdurchfahrt wird saniert und ist für den Verkehr gesperrt. Während die Arbeiten gut laufen, sorgen uneinsichtige Auto- und Lastwagenfahrer für Ärger. Die ignorieren mitunter die Umleitungen, landen mitten in der Baustelle, drohen sich beim Wenden festzufahren oder beschädigen gar die Anwesen von Anwohnern.
Diebe hätten fast den dritten Weltrekordversuch der Wallhalber Fußballer zunichte gemacht. Gegen das saarländische Winterbach haben die Kicker des „Thank God It’s Friday Event Clubs“ 168 Stunden Fußball gespielt. Alles wurde akribisch dokumentiert und auf einer externen Festplatte gespeichert. Doch eben diese Festplatte wurde dem Vater des Weltrekordversuches im Dauerfußballspielen, Dirk Stiwitz, geklaut. Zum Glück hatte die Firma Bechtle, die den Rekordversuch aufgezeichnet hatte, noch eine Sicherungskopie. Nun heißt es warten auf die Entscheidung von Guinness World Records Limited.
Einbrecher haben im Herbst ihr Unwesen im Wasgau getrieben. Immer wieder wurden Wohnhäuser aufgebrochen. Besonders schlimm erwischt hatte es aber den Fahrradladen von Kerstin und Tom Leidner in Bundenthal. Erst im September hatten die beiden den Radsportladen und sechs neue Ferienwohnungen eingeweiht. Ende November schlugen dann die Einbrecher zu: Über 20 Fahrräder im Wert von 200.000 Euro sind verschwunden.
Feierlaune herrschte im Juli in Rumbach. Als eines von acht Dörfern durfte sich das 430-Seelen-Dörfchen über die Goldmedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ freuen. „Rumbach hat sozusagen die Champions-League gewonnen“, sagte Landrätin Susanne Ganster, die der Gemeinde gratulierte.
Geduld brauchten Mitarbeiter einer Fachfirma Anfang des Jahres: Wochenlang ragte ein riesiger Kran neben dem Wrack des 2018 ausgebrannten Windrades zwischen Obersimten und Vinningen in die Höhe. Die Anlage, die nach einem technischen Defekt Feuer fing, sollte zurückgebaut werden. Doch das war gar nicht so einfach. Immer wieder mussten die gefährlichen Arbeiten verschoben werden. Der Grund: Es war zu windig – an einem Windradstandort nicht ungewöhnlich.
Handarbeit war im Januar für Mitarbeiter der Pfalzwerke angesagt. Nachdem der Strommast im Garten von Familie Günther in Trulben gebrannt hatte, wollte der Energieversorger mit schwerem Gerät die Kabel im Boden freilegen. Doch da legte Dorothea Günther ihr Veto ein. Unter dem Strauch beim Strommast vermutete sie nämlich Schildkröte Elfriede in ihrer Winterstarre. Schaufeln war also angesagt, um Elfriede nicht zu verletzen. Das Schwitzen hat sich gelohnt: Im Frühjahr krabbelte Elfriede putzmunter aus ihrem Versteck.
Investiert hat Hotelierfamilie Maus in ihr Hotel Pfalzblick in Dahn. Acht Millionen Euro flossen in Badeteich, neue Zimmer und Suiten sowie mehr Wellness. Beweis dafür, dass man im Dahner Felsenland gut Urlaub machen kann, ist auch der „Tourismuspreis Rheinland-Pfalz 2019“ für das Hotel Felsenland Resort. Platz eins in der Kategorie „Gastgeber des Jahres“ hat das Haus von Alois Ruppert belegt.
Jubiläen gab es im Landkreis gleich in mehreren Gemeinden zu feiern. Mit 650 Jahren konnte Schmalenberg auf die längste Ortsgeschichte zurückblicken. Und obwohl es die einzelnen Ortsteile schon deutlich länger gibt, feierten die Doppelgemeinden Rieschweiler-Mühlbach, Waldfischbach-Burgalben, Thaleischweiler-Fröschen und das vereinigte Weselberg erst ihre 50. Gefeiert wurde auch in Ludwigswinkel: der 300. Geburtstag von Dorfgründer Landgraf Ludwig.
Kein Abschied für immer soll es werden, wenn das Caritas-Altenzentrum Maria Rosenberg im ersten Quartal 2020 schließt. Den Bewohnern wurde angeboten, in das Caritas-Haus in Landstuhl umzuziehen. Das Gebäude in Waldfischbach-Burgalben soll saniert werden. Was die Caritas dort dann anbieten wird, ist noch offen. Der Bedarf an Betreuungsformen soll zusammen mit dem Landkreis und den umliegenden Gemeinden ermittelt werden.
Lost Places heißen vergessene Orte, die dem Verfall preisgegeben sind. Für genau so einen Ort dürfte wohl mancher Bahnreisende den Bahnhof Pirmasens-Nord halten. Doch das soll sich ändern. Bis 2022 will die Bahn die Bahnsteige umbauen. Das Bahnhofsgebäude samt Gelände haben die angrenzenden Verbandsgemeinden und der Kreis im September gekauft. Sie wollen das Areal herausputzen. Eine Mobilitätszentrale und ein Anlaufpunkt für Touristen könnten dort entstehen.
Massive Kritik gibt es an den Kosten für den Rathausneubau in Thaleischweiler-Fröschen. 5,3 Millionen Euro standen zunächst im Raum. Die erste Kostenschätzung, die im September im VG-Rat vorgestellt wurde, ergab 7,8 Millionen Euro. Das muss nicht sein, findet eine Bürgerinitiative, der auch der ehemalige VG-Bürgermeister Wallhalbens angehört. Das dortige Verwaltungsgebäude soll komplett ausgelastet, in Thaleischweiler günstiger gebaut werden. Sammelt die Initiative genug Unterschriften, steht ein Bürgerbegehren an.
NPD-Treffen in der Gaststätte „Zum Jungfernsprung“? Das befürchteten die Dahner als bekannt wurde, dass der saarländische NPD-Vorsitzende Peter Marx das Gebäude kaufen will. Marx winkte ab: Er plane keine Parteiveranstaltungen. Rittermahl, Schlachtfeste und Pfälzer Heimatabende soll es geben. Der Stadtrat wollte sich darauf nicht verlassen, die Stadt kaufte die ehemalige Gaststätte selbst. Die katholische öffentliche Bücherei soll nun einziehen.
Obsolet ist inzwischen der Windelsack im Kreis. Der war bei der Einführung des neuen Müllkonzeptes 2015 nach einem Proteststurm angeboten worden. Benutzt wird er aber inzwischen immer seltener. Daher können sich die Landkreisbewohner wohl mit der Abschaffung anfreunden. Zumindest blieb der große Aufschrei der Entrüstung aus, als Landrätin Ganster das Windelsack-Ende verkündete. Vielleicht grämen sich die Südwestpfälzer auch mehr über die steigenden Abfallgebühren.
Pumps, genauer: überdimensionale, rote Pumps, beschäftigten 2019 die Hauensteiner und Pirmasenser Kommunalpolitik. Die Modelle roter Damenschuhe sollen den geplanten Hauensteiner Schuhweg schmücken, wogegen sich die Planer der Pirmasenser Schuhstadt wehrten. Ziert deren geschütztes Logo doch ebenfalls ein roter Pumps. Kaum war diese Kuh vom Eis, gab es neues Ungemach. Der Pumps, den die Hauensteiner werbewirksam an der Einfahrt zur B10 postiert hatten, musste weg. Zu gefährlich, meinte der Landesbetrieb Mobilität. Insbesondere, wenn Verkehrsteilnehmer Bilder davon machen. Letzteres spricht zumindest für den Werbeeffekt des Schuhs, der nun umziehen muss.
Qualität hat das Dahner Felsenland in Sachen Wandern bewiesen. Seit Anfang des Jahres trägt es daher den Titel Premium-Wanderregion. Damit spielen die Dahner in der Liga der Besten mit: fünf Premium-Wanderregionen gibt es in Deutschland. Das Dahner Felsenland ist die erste in der Pfalz.
Rettung oder Ruin – dazwischen schwebt derzeit das Rodalben St. Elisabeth-Krankenhaus. Im September wurde bekannt, dass sich der aktuelle Betreiber, die Marienhaus-Gruppe, zurückzieht. Ein neuer Träger und Fusionspartner wird gesucht. Das Westpfalzklinikum Kaiserslautern, das Nardiniklinikum in Zweibrücken und Landstuhl sowie das Städtische Krankenhaus Pirmasens waren im Gespräch. Aus drei mach eins hieß es inzwischen. Zunächst verhandeln Pirmasens und Rodalben miteinander. Immerhin: Staatssekretär Alexander Wilhelm, der die Gespräche moderiert, sieht die Sondierung auf einem guten Weg.
Schläge auf den Hinterkopf soll eine Lehrkraft an der Busenberger Grundschule an Kinder verteilt haben. Im Februar hatten Eltern Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Ende Dezember teilte die Staatsanwaltschaft mit, das Verfahren gegen die Lehrkraft sei gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden.
Trockenheit und Erntemaschinen im Dauereinsatz sind eine gefährliche Mischung. Immer wieder gingen im Sommer Felder und Mähdrescher in Flammen auf. Die Feuerwehren – vor allem die der Sickingerhöhe – hatten alle Hände voll zu tun. Bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad war das ein Knochenjob.
Unendlich scheint die Geschichte der missglückten Sanierung des Hensel’schen Anwesens in Heltersberg. Derzeit beschäftigt das Projekt das Landgericht Zweibrücken. Das Heltersberger Planungsbüro ISA, das Planung und Bau verantwortete, will 500.000 Euro für erbrachte Leistungen von der Gemeinde. Die waren gar nicht in diesem Umfang in Auftrag gegeben, sagt die und will ihrerseits 471.000 Euro Schadensersatz vom Büro. Zur Zahlung eben dieser Summe an die Gemeinde wurde derweil der frühere Heltersberger Ortschef vom Verwaltungsgericht verurteilt. Ob er die 471.000 Euro alleine tragen muss, hängt unter anderem vom Ausgang des Verfahrens vorm Landgericht ab.
Verbrannte Gerippe sind alles, was vom ehemaligen Löwenfreigelände im Tivoli-Park bei Höheischweiler noch steht. Ende Juli war im ehemaligen Freizeitpark ein Feuer ausgebrochen. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot vor Ort.
Wellenrutsche und Lagune für Nichtschwimmer sollen 50 Prozent mehr Besucher ins Rodalber Freibad bringen. Die in die Jahre gekommene Biebermühle soll in ein Naturbad umgebaut werden. Dafür wollen die Planer eine „heilige Kuh“ schlachten: Der marode Sprungturm soll weichen. 3,2 Millionen Euro würde der Umbau kosten, der im November dem VG-Rat präsentiert wurde.
Zahngold und zwar ganz schön viel brauchte es im Oktober in der Tierauffangstation von Tierart in Maßweiler. Ein Expertenteam aus Dänemark und Österreich wurde eigens eingeflogen, um Tigerdame Cara unter Vollnarkose einen Fangzahn durch eine goldene Krone zu ersetzen. Ein Tiger mit Goldzahn? Ein weiteres Kapitel im durchaus ungewöhnlichen Leben der Tigerdame. Die wurde vor fünf Jahren bei der italienischen Mafia beschlagnahmt. Von daher passt es irgendwie: ein besonderer Zahn für einen besonderen Tiger.