Rheinpfalz „Immer und überall eine Gefahr“
Autofahrer, die dieses Schreckensszenario nicht schon selbst erlebt haben, haben es sich bestimmt schon einmal ausgemalt: Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich zwei leuchtende Augen vor einem auf der Straße auf – sei es ein Reh, ein Wildschwein oder ein Hirsch. Ungewöhnlich viele Schadensfälle mit Tieren hat die Lauterecker Polizei am vergangenen Mittwoch aufgenommen. Eines sollte man in einer brenzligen Situation auf jeden Fall niemals tun: Ausweichen.
Ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter: „Mit Wild ist immer und überall zu rechnen“, bekräftigt Arno Heeling, Leiter der Polizeiinspektion Lauterecken. „Wir können zu jeder Jahreszeit Konflikte mit Wildtieren im Straßenverkehr verzeichnen.“ Wobei es Schwerpunktzeiten am Morgen und am Abend gebe: „Das hängt auch mit dem Berufsverkehr zusammen“, so Heeling. Eine Auswertung der Unfallhäufigkeit nehme er nicht jeden Tag vor. Und dass sich gerade am vergangenen Mittwoch auffällig viele solcher Zwischenfälle ereignet hätten, sei reiner Zufall. Jedoch bestätigten diese Zahlen die Erkenntnis, dass sich Unfälle mit Tieren nicht auf bestimmte Tageszeiten beschränkten. Beispielsweise habe es auch in der darauffolgenden Nacht zwischen 2 und 3 Uhr auf der L 370 zwischen Rothselberg und der Bundesstraße einen Zusammenstoß mit einem Reh gegeben. „Drei bis vier Unfälle pro Tag sind leider zur Regelmäßigkeit geworden“, verdeutlicht Heeling. Neben direkten Unfallmeldungen gingen bei der Polizei zuweilen auch Benachrichtigungen über verletzte oder tote Tiere am Straßenrand ein, die zumindest auf einen Unfall hindeuteten. Auch innerhalb geschlossener Ortschaften sei eine Gefahr hinsichtlich kreuzender Wildtiere auf den Straßen nicht mehr vollkommen ausgeschlossen. Immer mehr Tiere näherten sich den Menschen und ihren Behausungen an. „Das heißt: Man sollte auch an gewissen Stellen innerorts mit einem Reh oder Wildschwein rechnen. Von Vorteil ist es natürlich, sich stets bewusst zu sein, was zu tun ist, falls plötzlich und unerwartet ein Tier auf die Straße läuft“, unterstreicht der Dienststellenleiter. Und obwohl Gefahrenquellen wie Kurvenreichtum oder Straßenglätte das Fahrverhalten zusätzlich erschwerten, kann Heeling allen Fahrern einen allgemeingültigen Rat geben, was die Fahrtechnik anbelangt: „Das gefährlichste, das man in einer solchen Situation tun kann, ist auszuweichen. Solche Manöver sind es, die zu den meisten Personenschäden führen.“ An Strecken, die für Wildunfälle prädestiniert sind, sogenannten Unfallhäufungslinien, sei mittels blauer Reflektoren am Straßenrand getestet worden, ob durch deren Einsatz die Unfallzahlen zurückgehen, doch eine nennenswerte Minderung habe es nicht gegeben. Als möglichen Grund dafür führt Heeling unter anderem die Vermehrung des Wildbestandes an: „Der Natur kann man schlecht entgegenwirken, auch wenn die Fahrer auf die Reflektoren reagieren.“ Und über kurz oder lang könne sich auch die Masse solcher Reflektoren als negativ erweisen: „Denn wenn diese blauen Anhängsel an sämtlichen Katzenaugen hängen, können sie zur Gewohnheit werden – genau wie die Katzenaugen selbst.“ „Wir sollten in jedem Fall nichts unversucht lassen“, betont Heeling weiter. „Verletzte oder gar Tote durch Wildunfälle sind um jeden Preis zu vermeiden.“ Deswegen initiiere die Lauterecker Polizeidienststelle ein baldiges Expertentreffen, zu dem sämtliche Gremien eingeladen werden sollen, die das Thema betrifft, unter anderem auch das Forstamt. „Möglicherweise ergibt sich aus dieser Zusammenkunft ja eine zündende technische Idee, die uns weiterbringt.“ |phj