Eisenberg Im Energiesparmodus durch die kalte Jahreszeit

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Im Winter zieht es die Menschen auf die Gipfel hinauf, wo Schnee liegt. Doch was die Menschen verzückt, könnte für die Wildtiere zum Problem werden. Nach Ansicht von Jägern und Förstern rund um den Donnersberg sind die hier vorkommenden Arten dem Leben in der kalten Jahreszeit zwar hervorragend angepasst, dennoch mahnen sie eindringlich zur notwendigen Rücksichtnahme auf die Tiere.

Auch wenn die Temperaturen derzeit eher ins Frühlingshafte tendieren, allgemein gilt der Winter für die freilebenden Tiere als Notzeit. Sie leiden nicht nur unter der Kälte, sondern auch unter dem knapper gewordenen Nahrungsangebot, wobei das oft unter der Schneedecke verborgen ist und erst freigescharrt werden muss. In dieser Situation verbeißt das Wild häufig auch Knospen und Triebe junger Bäume und Sträucher, Rot- und Muffelwild neigen daneben noch zum Schälen von Baumrinde. Das Bundesjagdgesetz sieht vor, dass der Schutz des Wildes vor Futternot zu den Aufgaben des Jagdschutzes gehört. Dennoch ist in Rheinland-Pfalz laut einer Verordnung aus dem Jahre 2005 das Füttern speziell von Schalenwild grundsätzlich verboten. Zum Schalenwild zählen alle Wildarten, deren Hufe als Schalen bezeichnet werden. Zu ihnen gehören im Donnersbergkreis das Reh- und Schwarzwild, das nur am Donnersberg selbst anzutreffende Muffelwild sowie ein kleiner Rotwildrestbestand im Bereich des Stumpfwaldes, der durch eine Grünbrücke über die A 6 mit der größeren Population im Pfälzerwald vernetzt ist. Die untere Jagdbehörde kann aber im Einvernehmen mit der zuständigen unteren Forstverwaltung auf Antrag eines Jagd-Ausübungsberechtigten bei besonderen Witterungsbedingungen die artgerechte Fütterung dieser Wildarten genehmigen. „Seit Bestehen der Verordnung hat noch niemand einen solchen Antrag bei uns gestellt“, sagt Kreisjagdmeister Klaus Weber. Da diese Vorschrift nichts aussagt über andere Wildarten, könne nach Ansicht des Verwaltungsfachmannes durchaus für Hase, Fasan und Rebhuhn geeignetes Futter ausgelegt werden, sofern sichergestellt ist, dass es von keiner Schalenwildart aufgenommen werden kann. Trotz des Fütterungsverbots kann dem Schalenwild aber auch auf legale Weise geholfen werden. Vor allem dann, wenn Jäger und Bauern zusammenarbeiten. So unterhalten Peter Scherne und Hans Graf, die Pächter des Winnweilerer Reviers Salzberg, zwei mit einer mehrjährigen speziellen Niederwildmischung eingesäte Waldwiesen, die von den Rehen gerne angenommen werden. Gleichzeitig überlässt Landwirt Michael Ritzmann vom Kahlheckerhof dem Wild mehrere Stilllegungsflächen am Waldrand zur Äsung. Diese Brachen werden lediglich einmal im Jahr gemulcht. Das in der warmen Jahreszeit eher einzelgängerische Rehwild zeigt sich jetzt häufig in größeren Gruppen auf den Raps- und Wintersaatäckern in den Tallagen. Solche sogenannte „Sprünge“ sind mit bis zu 35 Tieren gelegentlich zwischen Potzbach und Lohnsfeld zu sehen. Beim weiblichen Wild hat mittlerweile das Fötenwachstum eingesetzt und die Böcke „schieben“ ihr neues Gehörn. Es fällt auf, dass sich die Tiere nur wenig bewegen. Mitunter stehen sie längere Zeit regungslos in der Landschaft. „Neben dem dicken Winterhaar, welches sie vor übermäßigem Wärmeverlust schützt, gehört dieser Energiesparmodus zu ihrer Überlebensstrategie im Winter“, meint Weber. Der Herzschlag verringert sich und die Körpertemperatur sinkt. Auch der Stoffwechsel läuft auf Sparflamme: Der Verdauungstrakt wird kleiner, die Verdauung verlangsamt sich und der Bedarf an Nahrung geht zurück. Die Natur hat mit dieser Strategie das Wild gut an den winterlichen Nahrungsengpass angepasst, vorausgesetzt, die Tiere konnten sich im Herbst ein dickes Fettpolster und damit ausreichende Energiereserven anfressen. „Aufgrund des Klimawandels tragen mittlerweile die Eichen und Buchen in unseren Wäldern in immer kürzeren Abständen Mast. Durch die energiereichen Früchte dieser Bäume ist das Wild regelmäßig in einer guten Verfassung in die kalte Jahreszeit gekommen“, sagt der Kreisjagdmeister. Auch für Martin Teuber, Leiter des Forstreviers Dannenfels, ist Wildfütterung kein Thema: „Die strukturreiche Landschaft am Donnersberg mit eingestreuten Wiesen und zahlreichen Wald-, Feld- und Wegrändern bietet viel Begleitäsung für das Wild. Dadurch verträgt unser Wald auch eine deutlich höhere Wilddichte als etwa der Pfälzerwald.“ Da das Schalenwild keine natürlichen Feinde mehr hat, wäre die Winterfütterung ein weiterer Eingriff in die natürlichen Abläufe zum Nachteil einer jahreszeitlich bedingten Auslese, der durchaus einzelne schwache Tiere zum Opfer fallen können. Um den Wildtieren auch ohne Fütterung das Überleben im Winter zu erleichtern, rät Kreisjagdmeister Weber allen Spaziergängern, Joggern, Skiläufern und spielenden Kindern, unbedingt auf den Wegen zu bleiben, nicht querfeldein zu gehen und die Hunde anzuleinen. „Das Wild braucht jetzt vor allem Ruhe! Denn bei jeder Störung, auf die das Wild hochgeschreckt wird und mit Flucht reagiert, wird der Energiesparmodus unterbrochen und der reduzierte Stoffwechsel wieder hochgefahren. Diesen außerplanmäßigen Energieverbrauch müssen die Tiere durch zusätzliche Nahrungsaufnahme wieder ausgleichen“, erläutert Weber. Auch Förster Teuber kann ein Lied von derartigen Störungen singen: „Bei Schnee ist auf dem Donnersberg der Teufel los. Das Muffelwild versucht dann, in die tieferen Lagen auszuweichen, aber auch hier ist noch genug Rummel. Ich wäre schon zufrieden, wenn das Wild wenigstens in den Abend- und Nachtstunden seine Ruhe hätte.“

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