Kultur Südpfalz „Ich genieße meine Selbstständigkeit“

Am kommenden Sonntag um 17 Uhr haben Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe Premiere. Für Guido Jentjens, der die Basspartie von Papa Veit Pogner singt, der seine Tochter Eva als Preis auslobt, ist es eine Rückkehr zu einer vertrauten Stätte.

Jentjens war neun Spielzeiten lang am Badischen Staatstheater engagiert. „In Karlsruhe habe ich mit Rollen in Opern von Händel und Mozart angefangen und später meine ersten Wagner-Partien gesungen“, erzählt der Sänger. Inzwischen lebt er in Nürnberg. „Eine wunderschöne Stadt“, findet Jentjens. Was bringt einen Mann dazu, seine eigene Tochter als Hauptgewinn eines Wettbewerbs anzubieten? Bürgerstolz, sagt der Sänger, der eben diesen Mann in der Neuinszenierung von verkörpern wird. Deshalb kann er den Stolz Veit Pogners auf diese Stadt und die eigene Stellung darin nachvollziehen. Das Nürnberg in Wagners „Meistersingern“ ist eine reiche Handelsstadt, und die Zunftmeister spielen nicht nur stadtpolitisch eine wichtige Rolle, sie sehen sich als Kunstkenner. Sowohl der Goldschmied Veit Pogner als auch der Schuster Hans Sachs sind Mitglieder der erlauchten Gilde der Meistersinger, und so denkt Pogner natürlich, Eva und mit ihr sein gesamtes Erbe würden im Kreis dieser Meistersinger bleiben. Das Wettsingen soll lediglich aus diesem Zirkel den Besten herausfiltern. Doch als ein gewisser Walther von Stolzing auftaucht, der Eva im Sturm erobert und jenseits der Meistersingerregeln agiert, läuft Pogners Plan aus dem Ruder. Guido Jentjens hat den Pogner schon oft gesungen, auch in Bayreuth unter der Leitung von Christian Thielemann. „In Bayreuth war ich jünger als die Kollegin, die meine Tochter sang“, erzählt er. Nicht nur deshalb ist Bayreuth aus Sicht des Sängers etwas Spezielles. Alle nehmen Anteil an den Proben, und jeder Bühnentechniker erkennt sofort, wenn jemand einen falschen Ton gesungen hat, sagt Jentjens. Der ganze Raum und die eigens nach Wagners Wünschen eingerichtete Akustik seien etwas Besonderes. Thielemann habe während der Proben viel gefordert, in den Aufführungen die Sänger aber getragen. Und Wolfgang Wagner, den Guido Jentjens noch kennen gelernt hat, war in jeder Probe dabei und bereit, den Bürgermeister stehen zu lassen um sich um einen der Sänger zu kümmern. „Ich habe ihn sehr geschätzt“, sagt Jentjens. Guido Jentjens hat jede Basspartie der Wagner-Opern im Repertoire, und jede dieser Rollen stellt andere Anforderungen an den Sänger. Bei Pogner seien es die hohen Töne, die eine andere Körperspannung erfordern als Gurnemanz in „Parsifal“, den er derzeit in Innsbruck singt. Dafür müsse man sich bei Gurnemanz aufgrund der Dauer die Stimmreserven gut einteilen. Den typischen Wagner-Bass gäbe es nicht, das Spektrum reiche von Daland, fast eine Buffo-Partie, bis zu Landgraf Hermann im „Tannhäuser“, der in den Ensembleszenen die tiefen Töne mit enormer Tragkraft anreichern müsse damit im Gesamtklang die Akkorde stimmen, so Jentjens. Seine Liebe zum Gesang entdeckte Guido Jentjens in seiner ersten Musikstunde am Gymnasium. Der Lehrer spielte Bachs Magnificat vor und Guido Jentjens trat in den örtlichen Kirchenchor ein. Der Kantor war ein Studienkollege von Dietrich Fischer-Dieskau und organisierte große Chorkonzerte mit bekannten Solisten. Als Guido Jentjens 16 war, nahmen ihn Nachbarn mit nach Duisburg in die Oper. Gespielt wurde „Parsifal“ und Jentjens erwarb ein Opern-Abo. Dennoch begann er in Köln erst mal ein Jura-Studium bevor er Kontakte zur dortigen Musikhochschule knüpfte und entdeckte, dass Gesang ein Beruf sein kann. Nach 25 Jahren fester Engagements an verschiedenen Opernhäusern hat Jentjens vor sechs Monaten den Sprung in das Leben als freiberuflicher Sänger gewagt. „Ich genieße meine Selbstständigkeit. Es läuft gut und ich habe noch Zeit für ein Privatleben“, sagt der Sänger. Derzeit hat er in Karlsruhe viel Spaß mit den Kollegen bei den „Meistersinger“-Proben. (nl)

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