Rheinpfalz Holzkram vom Feinsten
MERZALBEN. Im Keller lagern Äpfel, Birnen, Kirschen und Mirabellen. Nein, nicht die Früchte, sondern das Holz der Bäume. Auch Rebholz aus der Vorderpfalz liegt dabei; ebenso Buchen-, Linden-, und Eichenstücke. Und wenn sich Matthias Ernst in seinem Hobbykeller aufhält, dann fliegen die Späne.
Aus der Fingerfertigkeit, der Kreativität und dem Ideenreichtum des Freizeit-Handwerkers entstehen kunstvolle, außergewöhnliche Unikate. Die kleinen Holzkunstwerke lassen nicht nur Kinderaugen leuchten. Für den gelernten Dreher war der Weg zum Hobbydrechsler „learnig by doing“. „Wenn ich abends heimkomme und bin durch den Wind, dann geh ich in meine Keller-Werkstatt. Wenn ich wieder hochkomme, bin ich entspannt wie andere, die sich auf die Couch gelegt haben,“ beschreibt den Wert, den seine schöpferischen Freizeitbeschäftigung für ihn hat. Der Spitzname des Ur-Merzalbers, der als Hausmeister bei der Verbandsgemeindeverwaltung angestellt ist, lautet „Schoo“. Was lag also für ihn näher, als seine Visitenkarte ähnlich zu bedrucken: „Schoo’s Holzkram, exklusive Schreibgeräte und Dekoartikel, aus heimischen Holzarten, Handarbeit“ steht darauf. Jeder weiß also Bescheid, es geht um „Holzkram“. Aber so schlicht, wie sich das liest, ist es bei weitem nicht. Bevor die filigrane, feinfühlige Drechslerarbeit beginnen kann, muss das dazu benötigte Holz her. Für Ernst war klar, es darf nur Holz aus der Heimat sein. Also ging er in den Garten und schnitt zunächst vom Apfelbaum Äste ab, später von anderen Obstbaumarten. Sein Freund Konrad Pross versorgt ihn mit Linden-, Buchen- und Eichenholz. Das Rebholz bringt sein Weinhändler aus der Vorderpfalz mit. Am besten bearbeite sich Lindenholz, was dann auch verständlicherweise sein Lieblingsmaterial ist. Dunkle Schachfiguren fertigt er aus Kirschholz, die hellen aus Linde. Die fein herausgearbeiteten Figuren sind edel und nichts für grobe Finger. Sie sind auch die Lieblingsstücke ihres Machers. Was bedeutet „exklusive Schreibgeräte“ auf der Visitenkarte? Zunächst wagte sich Matthias Ernst an Kugelschreiber heran. Waren sie anfangs etwas zu schlank, hat er den Schreibgeräten nun einen kleinen Holzbauch verpasst, so dass sie vorzüglich zum Benutzen in der Hand liegen. Nachdem sich diese Kulis unter seinen Freunden als „Renner“ erwiesen, dachte Ernst an die Fertigung eines Füllers. Wohlgemerkt: aus Holz. Der Holzfüller hat allein seines Materials wegen schon etwas Eigenes, wenn dann noch beim Schreiben die Tinte herausfließt, zeige sich der Kunde begeistert. „Wer hat schon so einen?“, lacht Matthias Ernst. Die Hohlräume herzustellen, seien die schwierigsten Herausforderungen, erklärt er. Auch bei Holzvasen oder ähnlichen Dekoartikeln sei das so. Wer dem Hobbydrechsler zuschaut, kann sich der Faszination dieser Handarbeit nicht verschließen. Über der Arbeitsplatte hängen Pläne mit genau festgelegten Maßen, an der Seite befinden sich bereits fertiggestellte Schablonen, in ungezählten Löchern stecken Klein- und Kleinstwerkzeuge, um die Feinheiten herauszuarbeiten. Ein Bunsenbrenner steht auf dem Boden. Der wird für das Flämmen zum Beispiel von Kerzenhaltern eingesetzt, gibt ihnen so den einen Pfiff. Um diesen letzten Schliff wirklich jeder Anfertigung mitzugeben, wird in zahlreichen Arbeitsschritten gestemmt, geraspelt und geschliffen. Es gehört sehr viel Übung und Geschick, aber auch Geduld dazu, um alle dekorativen Reize auf das Werkstück zu übertragen. Denn die kleinen Holzkunstwerke müssen millimetergenau ausgearbeitet werden, damit die richtige Wirkung erzielt wird. Was sich sehr schnell auch für den Laien nachvollziehen lässt. Beispielsweise beim Tischkegelspiel. Neun Kegel stehen auf ihren Platzhaltern, an einer Stange befindet sich ein im Kreis weitschwingender Hauptkegel. Je enger die Kreisbewegung wird, je näher er den aufgestellten Kegeln kommt, desto mehr fallen um. „Alle Neune habe ich noch nicht geschafft“, sagt der Schöpfer lachend. Seine neueste Idee: eine Holzkrawatte. Selbstverständlich tragbar. „Learning by doing“, so war vor eineinhalb Jahren der Einstieg für Matthias Ernst, als er durch Zufall Besitzer einer Drechselbank wurde. Damit erfüllte er sich einen nie ausgesprochenen Wunsch, nämlich „ebbes mit Holz herzuschdelle“. Diesen Wunsch hat er perfekt in die Tat umgesetzt. Sein zweites, ihm ebenso wichtiges Hobby ist das Singen. Ernst lässt seine Bassstimme bei den „Neecher Harmonists“ in Merzalben, beim Männergesangverein Leimen, bei den „Rock/Pop Voices“ in Donsieders und dem Chor der Volkshochschule in Pirmasens erklingen.