Leinsweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Hoch über Leinsweiler wurde Max Slevogt zum gefeierten Impressionisten

„Sommermorgen“ auf dem Slevogt-Wanderweg, rechts hinten der Slevogthof.
»Sommermorgen« auf dem Slevogt-Wanderweg, rechts hinten der Slevogthof.

Jeder Maler ist auf der Suche nach dem perfekten Licht. Van Gogh zog es in die Provence, Monet zu seinen Seerosen in Giverny, Soralla an die spanische Mittelmeerküste und Max Slevogt in den Pfälzerwald.

„Blühende Kirschbäume auf Neukastel“, die Max Slevogt schon 1898 mit schwungvollem Pinselstrich, ausladendem Duktus und lustvoller Leichtigkeit in Szene setzte, waren wohl die ersten Vorboten. Sie zeugen von einer Entwicklung, die den 1868 in Landshut geborenen Maler, Grafiker und Bühnenbildner zum „Maler des Lichts“ reifen ließ.

Vielleicht wäre der gebürtige Bayer ohne die satten und prallen Eindrücke seiner Südpfälzischen Wahlheimat ausschließlich der begnadete Zeichner, Grafiker und Bühnenmaler geblieben, der unter anderem für seine Faust- und Zauberflöten-Illustrationen berühmt wurde. Denn die ersten Jahre seines Künstlerlebens, für das der Halbwaise dank tatkräftiger Unterstützung seiner Mutter an der Münchener Akademie den Grundstock legte, hatten mit Landschaften nicht viel am Hut. Slevogt versuchte sich an Figurenkompositionen zu mythischen Themen, arbeitete in der gedeckten Farbigkeit Rembrandts und sorgte mit seinen kompromisslosen Ergebnissen für den einen („Danae“) oder anderen („Die Boxerschule“) Skandal, bevor er in der aufstrebenden Künstlerszene Berlins neben Lovis Corinth und Max Liebermann Fuß fasste.

Im Land von Lebensfreude und Sinneslust

Parallel zum quirligen Hauptstadtleben zog es ihn immer wieder in die ruhige Südpfalz, denn hier, in Godramstein war seine künftige Frau Nini Finkler zu Hause, und hier spürte er die Lebensfreude und Sinneslust, die auch in seiner Seele wohnten. So wurde das Hofgut Neukastel hoch über Leinsweiler, das er von den Finklers erwerben konnte, zu seinem Sommerrefugium, und die Wiesen, Weinberge und Wälder, Felsen und Burgen ringsum wurden zur Kulisse seiner Freiluftmalerei. Hier fand er die „Schöne Welt“, die sein Zeitgenosse und Kunstfreund Johannes Guthmann zum Buchtitel seiner Slevogt-Betrachtung machte – dezidiert mit der Anmerkung, dass der lebensfrohe Maestro dennoch „nie zum Pfälzer Heimatmaler domestiziert wurde“.

Was aber malte der deutschlandweit anerkannte Illustrator und Grafiker in der Südpfalz? Alles, was er um sich sah, zu allen Jahreszeiten, bei allen Wetterlagen, oft mit sich selbst und seiner Frau als Protagonisten, stets im Einklang mit einer berauschenden Natur, in der das Spiel von Licht und Schatten, die Bewegung von Wind und Wolken, der Geruch der Kiefern und des Weinlaubes als Augenblick emotionalen Erlebens wichtiger war, als die Detailtreue.

Wandern auf Slevogts Spuren

„Er hat, wie die französischen Impressionisten einst die Seine-Landschaft, die Pfalz zur ,Weltlandschaft’ erhoben. Seinen impressionistischen Malstil schärfte er in der Auseinandersetzung mit dem Licht im besonderen Klima dieser Region“, erläutert Slevogt-Expertin Sigrun Paas, die für das Land Rheinland-Pfalz den Nachlass des Künstlers unter anderem in der Slevogt-Galerie der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben einrichtete.

Aber auch rund um seinen einstigen Wohnort Neukastel, wo er 1932 starb und bis heute sein Grab ist, kann man auf Slevogts Spuren wandern – und das im wahrsten Sinn des Wortes. Die Gemeinde Leinsweiler hat ihren berühmten Adoptivsohn zum 150. Geburtstag mit einem Erlebnisweg gewürdigt, auf dem man nicht nur die Landschaft als allgemeine Kulisse für viele Gemälde erkunden, sondern auch konkrete Bezugspunkte erkennen kann. An 19 Stationen auf 9,3 Kilometern Länge zeigen große Schautafeln die berühmtesten Gemälde und ihre bekannten oder vermuteten Entstehungsorte.

Gleich die erste Station ist der Weinlese gewidmet

Unschwer bekommen dabei auch weniger kunstaffine Wanderer eine Ahnung davon, warum Slevogt als Maler des Lichts gilt, und was seine Bilder so besonders lebendig, kraftvoll und sinnlich macht. Gleich die erste Station, „Die Weinlese am Hämmelsberg“, die eine Herbstszene im Wingert unterhalb des Slevogthofs zeigt, ist erfüllt von einem hellen, warmen Gegenlicht, das die Erntehelferinnen umschmeichelt und eine wohlige Stimmung verbreitet.

Nur wenige Schritte entfernt wird man Augenzeuge eines perfekt entspannten Tages. Das Gemälde heißt „Sommermorgen – Frau mit Sonnenschirm“ und zeigt Nini, die junge Frau des Malers, auf der Wiese hinter dem Hofgut liegend beim Nichtstun. Die Arbeit entstand schon 1901, als sich der angehende deutsche Impressionist motivisch eindeutig an seinem französischen Malerkollegen Monet orientierte, und doch schon seine eigenen Bildsprache fand. Wieder ist es das sanft einfallende Licht, das der Szene einen ganz besonderen Reiz verleiht und – wie es im Begleittext heißt – „eine herrlich frische, lichtvolle Sommermorgenatmosphäre“ zaubert. Kein Wunder, dass sich der frühere französische Staatspräsident Francoise Mitterrand bei einem Besuch der Slevogtgalerie vom Original begeistert zeigte: Dieser Maler wusste noch das Glück festzuhalten“, soll er anerkennend parliert haben.

Schlittenpartie am Trifels

Natürlich hat Slevogt auch die landschaftlichen Höhepunkte wie die Madenburg, den „Slevogt-Fels“ und den Trifels (letzten sogar mit einer Schlittenpartie im Winter) verewigt. Meist aber waren ihm die reine Natur („Das Annweiler Tal“), eine Wetterlage („Gewittersturm im Frühherbst bei Neukastel“) oder die Selbstreflexion („Mann auf einem Waldweg) Grund genug, die Leinwand an Ort und Stelle aufzubauen und mit vehement-beherztem Pinselstrich die Stimmung und damit auch seine ganz private Gefühlslage einzufangen.

Info

Wandern auf dem Slevogtweg bei Leinsweiler: Start: Slevogthof. Strecke 9,3 Kilometer, Dauer 3 Stunden

„Mann auf einem Wanderweg“.
»Mann auf einem Wanderweg«.
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