Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Hier gab es was auf die Ohren: Knock Out Festival

Udo Dirkschneider in der Schwarzwaldhalle.
Udo Dirkschneider in der Schwarzwaldhalle.

Beim Knock Out Festival präsentierten sich auch diesmal wieder sechs Bands, die alle Facetten zeitgemäßer Rockmusik der härteren Gangart widerspiegelten.

Der Lohn: eine bis auf den letzten Platz ausverkaufte Schwarzwaldhalle und strahlende Gesichter von Fans, die aus Teilen Deutschlands in die Fächerstadt gekommen waren.

In der Anmoderation, die der Frontmann der Gruppe Eisbrecher, Alexander Wesselsky, übernommen hatte, stellte der Sänger richtig fest, dass es nicht darauf ankäme, ob man auf dem Plakat oben oder unten steht und ob man zu Beginn oder erst am Schluss des Events auftrete – wichtig sei nur, was die Band raus haue. Freedom Call, die den Anfang machten, hielten sich strikt daran. Die fränkischen „Happy Metaller“ sorgten mit ihren eingängigen Melodien vom ersten bis zum letzten Ton für tolle Partystimmung und kamen beim Publikum mit Hymnen wie „Union Of The Strong“ oder „Metal Is For Everyone“ hervorragend an. Der Beifall für das Quartett dauerte sogar noch an, als im Rücken der immer noch mit Verbeugungen beschäftigten Musiker bereits das Podest mit dem Schlagzeug der darauffolgenden Grave Digger hereingeschoben wurde. Die Kapelle um Sänger und Bandgründer Chris Boltendahl hatte ein Programm auf dem Plan stehen, das sich zu einhundert Prozent aus ihren Hits von vor der Jahrtausendwende zusammensetzte, und das, obwohl sie mit ihrem Album „Symbol of Eternity“ 2022 mit Position sieben die beste Chartplatzierung in ihrer seit 45 Jahren laufenden Karriere erreicht haben. Vermutlich, weil ihnen gerade mal 45 Minuten Spielzeit zur Verfügung standen, hatten sie sich aber für eine Art „Best of….“- Darbietung entschieden und ließen mit „Heavy Metal Breakdown“, „Under My Flag“ oder „Rebellion“ eine Erfolgsnummer nach der anderen vom Stapel. Im Anschluss gab es von Thundermother eine geballte Ladung Frauenpower zu erleben.

Sehens- und hörenswerte Show

Der Vierer aus Schweden zog eine sehens- und hörenswerte Show ab, bei der auch die Erotik nicht zu kurz kam, und rockte sich über eine Stunde lang durch Nummern wie „Can You Feel It“, „I Don’t Know You“ oder „Speaking Of The Devil“. Bewundernswert, wie Gitarristin Filippa Nässil trotz schwerer Fußverletzung, teils im Sitzen, einen einwandfreien Job ablieferte und mit so schönen Soli brillierte, dass sich Sängerin Linnéa Vikström genötigt fühlte, vor ihr niederzuknien und an ihrer Gitarre zu züngeln.

Die Skandinavierinnen machten es mit diesem gelungenen Gig dem nachfolgenden Axel Rudi Pell schwer, sich und seine Band ins rechte Licht zu rücken. Aber der Bochumer ist routiniert genug, um sich mit seinem Old-School-Hardrock auch in so einer Situation behaupten zu können. Er weiß, dass er neben seinem herausragenden Können als Gitarrist noch einen weiteren Trumpf im Ärmel hat: Sänger Johnny Gioeli nämlich, der mit einer Stimme gesegnet ist, über die nur wenige Menschen auf diesem Planeten verfügen. Er verzauberte besonders mit dem Titelsong des ersten Albums, das er 1998 zusammen mit Axel Rudi Pell herausbrachte, „Oceans Of Time“, seinem persönlichen ARP-Song „Fool Fool“ und dem Kracher „Strong As A Rock“, zu dem Pell in typischer Jimi Hendrix-Manier mit seiner Gitarre, unter Zuhilfenahme des Wah Wah-Pedals, ein göttliches Solo beisteuerte. Dass hinter ihm am Schlagzeug mit Bobby Rondinelli sogar der Ex-Schlagzeuger von Rainbow, Black Sabbath und Blue Oyster Cult trommelte, machte den Auftritt nur noch runder. Danach war schnelles Umgewöhnen gefordert, denn jetzt waren Eisbrecher an der Reihe. Mit Neuer Deutscher Härte und vielen Rammstein-Anleihen schafften es die Münchener, sich mit Nummern wie „Himmel, Arsch und Zwirn“ oder „Kaltfront“ Zutritt in die Gehörgänge der vor ihr versammelten Menge zu verschaffen. Mit Frank Herzig, normalerweise Sänger und Gitarrist der Gruppe Schattenmann, hatten Eisbrecher sogar einen „special guest“ dabei, mit dem Alexander Wesselsky „Auf die Zunge“ als Duett performte. Mit dem Megaherz-Cover „Miststück“ trugen Eisbrecher sogar den einzigen Song des gesamten Knock Outs vor, bei dem eine Akustikgitarre, gespielt von Jürgen Plangger, zum Einsatz kam. Schnell war aber wieder Schluss mit ruhigen Einlagen, denn nun war der Moment gekommen, den Headliner des Festivals, die Gruppe Dirkschneider, um den ehemaligen Frontmann von Accept, Udo Dirkschneider, auf die Bühne zu bitten.

Stücke aus glorreichen Tagen

Dirkschneider ist ein Projekt des Wuppertalers, bei dem er nur Stücke spielt, die er während seiner glorreichen Tage bei Accept aufgenommen hat. In Karlsruhe waren dies unter anderem Klassiker wie „Fast As Shark“, „Midnight Mover“ und alle Songs aus dem Erfolgsalbum „Balls To The Wall“. Müßig zu schreiben, dass er damit, dazu noch begleitet vom ehemaligen Accept-Bassisten Peter Baltes und seinem Sohn Sven am Schlagzeug, seiner Rolle als Knock Out Festival-Topact mehr als gerecht wurde.

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