Rheinpfalz Henne: „Es besteht ein großer Handlungsstau“

Menschlich sei die Reaktion von Roland Schumm (CDU) für sie nachvollziehbar, sagt Waldfischbach-Burgalbens Bürgermeisterin Anna Silvia Henne (SPD) nach dem Rücktritt des bisherigen ersten Beigeordneten. Aber seine Entscheidung stelle sie nun zum dritten Mal in ihrer Amtszeit vor die Herausforderung, sehr kurzfristig die Aufgaben des Beigeordneten übernehmen zu müssen. Kritik an Schumms Verhalten äußert SPD-Ratsmitglied Andreas Peiser.
Vor Schumm hatten bereits Jörg Prokein und Christian Weidler jeweils ihr Amt als erste Beigeordnete zur Verfügung gestellt. Schumm habe aus seinem Wahlergebnis – er erreichte nicht die Stichwahl ums Bürgermeisteramt – „die Schlussfolgerung gezogen, dass sich seine Arbeit für die Gemeinde nicht in einem angemessenen Wahlerfolg widerspiegelt, zum anderen lässt der Schritt vermuten, dass er auch künftig das Amt des ersten Beigeordneten nicht mehr anstreben wird“, sagt Henne. Für die Gemeinde sei das eine schwierige Situation, denn in Schumms Aufgabenbereich fiel unter anderem die Organisation des Bruchwiesenfestes. Es seien zwar dank engagierter Arbeit der Arbeitskreise der Vereine und des Bruchwiesenfest Vorentscheidungen getroffen, „aber wir stehen jetzt unter großem Zeitdruck, die Vorarbeiten der Arbeitsgruppen zu einem gelungenen Fest zu koordinieren“, sagt Bürgermeisterin Henne. In Schumms Geschäftsbereichen, Tourismus/Wanderwege, Spielplätze/Pumptrackanlage, Jugend- und Seniorenarbeit, „besteht ein großer Handlungsstau. Hier sind leider viele Arbeiten unerledigt geblieben und es stehen dringend notwendige Arbeiten an, um insbesondere die Spielplätze und Wege zu verbessern“, konstatiert die Bürgermeisterin. Sie bedauere sehr, dass kein Übergabegespräch zu den Geschäftsbereichen stattfinden wird. „Dies erschwert natürlich eine reibungslose Weiterführung der Geschäfte“, sagt Henne. Mit Hilfe der Mitarbeiter der Verbandsgemeinde werde sie sich einen Überblick verschaffen und notwendige Arbeiten veranlassen. Peiser hat kein Verständnis Kritik an Schumms Reaktion kommt von SPD-Ratsmitglied Andreas Peiser, der unterstreicht, dass er die Kritik, die er Schumm persönlich geschrieben hat, nicht im Namen der Partei und Fraktion äußert. „Am Sonntag haben Dir 711 Menschen aus Waldfischbach-Burgalben ihre Stimme für das Amt des Ortsbürgermeisters gegeben“, schreibt Peiser und bekennt, dass er nicht dazu gehört habe. Aber nicht, weil er Schumm nicht leiden könne, oder nicht für geeignet gehalten habe. Er habe ihn während der dreijährigen Amtszeit unterstützt, weil er froh gewesen sei, dass die Ortsgemeinde einen Beigeordneten hatte, der etwas erreichen wollte. Obwohl Schumm, den zuvor kaum jemand gekannt habe, mit Hilfe der BWB zum ersten Beigeordneten gewählt worden sei, ohne dass er sich zuvor den anderen Fraktionen vorgestellt habe. Trotzdem sei Schumm von allen Fraktionen einstimmig ein wichtiger Geschäftsbereich übertragen worden. Es sei gemeinsam gearbeitet worden, etwa in der Arbeitsgruppe für den Pumptrack, und es sei verhindert worden, dass die CDU Gelder für die Spielplätze im Haushalt kürzt. Nur umgesetzt sei nichts. „Am meisten entsetzt mich aber dein Verhalten nach der Wahl“, bemängelt Peiser. Schumm habe das Ehrenamt hingeworfen. Am Rande der Wahlausschusssitzung habe er Henne quasi im Vorbeigehen die Schlüssel zurückgegeben und betont, er habe keine Unterlagen und Informationen zu übergeben. „Was ist mit dem Bruchwissefeschd? Gibt es hier, gut drei Monate vor dem Fest, keinen Status? Die Kerwe hast Du ja bereits erfolgreich abgesagt. Was ist mit dem Besucherlenkungskonzept, das Du erarbeiten wolltest? Wie steht es um die Organisation der Feier ,50 Jahre Waldfischbach-Burgalben’? Welche Informationen gibt es zum aktuellen Kulturprogramm? Ist hier alles erledigt? Gibt es bereits Vorbereitungen für die nächste Saison?“, fragt Peiser. Warum übergebe er der Bürgermeisterin nicht das Spielplatzkonzept? Welche Termine stehen an? „Ist das dein Amtsverständnis? Was sollen die 711 Bürgerinnen und Bürger, die Dir ihre Stimme gaben davon halten?“, fragt Peiser und erklärt: „Ich habe dafür kein Verständnis. So verlässt man kein Ehrenamt, das einem eine Gemeinde angetragen hat“.