Karlsruhe
Heilig’s Blechle aus dem Wiener Wirtshaus: Mnozil Brass auf Jubiläumstour
Lange ist’s her, dass eine neue Platte herauskam. 2016 erschien die letzte: „Yes! Yes! Yes!“. Doch das Phänomen dieser unorthodoxen Blaskapelle hat sich auch in 30 Jahren kein bisschen erschöpft. Das Publikum im ausverkauften Konzerthaus reißen die sieben jedenfalls von den Stühlen.
Dem Wiener Wirtshaus Mnozil verdankt das Ensemble seinen Namen. Hier fanden sich seinerzeit Musikstudenten zusammen, die gerne musikalisch eine kesse Lippe riskieren. Ihrem Stil sind die inzwischen etwas gesetzteren Herren treu geblieben: einer Mischung quer durch die Musikgeschichte aus alpenländischem Repertoire, Operette, Pop, Rock, Jazz und Klassik – oft irrwitzig liiert.
So passt inhaltlich zwar gut zusammen, wenn in einem Medley das Sommergewitter aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ auf Gershwins „Summertime“ trifft, und vielleicht wecken die Blitze sogar Assoziationen zu AC/DC, die mit hartem Rock die „Hells Bells“ läuten. Musikalisch ist das ein gewagter Spagat, der aber viel Spaß bereitet. Überhaupt treiben Mnozil Brass in ihrem Harmoniegesang für sieben Blechbläser ein großes Spiel mit kleinen Zitaten. Da klingt Alte Musik mit Schalmei an oder das Motiv aus „Der dritte Mann“, da wird geschunkelt mit „Wien bleibt Wien“ von Johann Schrammel und manchmal auch nur grandios neu arrangiert wie bei „Music Was my First Love“ von John Miles oder „Tears in Heaven“ von Eric Clapton. Hinter den meisten Adaptionen steckt der Posaunist Leonhard Paul. Auch ohne Instrumente finden die Österreicher harmonisch zusammen wie bei „Blackbird“ von John Lennon und Paul McCartney in einer Version der King’s Singers.
Geboten ist ein proppenvolles Jubiläumsprogramm, bei dem mitfühlenden Blechbläsern im Publikum schon vom Zuschauen die Lippen schmerzen. Vor allem nachdem die Herren auf der Bühne durch die „Turceasca“ von Taraf de Haidouk mit ihren winzig kleinen Notenwerten gefegt sind. Mit schönem An- und Abschwellen allein mögen sie sich definitiv nicht zufrieden geben.
Ein Prosit auf sich selbst mit dem Flachmann
Noch ein zweites starkes Medley mit Hits der 80er-Jahre bringt der Abend. Auch da treffen wieder Welten aufeinander: „The Final Countdown“ mit den markanten Fanfaren aus einem der Rocky-Balboa-Boxerfilme, „Woman in Love“ von den Bee Gees, Nenas „99 Luftballons“, der „Englishman in New York“ von Sting, „You’re the One that I Want“ aus dem „Grease“-Filmmusical und mit „One Moment in Time“ auch noch die Mutter aller Olympia-Hymnen von Whitney Houston.
Zu einem runden Geburtstag gehört natürlich auch, einmal anzustoßen. Also packen die sieben den Flachmann aus, schenken sich reihum ein und genehmigen sich vor aller Augen ein Schnäpschen. Ob da tatsächlich Hochprozentiges die Kehlen hinunter fließt, lässt sich aus Zuschauersicht nicht verifizieren. Gut gelaunt wirken die sieben jedenfalls auch ohne. Wie hoffnungsvoll erwartet muntern sie die Programmfolge mit allerlei Schabernack und Slapstick auf. So wird mit Trompetentrichter-Defibrillator zum Leben erweckt, wem einmal die Puste ausgeht. Thomas Gansch schwingt in Rockerpose lasziv die Hüfte. Und wenn das Blech so richtig in voller Lautstärke strahlen soll, öffnen die Herren das lange Haar, als wollten sie mal so richtig Headbangen – und dazu gesellt sich selbstironisch Robert Rother mit seinem Glatzkopf.