Rheinpfalz Höhepunkt einer Gewalt-Orgie: Polizistin ins Gesicht getreten

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Mit einer Bitte um Hilfe hatte es begonnen: Ein Kind war verschwunden, die Eltern schienen sich zu sorgen. Am Ende aber stand eine Eskalation der Gewalt: Das Kind war ausgerissen und wollte nicht mehr heim. Polizisten informierten das Jugendamt, teilten dies den Eltern mit – und sahen sich urplötzlich von 20 Leuten attackiert. Die Beamten wurden bedroht und beleidigt, bespuckt und gewürgt, geschlagen und getreten.

Am schlimmsten erwischte es dabei eine Polizistin. Die Beamtin wurde, so schilderten es die Kollegen, mit mehreren Tritten ins Gesicht traktiert. Die Frau musste umgehend ins Krankenhaus gebracht werden. Während sie vorläufig nicht mehr dienstfähig ist, kam einer ihrer Kollegen mit weniger schweren Verletzungen davon. „Tritte an den Kopf – das ist ja so ziemlich das Übelste, was es da so gibt. Der Kollegin geht es körperlich nicht mehr so schlecht. Aber so etwas nimmt doch psychisch sehr mit“, informierte gestern Andreas Riemenschneider, der Dienstvorgesetzte der verletzten Polizistin, der die Kollegin gleich gestern Morgen besucht hatte. Riemenschneider leitet die Polizeiinspektion Nordsaarland mit Sitz in Wadern. Wie der Dienststellen-Chef gestern auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte, hat sich der Vorfall in dem Nohfelder Gemeindebezirk Bosen-Eckelhausen zugetragen. In dem kleinen Ort Eckelhausen war es, wo sich seine Kollegen und Unterstützungskräfte, die aus St. Wendel herbeigeeilt waren, plötzlich einer Eskalation der Gewalt ausgesetzt sahen. Begonnen hatte es damit, dass am Freitagnachmittag der Vater eines 13 Jahre alten Mädchens auf der Dienststelle der Inspektion Nordsaarland in Wadern erschienen war und seine Tochter als vermisst gemeldet hatte. Das Kind sei an diesem Tage nicht, wie sonst immer der Fall, nach Schulschluss heimgekommen. Die Polizei reagierte, leitete eine Fahndung ein und klapperte mögliche Kontaktadressen ab. Dabei stießen die ermittelnden Beamten schnell auf eine Freundin der Gesuchten. Die war ebenfalls nicht nach Hause gekommen. Die Vermutung lag nahe, dass beide gemeinsam unterwegs waren. Das bestätigte sich schnell: Kurze Zeit später fanden Polizisten die beiden Gesuchten. Allerdings wollten die 13-Jährige und ihre ältere, schon als Jugendliche geltende Freundin, keinesfalls mehr nach Hause. Beide versicherten glaubhaft, so die Polizei, dass die Rückkehr ins Elternhaus eine Gefahr für sie darstelle. Beide machten geltend, sie würden oft geschlagen. Vor allem im Fall der Jüngeren sahen die Polizisten eine akute Gefährdung des Kindeswohls: Umgehend schalteten sie das Jugendamt ein. Die beiden Mädchen blieben in der Obhut von Jugendamts-Mitarbeitern. Dies wiederum teilte daraufhin eine Streife den Eltern mit. Die Nachricht allerdings stieß bei den teils stark alkoholisierten Eltern auf keinerlei Verständnis. Kam es zunächst zu Bedrohungen und Beleidigungen gegenüber den Beamten, so erkannten die schnell den Ernst der Lage und forderten Unterstützung an. Als ein weiterer Streifenwagen anrückte, hatte sich bereits eine kleine Menschenmenge gebildet. Weitere uniformierte Kräfte wurden gerufen, die allerdings erst einmal von St. Wendel nach Nohfelden fahren mussten. Hauptaggressor war laut Polizeibericht der stark betrunkene Vater des älteren Mädchens. Er war es auch, der schließlich auf einen Polizeibeamten losstürmte und mit Faustschlägen traktierte. Als zwei Beamte dem Kollegen zu Hilfe kamen, den Betrunkenen zu Boden bugsierten und ihm Fesseln anlegten, schien dies das Startsignal: Die Lage eskalierte, mehrere Personen aus der Menge versuchten, die Festnahme zu verhindern, rissen und zerrten an den Polizeibeamten, um den auf dem Boden liegenden Mann zu befreien. Weitere Polizeibeamte, die inzwischen vor Ort eingetroffen waren, wurden von der aufgebrachten Menge bedrängt, ebenfalls mit Faustschlägen und Fußtritten bedacht. Sie wurden von mehreren Anwesenden bespuckt und gewürgt, geschlagen und getreten, dabei immer wieder beschimpft, beleidigt und bedroht. Sogar Kinder und Jugendliche mischten dabei mit. Mit der Unterstützung der Kräfte aus St. Wendel gelang es schließlich, die Lage einigermaßen zu beruhigen. Laut Inspektionsleiter Andreas Riemenschneider sind die mutmaßlichen Angreifer – ihre Zahl bezifferte er auf bis zu 20 – weitgehend schon bekannt, die Ermittlungen laufen allerdings weiter. Die Angreifer schauen diversen Strafanzeigen entgegen. Da Eckelhausen nur etwas über 200 Einwohner zählt, war rechnerisch gut ein Zehntel der Einwohner beteiligt. Wo die Leute alle wohnen und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen, konnte der Dienststellenleiter gestern noch nicht sagen. Auch was jetzt mit der 13-Jährigen und ihrer Freundin geschieht, darüber gab es gestern noch nichts Näheres zu erfahren. „Darum wird sich jetzt das Jugendamt intensiv kümmern“, sagte Riemenschneider.

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